Spanische Brauereien erzielen Rekordgewinne

Brauereien setzen auf alkoholfreie Getränke, Premium-Marken und Exporte – während der Bierkonsum in Spanien sinkt

26.05.2026

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Die spanische Bierbranche steht vor einem klaren Widerspruch: Die Menschen trinken zu Hause und in Bars weniger, doch die größten Brauereien des Landes melden Rekordgewinne, indem sie ihr Geschäft auf alkoholfreie Getränke, Premiumprodukte und Exporte ausrichten.

Die jüngsten Zahlen zeigen, dass der Pro-Kopf-Bierkonsum in Spanien 2024 auf 52,8 Liter gesunken ist, ein Minus von 4,9 % gegenüber dem Vorjahr und deutlich unter den seit Langem üblichen rund 60 Litern. Auch der gesamte Bierabsatz ging um 0,2 % auf 38,6 Millionen Hektoliter zurück und verzeichnete damit das zweite Jahr in Folge einen Rückgang – etwas, das seit der Finanzkrise 2008 nicht mehr vorgekommen war. Mahou San Miguel, Damm, Hijos de Rivera und Heineken, die zusammen rund 95 % der Produktion in Spanien ausmachen, schlossen das Jahr jedoch mit einem gemeinsamen Gewinn von 593 Millionen Euro ab, 44 % mehr als im Vorjahr.

Die Kluft zwischen sinkendem Konsum und steigenden Gewinnen spiegelt einen breiteren Wandel bei Verkauf und Konsum von Bier wider. Nach Angaben der Branche belasten Inflation, eine schwächere Kaufkraft der Haushalte, wirtschaftliche Unsicherheit und vorsichtigeres Ausgabeverhalten in der Freizeit die Nachfrage. Auch das Wetter spielte in einigen Regionen eine Rolle: Es verringerte den Andrang auf Terrassen und traf damit einen wichtigen Absatzkanal für Bier. Zugleich sagen die Brauer, dass sich der Markt verändert, weil jüngere Verbraucher weniger Alkohol trinken, ältere Generationen ihre Ausgehgewohnheiten hinter sich lassen und sich das soziale Leben stärker auf Tagesformate verlagert – etwa Treffen am späten Nachmittag statt langer Nächte.

Emilio Gallego, Generalsekretär von Hostelería de España, sagte, der Markt breche nicht ein, sondern entwickle sich weiter. Als einen der Hauptgründe für das verlangsamte Wachstum nannte er den demografischen Wandel. In den 1980er-Jahren habe es in Spanien jährlich etwa 500.000 Menschen gegeben, die 18 wurden; heute liege diese Zahl näher bei 300.000. Das sei wichtig, weil junge Erwachsene traditionell einen großen Teil des sozialen Biermarkts angetrieben hätten.

Der Wandel zeigt sich auch im Trinkverhalten. Mehr als die Hälfte der Erwachsenen sagt, sie habe den Alkoholkonsum reduziert; zudem gibt ein wachsender Anteil an, im Vormonat keinen Alkohol getrunken zu haben. Gesundheitsbewusstsein, Sportgewohnheiten und Telearbeit haben verändert, wann und wo Menschen sich treffen. Gallego sagte, die Zeit, die früher für ein Biertrinken genutzt wurde, werde heute oft für Fitnessstudio-Besuche oder Laufen verwendet.

Dennoch bleibt Bier eng mit dem spanischen Sozialleben verbunden. Jacobo Olalla, Generaldirektor von Cerveceros de España, sagte, das Getränk spiele in einer zunehmend digitalen und individualisierten Gesellschaft weiterhin eine wichtige Rolle als verbindender Punkt. Bars und Restaurants bleiben dafür zentral: 63 % des Biers in Spanien werden weiterhin außer Haus konsumiert. Doch dieser Kanal hat sich nach der Pandemie noch nicht vollständig erholt. Der Verbrauch in der Gastronomie sank im vergangenen Jahr um rund 2 % auf 19,2 Millionen Hektoliter, während der Einzelhandelsabsatz um 1 % zulegte – ein Zeichen dafür, dass sich ein Teil des Konsums von Bars in Supermärkte und andere Geschäfte verlagert hat.

Daten von NielsenIQ, ausgewertet von Actualidad Económica, zeigen, dass sich zwischen April 2025 und April 2026 das Absatzvolumen im Einzelhandel kaum veränderte: Es sank von 1,894 Milliarden Litern auf 1,892 Milliarden Liter, während der Umsatz von 3,363 Milliarden Euro auf 3,409 Milliarden Euro stieg. Das deutet darauf hin, dass Verbraucher etwa die gleiche Menge kaufen, dafür aber mehr bezahlen und höherwertige Produkte wählen.

Eines der deutlichsten Beispiele ist alkoholfreies Bier. Spanien gehört inzwischen weltweit zu den führenden Ländern bei Produktion und Konsum von Bier ohne Alkohol. Die Kategorie macht mittlerweile rund 14 % des gesamten Bierabsatzes und fast 16 % des Heimkonsums aus; das jährliche Volumen wird auf sieben bis acht Millionen Hektoliter geschätzt. Aus einer Nischenoption ist ein fester Bestandteil spanischer Trinkgewohnheiten geworden.

Für die Brauereien ist alkoholfreies Bier zu einem wichtigen Wachstumstreiber geworden. Der Absatz in dieser Kategorie stieg im vergangenen Jahr um fast 4 %, nach Zuwächsen von 11 % im Jahr 2022 und rund 3,5 % im Jahr 2023. Mahou San Miguel zufolge stammen bereits fast 30 % des Umsatzes aus alkoholfreien Getränken. Heineken hat diesen Bereich neben Premium-Marken zu einem seiner wichtigsten Wachstumsschwerpunkte gemacht. Auch Damm und andere Unternehmen haben ihre Investitionen in Innovationen rund um alkoholfreie Produkte ausgeweitet.

Die Reaktion geht über Bier hinaus. Mahou San Miguel ist mit Café 170 in den Kaffeemarkt eingestiegen, hat einen Energydrink namens Refeel auf den Markt gebracht und Los Cachis eingeführt – weinbasierte Getränke für neue Konsumtrends. Zudem gehört Solán de Cabras Wasser zum Portfolio; dessen Absatz hat sich seit der Aufnahme in das Unternehmensportfolio im Jahr 2011 verdoppelt.

Hijos de Rivera, Eigentümer von Estrella Galicia, ist einen ähnlichen Weg gegangen: Das Unternehmen expandierte mit dem Gin Vánagandr in den Spirituosenmarkt und mit Soul K in Kombucha; zugleich stärkte es mit Cabreiroá sein Wassergeschäft. Damm nahm Nestea nach der Trennung des Teegeschäfts von Coca-Cola und Nestlé ins Portfolio auf und kontrolliert seit 2021 Cacaolat.

Auch im Ausland suchen die Unternehmen nach Wachstumsmöglichkeiten angesichts der schwächeren Inlandsnachfrage. Cerveceros de España zufolge stiegen die Exporte im Jahr 2025 um fast 8 %. Mahou San Miguel erzielt inzwischen etwa 21 % seines Umsatzes außerhalb Spaniens und hat sich zuletzt auf den Nahen Osten über Ägypten konzentriert; dort setzt das Unternehmen alkoholfreie Produkte durchgesetzt werden sollen , die an lokale Geschmäcker angepasst sind – etwa Ananas mit Karamell, Apfel mit Zimt und Pfirsich mit Vanille.

Auch Damm hat international expandiert und im vergangenen Oktober nach einer Investition von 80,5 Millionen Euro eine Brauerei in Bedford in England eröffnet. Die Anlage ist für einen Markt bestimmt, der bereits rund 30 % des internationalen Geschäfts des Unternehmens ausmacht. Auch die spanische Einheit von Heineken nutzt ihr globales Netzwerk für den Export von Marken ins Ausland; dazu zählt unter anderem Cruzcampo’s Markteintritt in Großbritannien im Jahr 2023.

Die Botschaft der Branche lautet: Spanien trinkt insgesamt vielleicht weniger Bier – doch die Brauereien finden Wege, mit dem Geld mehr zu verdienen: mit alkoholärmeren Angeboten, mehr Premiumprodukten und Marken, die weit über den Heimatmarkt hinaus funktionieren.

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