Französische Abgeordnete billigen Notfallgesetz für die Landwirtschaft

Das Vorhaben erleichtert Bewässerungsreservoirs, verschärft Lebensmittelimportkontrollen und vereinfacht Regeln zur Stärkung der landwirtschaftlichen Souveränität

02.06.2026

Teilen

Die französische Nationalversammlung hat am Dienstag ein Notfallgesetz für die Landwirtschaft verabschiedet, das den Bau von Wasserspeichern für die Bewässerung erleichtern, die Kontrollen von Lebensmittelimporten verschärfen und eine Reihe landwirtschaftlicher Vorschriften vereinfachen soll. Nach Angaben der Abgeordneten soll damit die landwirtschaftliche Produktion geschützt und die agrarische Souveränität des Landes gestärkt werden.

Die Abstimmung erfolgte nach mehreren Wochen Debatte im Unterhaus, das sich vom 19. bis 30. Mai mit dem Vorhaben befasst hatte. Der Gesetzentwurf wurde am 8. April im Kabinett vorgelegt und am Dienstagnachmittag nach der Regierungsbefragung in einer Schlussabstimmung angenommen. Er schafft nun einen breiten Rahmen zu Wasserzugang, Feuchtgebieten, öffentlicher Beschaffung, Schutz der Tierbestände, Einkommen der Landwirte und rechtlichen Anfechtungen großer Projekte.

Im Zentrum des Textes steht die Unterstützung sogenannter „future agricultural projects“, einer neuen Kategorie, die lokalen Wirtschaftsakteuren helfen soll, Produktion, Verarbeitungsanlagen und Innovationen zu entwickeln. Im Ausschuss ergänzten die Abgeordneten Ziele wie die Sicherung einer ausgewogenen territorialen Abdeckung, den Ausbau von Verarbeitungsinfrastruktur und die Unterstützung der Produktion in bestimmten Sektoren. Das Gesetz öffnet zudem die Tür für die Finanzierung neuer Technologien in der Landwirtschaft.

Einer der am genauesten beobachteten Teile des Gesetzes betrifft das Wasser. Der Text begünstigt den Bau von Reservoirs für die Bewässerung – eine seit Langem erhobene Forderung vieler Landwirte, die mit häufigeren Dürren und einem härteren Wettbewerb um Wasserressourcen konfrontiert sind. Er befasst sich auch mit Umweltvorschriften zu Feuchtgebieten und Trinkwassereinzugsgebieten, wobei einige dieser Bestimmungen im Ausschuss gestrichen oder abgelehnt wurden. Die Abgeordneten verwarfen einen ersten Vorschlag, Ausgleichsmaßnahmen für Projekte mit Auswirkungen auf Feuchtgebiete stärker an deren Funktionen auszurichten. Sie lehnten zudem Änderungen am Rechtsrahmen zum Schutz von Trinkwasserentnahmen ab.

Das Gesetz verschärft außerdem die Kontrolle importierter Lebensmittelprodukte. Es stärkt rechtliche Instrumente, die darauf abzielen, Einfuhren von Lebensmitteln zu blockieren, die mit Stoffen oder Arzneimitteln behandelt wurden, deren Einsatz in der Europäischen Union verboten ist. Zudem schafft es eine nationale Brigade zur Kontrolle von Lebensmitteln an den Grenzen und im gesamten französischen Staatsgebiet. In der Gemeinschaftsverpflegung verbietet das Gesetz nicht-europäische Beschaffung und erweitert die Liste der Produkte, die für den bereits im Rahmen des französischen EGAlim-Gesetzes festgelegten 50-Prozent-Anteil nachhaltiger und hochwertiger Lebensmittel angerechnet werden können.

Mehrere Bestimmungen sollen landwirtschaftliche Vorschriften vereinfachen und produktive Flächen schützen. Der Text zielt darauf ab, die Versiegelung von Ackerland einzudämmen, und gibt den Safer-Behörden, die den ländlichen Bodenmarkt überwachen, größere Befugnisse, um der Zersplitterung landwirtschaftlicher Parzellen entgegenzuwirken. Außerdem vereinfacht er Verfahren, mit denen Viehhalter ihre Herden gegen Wolfsrisse verteidigen können.

Die Regierung wird zudem ermächtigt, per Verordnung zu zwei sensiblen Fragen zu legis­lieren: zur gesundheitlichen Sicherheit in der Landwirtschaft im Kontext des Klimawandels und zur Schaffung einer speziellen Umweltpolizei für Tierhaltungsbetriebe, getrennt vom Regime für klassifizierte Industrieanlagen. Das Gesetz verschärft darüber hinaus die Strafen für Diebstähle auf landwirtschaftlichen Betrieben.

Ein weiterer Abschnitt soll die Position der Landwirte in der Lieferkette verbessern und das Einkommen stützen. Er verschärft die Regeln für die Beziehungen zwischen Landwirten und Erstkäufern, indem er vorgelagerte Verhandlungen verkürzt. Er verlängert ein als „price tunnel“ bekanntes Experiment und enthält Maßnahmen zur Erhöhung der Rendite auf Genossenschaftsanteile, damit landwirtschaftliche Genossenschaften ihre Eigenkapitalbasis stärken können. Der Text zielt außerdem darauf ab, bestimmte Geschäftspraktiken des Einzelhandels einzudämmen, darunter wiederholte Ausschreibungen, durch die Landwirte nach eigener Aussage unter Preisdruck geraten können.

Der letzte Titel soll missbräuchliche rechtliche Anfechtungen gegen Projekte im Zusammenhang mit kohlenstoffarmer Energie, Verkehrsinfrastruktur, Landwirtschaft, Industrie sowie Stadtplanung und Entwicklung abschrecken. Nach dieser Bestimmung könnten Projektträger, gegen die Klagen gerichtet werden, Entschädigung für durch diese Maßnahmen verursachte Schäden verlangen.

Die Verabschiedung spiegelt in Frankreich eine breitere politische Anstrengung wider, auf Klagen von Landwirten über Einkommensdruck, regulatorische Belastungen und den Zugang zu Wasser zu reagieren – bei gleichzeitiger Abwägung dieser Forderungen mit dem Umweltschutz, der in den Debatten über die ländliche Politik zunehmend umstritten ist.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Teilen Sie ihn