22.07.2026

Forscher in Italien berichten, dass ein automatisiertes Nebelsystem zur Kühlung von Barbera-Trauben während Hitzestress die Physiologie der Reben verbesserte, zugleich aber wichtige Verbindungen verringerte, die in der Frucht für Farbe und Struktur verantwortlich sind – ein Ergebnis, das die Reaktion der Winzer auf heißere Sommer erschweren könnte.
Die am Dienstag in Scientific Reports veröffentlichte Studie untersuchte über zwei Vegetationsperioden zwei Weinbergsmaßnahmen: eine lokale Kühlung der Trauben durch Vernebelung und einen späten Basalblattschnitt, eine gängige Laubwandmaßnahme, bei der Blätter rund um die Fruchtzone entfernt werden. Im Fokus stand Barbera, eine Rotweinsorte, die häufig für tief gefärbte Weine verwendet wird, und geprüft wurde, wie die beiden Maßnahmen einzeln und gemeinsam wirkten.
Die Forscher arbeiteten mit einem vollständigen faktoriellen Versuchsdesign und verglichen gekühlte und ungekühlte Reben, jeweils mit und ohne späten Basalblattschnitt. Das Kühlsystem basierte auf Nebeldüsen, die Wasser mit 11,2 Litern pro Stunde ausbrachten und sich automatisch einschalteten, wenn die Lufttemperatur über 33 Grad Celsius stieg und die relative Luftfeuchtigkeit unter 55 % fiel.
Über beide Saisons hinweg hatte die Kühlung einen klaren Effekt auf die Rebenfunktion. Laut der Studie verbesserte sich der Gasaustausch der Blätter in gekühlten Reben in beiden Jahren, was auf eine bessere physiologische Leistung unter heißen Bedingungen hindeutet. 2025 fanden die Forscher zudem einen direkten Zusammenhang zwischen Kühlung und dem Wasserpotenzial vor Sonnenaufgang, der zeigte, dass die Reben keinem einschränkenden Wasserstress ausgesetzt waren.
Das ist deshalb bedeutsam, weil das System mehr tat als nur die Früchte zu kühlen. Unter den Wetter-, Boden- und Reihenmanagementbedingungen des Versuchs gelangte ein Teil des vernebelten Wassers in den Boden und schien auch die Bodenfeuchte zu verbessern. Die Autoren erklärten, die Bewässerungsanlage habe daher eine Doppelfunktion erfüllt: Sie senkte die Traubentemperatur und unterstützte zugleich den Wasserstatus der Reben.
Die Temperatureffekte waren erheblich. Im Durchschnitt senkte allein das Belassen der Basalblätter um die Trauben herum die Traubentemperatur um 3-4 °C. Die Vernebelung sorgte für deutlich stärkere Kühlung und reduzierte die Traubentemperatur um bis zu 12 °C.
Die kühleren Früchte führten jedoch nicht durchgehend zu einer besseren Traubenqualität. Die Forscher stellten fest, dass der späte Basalblattschnitt die Mostzusammensetzung bei der Lese kaum beeinflusste. Auch die Kühlung veränderte den Ertrag pro Rebe nicht. Gekühlte Reben wiesen jedoch bei der Lese einen höheren Apfelsäuregehalt sowie deutlich niedrigere Konzentrationen und geringere Gesamtgehalte an Anthocyanen und Phenolen auf als ungekühlte Reben.
Diese Verbindungen sind für die Rotweinbereitung zentral. Anthocyane bestimmen die Beerenpigmentierung und die Weinfarbe, während Phenole zu Mundgefühl, Tanninbalance und Reifepotenzial beitragen. Für Winzer und Weingüter, die häufiger mit Hitzespitzen konfrontiert sind, legt die Studie nahe, dass Maßnahmen zur Vermeidung von Hitzeschäden auch Stil und Struktur des fertigen Weins verändern können.
Die Studie verweist auf einen wichtigen Unterschied bei der Art der Kühlung. Nach Angaben der Autoren kann sich die endgültige Traubenzusammensetzung je nachdem unterscheiden, ob die Trauben vor allem durch Beschattung oder durch direktes Benetzen der Beeren geschützt werden. In diesem Versuch war das Benetzen der Beeren durch Vernebelung mit einer Verringerung pigmentbezogener Verbindungen verbunden, obwohl es die Rebenfunktion in heißen Phasen schützte.
Die Ergebnisse schärfen auch die Debatte über den Blattschnitt in warmen Klimazonen. Bei ungekühlten Reben sei es wichtig gewesen, die Blätter um die Traube herum zu belassen, um Sonnenbrand zu kontrollieren, erklärten die Forscher. Das spricht für einen vorsichtigeren Umgang mit dem späten Entblättern, wenn die Temperaturen hoch sind und direkte Sonneneinstrahlung die Beeren schädigen kann.
Die Arbeit wurde von Paolo Bonini, Federico Terzi, Harsh Tiwari und Stefano Poni von der Università Cattolica del Sacro Cuore in Piacenza, Italien, durchgeführt. Die im Versuch verwendeten Rebzeilen stellte das Colle del Podio Estate zur Verfügung. Die Finanzierung kam von der Region Emilia-Romagna im Rahmen des Projekts SOS-VIGNE.
Die Studie liefert neue Hinweise auf eine wachsende Herausforderung für Weinproduzenten, da der Klimawandel die Weinberge immer häufiger extremen Hitzewellen aussetzt. Kühlsysteme können helfen, die Aktivität des Kronendachs zu erhalten und Hitzestress in den Trauben zu verringern, sie können jedoch auch mit Nachteilen in der Fruchtchemie einhergehen, die besonders für Rotweine wichtig sind, die über Farbintensität und Phenolprofil vermarktet werden.
Für den Getränkesektor ergibt sich daraus eher eine praktische Frage als eine einfache Lösung. Weinbergsmanager müssen möglicherweise entscheiden, ob der Schutz der Trauben vor Hitze Vorrang vor der Maximierung von Anthocyanen und Phenolen haben sollte oder ob unterschiedliche Aktivierungsschwellen, Laubwandstrategien oder Kühlmethoden beide Ziele besser ausbalancieren könnten. In Regionen, in denen Barbera und andere rote Sorten wiederholt sommerlicher Hitze ausgesetzt sind, könnten diese Entscheidungen nicht nur die Resilienz des Weinbergs, sondern auch den Weinstil von Jahrgang zu Jahrgang beeinflussen.
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