18.06.2026

Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger hat die Bundesregierung aufgefordert, Steuererleichterungen für kleine Brennereien zu erhalten, falls sie eine geplante Erhöhung der Alkoholsteuer umsetzt. Er argumentierte, handwerkliche Produzenten würden von der Maßnahme am stärksten getroffen.
In einer am Mittwoch in München veröffentlichten Erklärung sagte Aiwanger, kleine Brennereien sollten das derzeitige gestaffelte System und die ermäßigten mengenbezogenen Steuersätze behalten, selbst wenn Berlin die Abgabe auf Spirituosen erhöht. Er sagte, das Recht der Europäischen Union erlaube solche Entlastungen ausdrücklich, und warnte davor, den Schutz für kleine Produzenten zu streichen und gleichzeitig den Standardsatz anzuheben.
Die Debatte folgt auf einen Ende April vorgelegten Vorschlag der Gesundheitskommission der Bundesregierung, der eine Verdopplung der Alkoholsteuer auf Spirituosen und andere alkoholische Getränke forderte. Nach diesem Vorschlag würde der Standardsatz bis 2029 schrittweise von 13,03 € pro Liter reinen Alkohols auf 26,03 € steigen.
Aiwanger sagte, eine solche Erhöhung könnte kleine Brennereien zu den Hauptverlierern einer breiteren Steuerpolitik machen. Er beschrieb diese Betriebe als fest in regionaler Identität und lokalen Wirtschaftskreisläufen verankert und sagte, vielen fehle der Spielraum, um einen weiteren Schlag gegen ihre Wettbewerbsfähigkeit abzufedern.
Er verknüpfte das Thema auch mit Landwirtschaft und Landschaftspflege in Bayern. Nach Angaben Aiwangers wird Obst aus ökologisch wertvollen traditionellen Streuobstwiesen häufig von Brennereien verarbeitet und trägt so zur Pflege und zum Erhalt dieser Bäume bei. Wenn kleine Brennereien unter höherem Steuerdruck Einnahmen verlieren oder schließen, könnte diese Einnahmequelle geschwächt werden.
Der Minister übertrug dasselbe Argument auf das Brauwesen und sagte, mittelständische Brauereien sollten ebenfalls weiterhin von der bestehenden gestaffelten Biersteuerstruktur profitieren. Er kritisierte sogenannte Lenkungssteuern mit dem Hinweis, sie hätten selten Erfolg, und argumentierte, Aufklärung über verantwortungsvollen Alkoholkonsum sei wirksamer als höhere Abgaben.
Zudem sagte er, die Bundesregierung solle sich stattdessen auf den Abbau von Bürokratie und sinkende Energiekosten konzentrieren; das würde kleinen Brennereien seiner Ansicht nach mehr helfen als neue Steuern.
Die derzeitigen ermäßigten Sätze für bestimmte kleine Brennereibetriebe liegen laut dem bayerischen Wirtschaftsministerium bei rund 10 € und 7 € pro Liter reinen Alkohols, verglichen mit dem regulären Spirituosensteuersatz von 13,03 €.
Für den Getränkesektor hat der Streit über Bayerns Landespolitik hinaus Bedeutung. Ein deutlicher Anstieg der Spirituosenabgaben könnte sich letztlich in höheren Regalpreisen und engeren Margen für kleinere Produzenten niederschlagen, die weniger Skaleneffekte haben als große Getränkekonzerne. Wenn die Entlastung für kleine Brennereien erhalten bleibt, könnte das einen Teil dieses Drucks abfedern und dazu beitragen, Arbeitsplätze und Wettbewerbsfähigkeit in der regionalen Spirituosenproduktion zu sichern.
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