17.06.2026

Der Absatz von Bier mit geringerem Alkoholgehalt in Großbritannien ist seit der Änderung der Alkoholsteuern zugunsten alkoholarmer Getränke stark gestiegen, wie eine neue, von der Branche unterstützte Analyse zeigt, die auf einen deutlichen Wandel sowohl in der Produktion als auch in der Nachfrage der Verbraucher hinweist.
Die British Beer and Pub Association erklärte unter Berufung auf eine Studie von Oxford Economics, Biere mit einem Alkoholgehalt zwischen 1,3 % und 3,4 % vol. hätten 2025 mehr als 12 % des Biermarktes ausgemacht, nach 0,4 % im Jahr 2022. Die Zahlen deuten darauf hin, dass ein Steuersystem, das auf Produkte mit geringerem Alkoholgehalt weniger Verbrauchsteuer erhebt, eine Kategorie rasch umgeformt hat, die lange Zeit nur eine Randerscheinung geblieben war.
Die Veränderung folgt auf die im August 2023 eingeführte Reform der britischen Alkoholsteuern, als die Regierung zu einem System überging, das die Steuersätze enger an den Alkoholgehalt koppelt. Unter dieser Struktur wurden schwächere Biere im Vergleich zu Standard-Lager- und Ale-Bieren günstiger in Herstellung und Verkauf, was Brauereien einen finanziellen Anreiz gab, bestehende Marken neu zu formulieren oder neue unter wichtigen Alkoholschwellen einzuführen.
Besonders sichtbar ist die Entwicklung in Pubs, Bars und Restaurants, wo Betreiber unter Druck durch höhere Kosten und zurückhaltende Konsumausgaben stehen. Bier mit geringerem Alkoholgehalt hat manchen Gästen eine günstigere Option an der Bar geboten und zugleich den Betrieben ermöglicht, ihr Angebot zu erweitern, ohne vollständig auf alkoholfreie Produkte umzusteigen. Branchenverbände sagen, dies habe dazu beigetragen, eine Mitte zwischen traditionellem Bier und alkoholfreien Alternativen zu schaffen.
Die British Beer and Pub Association erklärte, die Steueränderungen hätten Innovationen in der gesamten Branche angestoßen. Brauereien hätten mehr Produkte im Segment mit geringerem Alkoholgehalt eingeführt, und einige etablierte Marken hätten Rezepturen angepasst, um in niedrigere Steuerklassen zu fallen. Das habe Regalflächen im Handel und Zapfauswahlen in Pubs verändert und zugleich die Preisstrategien im gesamten Gewerbe beeinflusst.
Oxford Economics führte einen großen Teil des Wachstums direkt auf den steuerlichen Anreiz zurück. Durch die Senkung der Verbrauchsteuerlast auf schwächere Biere habe die Politik die Lücke zwischen Produktionskosten und Verkaufspreis so weit verkleinert, dass das Segment in großem Maßstab wirtschaftlich tragfähig geworden sei, heißt es in dem Bericht. Das scheint das Verhalten auf beiden Seiten des Marktes verändert zu haben: Brauereien haben nun einen stärkeren Grund, in Linien mit geringerem Alkoholgehalt zu investieren, und Verbraucher kaufen sie in weit größerer Zahl als zuvor.
Die Entwicklung ist über den Bierabsatz hinaus bedeutsam, weil sie zeigt, wie Steuerpolitik das Produktdesign in der Getränkeindustrie beeinflussen kann. In Großbritannien ist die Verbrauchsteuer auf Alkohol nicht nur zu einem Instrument der Einnahmenerzielung geworden, sondern auch dazu, den Konsum in Richtung Getränke mit weniger Alkohol zu lenken. Befürworter dieses Ansatzes argumentieren, dass er Mäßigung fördern könne, ohne ein ausdrückliches Verbot von Wahlmöglichkeiten zu erfordern. Für Brauereien und Pub-Betreiber bedeutet das jedoch auch, dass die Geschäftsplanung zunehmend an Steuergrenzen gekoppelt ist.
Das Wachstum kommt zu einem Zeitpunkt, an dem viele Getränkeunternehmen versuchen, auf veränderte Gewohnheiten jüngerer Erwachsener und gesundheitsbewusster Verbraucher zu reagieren. Die Nachfrage nach alkoholfreien und alkoholarmen Produkten ist in Europa in den vergangenen Jahren gestiegen, doch Bier mit geringem Alkoholgehalt blieb im Vergleich zu alkoholfreiem Bier eine kleine Nische. Die jüngsten britischen Zahlen deuten darauf hin, dass die Steuerpolitik die Verbreitung schneller beschleunigt haben könnte, als es die Verbraucherpräferenz allein getan hätte.
Für Pubs könnte der Trend gemischte Folgen haben. Ein breiteres Angebot an Produkten mit geringem Alkoholgehalt könnte Gäste anziehen, die länger bleiben oder über den Abend hinweg maßvoller trinken wollen. Es könnte aber auch das durchschnittliche Ausgabeverhalten verändern, wenn Verbraucher von Produkten mit höherer Steuerlast auf günstigere Alternativen umsteigen. In einem Sektor, der bereits mit Inflation, Personalkosten und fragiler Kundenfrequenz zu kämpfen hat, bleibt die Preisgestaltung zentral für die Rentabilität.
Auch für Brauereien ergibt sich eine eigene Rechnung. Bier neu zu formulieren, ohne Geschmack oder Markenidentität zu verlieren, kann technisch schwierig sein, insbesondere bei Mainstream-Produkten mit etablierten Geschmacksprofilen. Doch das Ausmaß des Marktwandels, das sich aus den neuen Zahlen ergibt, legt nahe, dass viele Hersteller diese Herausforderung für lohnend hielten, wenn sie dafür Zugang zu niedrigeren Steuersätzen und stärkerer Nachfrage erhielten.
Die Ergebnisse dürften die breitere Debatte darüber befeuern, ob Fiskalpolitik eine größere Rolle dabei spielen sollte, was Menschen trinken. Großbritanniens Erfahrung bietet eines der klarsten jüngeren Beispiele dafür, wie Besteuerung innerhalb einer Getränkekategorie rasche Veränderungen auslösen kann – nicht durch Verbote oder Mindestpreisregeln, sondern durch Anreize im Produktalkoholgehalt.
Branchenvertreter haben den Anstieg des Absatzes von schwachem Bier als Beleg dafür dargestellt, dass Brauereien schnell reagieren, wenn Steuerstrukturen Reformulierungen belohnen. Ökonomen aus dem Sektor sagen zudem, dies zeige auch, wie empfindlich die Nachfrage sein kann, wenn Preisunterschiede am Verkaufsort sichtbar werden – besonders in Pubs, wo Verbraucher Optionen direkt vergleichen.
Der Anstieg von 0,4 % Marktanteil im Jahr 2022 auf mehr als 12 % im Jahr 2025 markiert einen der schnellsten Veränderungen in einem modernen Biersegment in Großbritannien. Ob dieser Anteil weiter wächst, könnte davon abhängen, wie Brauereien ihre Angebote verfeinern, wie Pubs sie auf ihren Karten positionieren und ob Verbraucher Bier mit geringerem Alkoholgehalt weiterhin als alltägliche Wahl statt als vorübergehende Reaktion auf Preise betrachten.
Schon jetzt ist klar: Die Reform der Verbrauchsteuer hat die Anreize im britischen Bierhandel verändert. Sie hat beeinflusst, was Brauereien herstellen, was Pubs lagern und was viele Gäste inzwischen bestellen – und damit innerhalb von drei Jahren aus einer einst kleinen Kategorie einen bedeutenden Teil des Marktes gemacht.
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