15.06.2026

Britische Landwirte haben die kleinste Gerstenfläche seit 16 Jahren bestellt – eine Entwicklung, die die schwächere Nachfrage von Brauereien und Brennereien widerspiegelt und später die Versorgung mit Braugerste verknappen könnte, die für die Bier- und Whiskyproduktion verwendet wird.
Über diese Veränderung berichtete am Montag The Drinks Business. Demnach beginnt der niedrigere Alkoholkonsum in Großbritannien bereits, Entscheidungen am Anfang der Lieferkette zu beeinflussen. Da sich der Absatz von Bier und Spirituosen abgeschwächt hat, haben Brauereien und Brennereien ihre Lagerbestände reduziert und weniger Gerste für die Mälzung gekauft. Die Landwirte reagierten auf die schwächeren Erlöse, indem sie weniger Gerste anbauten und stattdessen auf ertragreichere Kulturen wie Ölsaaten auswichen.
Das Ergebnis ist laut Bericht die niedrigste Gerstenanbaufläche seit etwa 2010. Der Rückgang bedeutet nicht zwangsläufig einen unmittelbaren Mangel, verringert aber das Angebot an Getreide, das als hochwertige Braugerste infrage kommt – eine Kategorie, die strengere Anforderungen erfüllen muss als Futtergerste. Das ist wichtig, weil nicht jede geerntete Gerste selbst in einem normalen Jahr für Malz geeignet ist.
Der Rückzug erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem sich die Trinkgewohnheiten in Großbritannien weiter verändern. Verbraucher haben ihre Ausgaben in einigen Alkoholkategorien gekürzt, während Gesundheitsbedenken, Trends zur Mäßigung und knappere Haushaltsbudgets auf die Absatzmengen drücken. Diese Belastungen haben sich durch die Einkaufspläne der gesamten Getränkebranche gezogen.
Ein von The Drinks Business genanntes Beispiel ist Diageos Roseisle-Destillerie in Schottland, wo das Mälzen für einen Teil dieses Jahres ausgesetzt wurde, obwohl die Destillation weiterläuft. Der Schritt zeigt, wie große Produzenten ihre Abläufe an veränderte Nachfrage anpassen.
Für Landwirte scheinen derzeit vor allem die Preise ein zentrales Thema zu sein. Laut Bericht kalkulieren viele Erzeuger, dass Gerste unter den aktuellen Marktbedingungen nicht profitabel ist. Das wirft Fragen nach der Versorgungskontinuität in künftigen Saisons auf, insbesondere wenn sich die Nachfrage erholt und Käufer wieder mit dem Wunsch nach hochwertigerem Getreide an den Markt zurückkehren.
Der britische Gerstenmarkt wird zudem von Exportnachfrage und heimischer Futterverwendung geprägt, weshalb Erzeuger bei der Anbauentscheidung mehrere Signale zugleich abwägen. Dennoch bleibt die Nachfrage von Brauereien und Brennereien einer der wichtigsten Treiber für die Premiumpreise von Braugerste. Wenn dieses Signal schwächer wird, geht die Aussaat meist rasch zurück.
Für den Getränkesektor könnte der Rückgang der Anbaufläche wichtiger werden, falls sich der Konsum stabilisiert oder verbessert. Eine kleinere Anbaufläche könnte bedeuten, dass weniger erstklassige Gerste für Mälzereien verfügbar ist, was je nach Erntequalität und Enderträgen den Wettbewerb um Rohstoffe verschärfen könnte. Das wiederum könnte die Inputkosten für Brauereien und Brennereien erhöhen.
Der Druck dürfte sich innerhalb der Branche ungleich verteilen. Kleinere Brauereien, die oft über weniger Einkaufsmacht verfügen als größere Gruppen, könnten stärker betroffen sein, falls die Malzpreise weiter steigen, während Energie-, Verpackungs-, Arbeits- und Steuerkosten hoch bleiben. Brennereien arbeiten häufig mit längerfristigen Getreideverträgen, was kurzfristig einen gewissen Schutz bieten kann; dennoch sind auch sie im Zeitverlauf Veränderungen auf den Agrarmärkten ausgesetzt.
Der aktuelle Rückgang bei den Aussaaten ist noch kein Beweis für eine Versorgungskrise. Viel wird von den Wetterbedingungen, den Erträgen und davon abhängen, wie viel der Ernte den Mälzungsstandards entspricht. Dennoch verweist die Flächenzahl auf einen breiteren Wandel: Die schwächere Nachfrage nach Alkohol wirkt sich nicht mehr nur auf den Einzelhandel und die Lagerbestände der Produzenten aus, sondern beeinflusst inzwischen auch Entscheidungen auf Betriebsebene, die künftige Lieferungen für Bier- und Spirituosenhersteller in ganz Großbritannien prägen.
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