Deutschlands Getränkeindustrie bildet eine einheitliche nationale Lobbygruppe

Der neue Verband BWS vereint Unternehmen aus Wein-, Sekt- und Spirituosenbranche, um den Einfluss auf Regulierung in Deutschland und Europa zu stärken.

04.06.2026

Teilen

Deutschlands Wein-, Sekt- und Spirituosenbranche hat sich darauf verständigt, drei Verbände zu einer einzigen nationalen Organisation zusammenzuführen – ein Schritt, der dem Sektor inmitten wachsender politischer und regulatorischer Belastungen eine geschlossenere Stimme verschafft.

Die neue Organisation mit dem Namen Bundesverband Wein, Sekt und Spirituosen, kurz BWS, wurde von den Mitgliedsgremien des Bundesverbands Wein und Spirituosen International, des Bundesverbands Deutscher Weinbrenner und des Verbands Deutscher Sektkellereien formell gebilligt. Die Entscheidung wurde am Dienstag über Branchenkanäle bekanntgegeben, nachdem die Verbände ihre Versammlungen in Wiesbaden abgehalten hatten.

Durch den Zusammenschluss werden Importeure, Händler, Weinunternehmen und Sektproduzenten unter einem Dach vereint – zu einem Zeitpunkt, an dem Alkoholpolitik, Kennzeichnungsvorschriften, Steuerdebatten und Handelsfragen in Deutschland und europaweit stärker unter die Lupe genommen werden. Der neue Verband erklärte, er wolle Lobbyarbeit und öffentliche Interessenvertretung im Umgang mit Politikern, Unternehmen und der breiten Öffentlichkeit bündeln.

Christoph Mack, der als Präsident des BWS fungieren wird, erklärte in einer Stellungnahme, die Anforderungen an die Branche nähmen stetig zu; das Zusammengehen werde eine stärkere und zukunftsorientiertere Vertretung für Wein, Sekt und Spirituosen schaffen.

Der Verband wird seinen Sitz in Wiesbaden haben, einer Stadt mit langjährigen Verbindungen zum deutschen Sektgeschäft, und zudem ein Büro in Berlin unterhalten, um die politische Arbeit auf Bundesebene zu betreuen. Die Wahl Wiesbadens knüpfe den neuen Verband an mehr als ein Jahrhundert Branchenvertretung in der Stadt an, hieß es bei der Auftaktveranstaltung von Astrid Wallmann, Präsidentin des Hessischen Landtags und Mitglied der CDU.

Der Zusammenschluss muss noch in das Vereinsregister eingetragen werden, bevor er rechtlich wirksam wird. Struktur und Führung sind jedoch bereits festgelegt. Neben Mack, der mit der Mack & Schühle AG verbunden ist, benannte die Gruppe Oliver Gloden von Schloss Wachenheim AG und Alexander Rittlinger von Reh-Kendermann GmbH Weinkellerei als Vizepräsidenten. Dem erweiterten Vorstand gehören Führungskräfte von Henkell & Co., Rotkäppchen-Mumm, Peter Mertes, Kessler Sekt und weiteren großen Unternehmen des deutschen Getränkefachhandels an.

Das Ausmaß der gemeinsamen Vertretung macht deutlich, warum der Zusammenschluss über die interne Branchenpolitik hinaus Bedeutung hat. Der frühere Verband der Weinbrenner erklärte, seine Mitglieder vermarkteten mehr als 50% der gesamten deutschen Weinproduktion und verantworteten den Großteil der Weinausfuhren. Der Sektverband sagte, er vertrete rund 95% der Sektproduktion in Deutschland. Der internationale Wein- und Spirituosenverband gab an, etwa 50 kleine, mittelständische und große Händler und Importeure zu vertreten, die für einen Großteil des deutschen Importvolumens in diesen Kategorien verantwortlich seien.

Zusammengenommen deuten diese Zahlen darauf hin, dass der BWS einen großen Teil der kommerziellen Seite des deutschen Alkoholmarkts vertreten wird – von der heimischen Produktion bis hin zu Importen und Exporten. Das könnte ihm größeren Einfluss auf Debatten über Verbrauchsteuern, Gesundheitshinweise, Nachhaltigkeitsvorgaben, Verpackungsanforderungen und Handelsregulierung verschaffen.

Deutschland verfügt über einen der größten Getränkemärkte Europas und ist zugleich ein bedeutender Produzent und Importeur von Wein und Sekt. Die heimische Branche reicht von familiengeführten Weingütern bis hin zu großen Abfüllern und Kellereibetrieben, die Supermärkte, Fachhändler, Restaurants und Exportmärkte beliefern. Sekt hat in Deutschland wegen seiner lang etablierten Verbraucherschaft und industriellen Größenordnung besonderes Gewicht.

Mit der Zusammenführung von drei Organisationen zu einem Verband reagiert die Branche offenbar auf ein politisches Umfeld, das koordinierte Lobbyarbeit zunehmend gegenüber zersplitterter Vertretung begünstigt. Produzenten und Händler in ganz Europa stehen unter Druck durch Inflation, schwächere Nachfrage in einigen Kategorien, Kosten für Umweltauflagen sowie öffentliche Gesundheitskampagnen zur Verringerung des Alkoholkonsums. In diesem Kontext kann ein einziger Verband die Verhandlungen mit Ministerien, Abgeordneten und Regulierungsbehörden vereinfachen.

Die Gründungsveranstaltung fand bei Henkell Freixenet in Wiesbaden statt – ein Hinweis auf die Rolle großer Getränkeunternehmen bei der Prägung von Brancheninstitutionen in Deutschland. Auch die Zusammensetzung des Vorstands spiegelt dieses Gleichgewicht zwischen großen Unternehmensgruppen und anderen Marktteilnehmern aus Wein- und Sektbereich wider.

Für die Politik bedeutet die Gründung des BWS, dass künftige Konsultationen zur alkoholbezogenen Regulierung in Deutschland möglicherweise nur noch einen größeren Ansprechpartner statt mehrerer Fachverbände umfassen werden. Für Produzenten, Importeure und Händler schafft sie eine zentrale Plattform mit dem Ziel, Positionen über Kategorien hinweg abzustimmen, die sich häufig bei Besteuerung, Werberegeln, Kennzeichnungsstandards und Marktzugang überschneiden.

Auch der Name des neuen Verbands signalisiert den Versuch, Segmente miteinander zu verbinden, die trotz gemeinsamer wirtschaftlicher Interessen teils getrennt vertreten wurden. Wein, Sekt — Deutschlands Bezeichnung für Schaumwein — und Spirituosen unterliegen jeweils unterschiedlichen Marktbedingungen; zugleich sehen sie sich auf nationaler wie auf EU-Ebene oft ähnlichen rechtlichen Fragen gegenüber.

Die Branchenverbände erklärten, der Zusammenschluss solle die Vertretung gegenüber Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit stärken. Praktisch dürfte der BWS damit zu einem wichtigen Akteur in den Diskussionen darüber werden, wie Deutschland alkoholische Getränke reguliert – zu einem Zeitpunkt, an dem diese Regeln genauer überprüft werden.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Teilen Sie ihn