07.09.2026
Deutsche Haushalte kauften im ersten Halbjahr 2026 weniger Wein für den Heimkonsum als ein Jahr zuvor, während italienische Erzeuger ihren Marktanteil ausbauten und deutscher Wein schneller an Boden verlor als Importe.
Die Zahlen stammen vom Deutschen Weininstitut (DWI) auf Basis des NielsenIQ-HomeScan-Panels privater Haushaltskäufe und wurden in einer am Sonntag von Wine Meridian veröffentlichten Analyse hervorgehoben. Verglichen wird der Zeitraum Januar bis Juni 2026 mit dem gleichen Zeitraum 2025; erfasst werden nur Einzelhandelskäufe für den Heimkonsum, nicht der Konsum in Restaurants oder sonst außer Haus.
Die gesamten Weinkäufe deutscher Haushalte gingen im ersten Halbjahr mengenmäßig um 4,4 % zurück, während die Ausgaben um 5,8 % sanken. Da der Wert stärker fiel als die Menge, deuten die Daten auf einen impliziten Rückgang des Werts je Einheit um rund 1,5 % hin. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass die Regalpreise breit gesenkt wurden. Es kann auch auf stärkere Promotionen, eine Verschiebung hin zu günstigeren Flaschen oder Veränderungen im Mix der gekauften Produkte zurückzuführen sein. Die Paneldaten erlauben es nicht, diese Faktoren exakt zu trennen.
Eines der wichtigsten Ergebnisse des DWI-Berichts ist, dass der Rückgang nicht auf einen Einbruch bei der Zahl der Käufer zurückzuführen war. Der Anteil der Haushalte, die Wein kauften, stieg leicht auf 43,0 % von 42,6 % ein Jahr zuvor. Trotz dieses Anstiegs gingen die Gesamteinkäufe weiter zurück, was laut DWI daran lag, dass Haushalte seltener und in kleineren Mengen Wein kauften.
Dieses Muster ist für Erzeuger und Exporteure wichtig, weil es zeigt, dass Wein in Deutschland zwar weiterhin eine breite Gruppe von Verbrauchern erreicht, aber im regulären Warenkorb weniger Platz einnimmt. Der Markt verliert also nicht einfach Käufer. Bestehende Käufer kaufen weniger.
Deutscher Wein war im Berichtszeitraum stärker betroffen als Importwein. Die Käufe von deutschem Wein gingen mengenmäßig um 5,7 % und wertmäßig um 7,2 % zurück. Importwein sank mengenmäßig um 3,4 % und wertmäßig um 4,5 %. Der stärkere Rückgang bei deutschem Wein verringerte seinen Marktanteil nach beiden Kennzahlen.
Mengenmäßig entfielen im ersten Halbjahr 42,5 % aller von Haushalten gekauften Weine auf deutschen Wein, nach 43,1 % ein Jahr zuvor. Nach Wert sank sein Anteil von 47,3 % auf 46,4 %. Der stärkere Rückgang beim Wert als bei der Menge deutet darauf hin, dass deutscher Wein nicht nur weniger verkauft wurde, sondern seinen Umsatz im Handel auch weniger gut hielt als ausländischer Wein.
Italien war unter den großen Herkunftsländern der wichtigste Gewinner. Italienischer Wein erhöhte seinen Anteil am deutschen Haushaltsweinmarkt nach Menge im ersten Halbjahr 2025 von 17,1 % auf 18,8 %. Nach Wert stieg Italiens Anteil von 20,3 % auf 21,6 %. Das entspricht einem Zuwachs von 1,7 Prozentpunkten nach Menge und 1,3 Punkten nach Wert.
Die zugrunde liegenden DWI-Grafiken zeigen, dass Deutschland weiterhin die größte Quelle des von Haushalten gekauften Weins blieb, gefolgt von Italien, Spanien und Frankreich. Nach Menge lag Spanien im ersten Halbjahr bei 13,1 % und Frankreich bei 9,5 %, während auf die Kategorie der sonstigen Länder 13,7 % und auf Weine aus der Neuen Welt 2,4 % entfielen. Nach Wert lag Frankreich hinter Italien, gefolgt von Spanien, sonstigen Ländern und Weinen aus der Neuen Welt.
Wine Meridian erklärte, Italiens Zugewinne seien besonders beim Weißwein sichtbar gewesen, einem Segment, in dem Deutschland traditionell zu seinen stärksten Positionen zählt. DWI-Daten zeigen, dass deutscher Wein im ersten Halbjahr 2026 bei den Weißweineinkäufen nach Menge noch 51,8 % ausmachte, allerdings weniger als ein Jahr zuvor. Der Bericht wies deutschen Wein außerdem mit 30,1 % bei den Rotweineinkäufen und mit 40,9 % bei Rosé nach Menge aus.
Der Wandel ist bemerkenswert, weil Weißwein zu den Kategorien gehört, in denen heimische Erzeuger seit Langem stark vertreten sind. Eine schwächere Entwicklung dort lässt mehr Raum für konkurrierende Herkunftsländer. Die veröffentlichte Analyse verwies auf Italien als das Land, das einen Teil dieser Nachfrage aufnahm, statt lediglich von einer breiten Marktausweitung zu profitieren.
Auch die Käuferreichweiten zeigen eine Aufteilung zwischen inländischem und importiertem Wein. Der Anteil der Haushalte, die deutschen Wein kauften, stieg im ersten Halbjahr auf 31,1 % von 30,3 % ein Jahr zuvor. Bei Importwein sank die Käuferreichweite auf 29,9 % von 30,6 %. Dennoch schnitt deutscher Wein bei gekaufter Menge und Wert schwächer ab, was darauf hindeutet, dass Haushalte, die deutschen Wein kauften, davon im Zeitraum weniger kauften.
Das ist ein Grund, warum der Bericht für Exporteure wie für heimische Erzeuger wichtig ist. Er legt nahe, dass der Druck in Deutschland inzwischen weniger darin besteht, Erstkäufer zu gewinnen, sondern eher darin, bestehende Käufer dazu zu bringen, häufiger oder in größeren Mengen zu kaufen. Für importierte Erzeuger, besonders Italien, kann der Marktanteil weiter wachsen, selbst wenn der Gesamtmarkt schrumpft, sofern sie weniger Boden als Wettbewerber verlieren oder Marktanteile von deutschem Wein abnehmen.
Der DWI-Newsletter beschrieb das Muster als Teil eines länger anhaltenden Rückgangs bei dem von privaten Haushalten gekauften Wein. Quartalsgrafiken im Bericht zeigen, dass die Rückgänge sich in den jüngsten Jahren fortgesetzt haben, auch wenn die Zahlen für das erste Halbjahr 2026 im Mittelpunkt der jüngsten Veröffentlichung standen. Das Institut stellte zudem fest, dass die Durchschnittspreise im ersten Halbjahr leicht nachgaben, was erklärt, warum die Ausgaben schneller fielen als die Menge.
Wine Meridians am 6. September veröffentlichte Analyse deutete die Ergebnisse als Zeichen eines selektiveren deutschen Verbrauchers und eines wettbewerbsintensiveren Einzelhandelsmarktes. Die Publikation betonte außerdem eine wichtige Einschränkung: Das NielsenIQ-HomeScan-Panel misst die Käufe privater Haushalte im Handel und schließt Gastronomie sowie andere Außer-Haus-Kanäle aus. Die Zahlen zeigen daher den Einzelhandelskauf für den Heimkonsum, nicht den gesamten Weinkonsum in Deutschland.
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