Italienische Weinerzeuger bleiben trotz rückläufiger Nachfrage optimistisch

Eine Mediobanca-Umfrage zeigt trotz sinkenden Konsums, schwächerer Exporte und wachsendem Druck auf kleinere Erzeuger weiterhin großes Vertrauen in die Attraktivität des Sektors.

11.06.2026

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Die italienische Weinbranche sieht sich mit schwächerer Nachfrage im In- und Ausland konfrontiert, doch die meisten Erzeuger halten das Geschäft weiterhin für attraktiv und erwarten im kommenden Jahr eine Verbesserung der Lage, wie aus einer neuen Umfrage des Forschungsbereichs von Mediobanca hervorgeht.

Die in dieser Woche veröffentlichte und von Horeca Channel Italia berichtete Studie ergab, dass 70% der italienischen Weinproduzenten den Sektor trotz mehrerer Jahre rückläufigen Konsums weiterhin für attraktiv halten. Zugleich gaben 80% der Produzenten an, in den vergangenen fünf Jahren einen Rückgang des Weinkonsums beobachtet zu haben – ein Zeichen dafür, wie breit die Abschwächung inzwischen den Markt erfasst hat.

Der Druck zeigte sich 2025 deutlich in den Ergebnissen. Italiens größte Weinproduzenten verzeichneten gegenüber 2024 einen Umsatzrückgang von 2,8%, wobei die Exporte um 3,4% und die Inlandsverkäufe um 2,2% sanken. Die Zahlen deuten darauf hin, dass die Auslandsmärkte, lange ein wichtiger Wachstumsmotor für italienischen Wein, im vergangenen Jahr schwächer waren als der Heimatmarkt.

Der Abschwung spiegelte sich auch im nationalen Trinkverhalten wider. Der Pro-Kopf-Weinkonsum in Italien sank 2025 auf 35,6 Liter nach 38 Litern im Jahr 2022. Dieser Rückgang verstärkt die Sorgen über verändertes Verbraucherverhalten, zumal jüngere Konsumenten in vielen Märkten zunehmend zu Getränken mit geringerem Alkoholgehalt, zu Mäßigung oder ganz anderen Kategorien greifen.

Kleinere Unternehmen scheinen stärker unter Druck zu stehen. Produzenten mit einem Umsatz von unter 30 Millionen Euro verzeichneten einen Umsatzrückgang von 3,5% und schnitten damit schlechter ab als die breitere Gruppe in der Umfrage. Diese Differenz verweist auf die Herausforderungen kleinerer Weingüter, die über weniger Größe, weniger Exportkanäle und geringeren Spielraum verfügen, um schwächere Nachfrage aufzufangen oder in neue Strategien zu investieren.

Dennoch blicken viele Erzeuger über die aktuelle Anpassungsphase hinaus. Mediobanca teilte mit, dass 58% der größten Weinproduzenten für 2026 mit steigenden Gesamtumsätzen rechnen. Der Ausblick legt nahe, dass die Unternehmen die gegenwärtige Phase nicht nur als Abschwung sehen, sondern auch als Teil eines härteren Selektionsprozesses, der stärkeren und besser positionierten Betrieben zugutekommen könnte.

Die Umfrage zeigt zudem, dass die Produzenten ihre Pläne bereits anpassen. Die Diversifizierung des Produktangebots wurde als wichtigste Reaktion auf veränderte Konsummuster genannt; 72% der Unternehmen führten dies an. Der Ausbau neuer Märkte oder die Entwicklung bestehender Märkte folgte mit 64%. Marketing und Kommunikation rangierten für 60% der Befragten als Priorität, während die Entwicklung neuer Vertriebskanäle und eine stärkere Ausrichtung auf Nachhaltigkeit jeweils von 45% genannt wurden.

Die Hälfte der befragten Unternehmen erklärte, dass die Kontrolle der gesamten Produktions- und Vermarktungskette das am besten geeignete Organisationsmodell für das aktuelle Umfeld sei. Diese Präferenz spiegelt den Wunsch nach engerer Kontrolle über Kosten, Markenführung, Vertrieb und Kundenbeziehungen in einer Zeit wider, in der Margen und Absatzmengen unter Druck stehen.

Die Mediobanca-Umfrage umfasste 255 führende italienische Aktiengesellschaften aus dem Weinsektor. Erstmals enthielt der Bericht auch einen Schwerpunkt zur italienischen „Dop Economy“ im Weinbereich, erstellt gemeinsam mit Fondazione Qualivita. Dieser Teil der Studie untersuchte das wirtschaftliche Gewicht von Weinen mit geschützten Herkunftsbezeichnungen und verfolgte, wie sich Produktionsvorschriften verändern.

Dem Bericht zufolge umfasst der italienische Weinsektor 522 Dop- und Igp-Bezeichnungen, auf die 79% des Werts der nationalen Weinproduktion entfallen. Die Analyse stützte sich auf offizielle Daten des italienischen Landwirtschaftsministeriums und der Europäischen Kommission und wertete mehr als 440 Änderungen an Produktionsvorschriften für mehr als 160 italienische Bezeichnungen zwischen 2022 und 2025 aus.

Die Untersuchung betrachtete vier Hauptbereiche: Produktion, Gebiet, Markt und Verbraucher. Der Fokus auf Regeländerungen ist bedeutsam, weil Bezeichnungsstandards festlegen, was Erzeuger anbauen dürfen, wie Weine hergestellt werden und wie Regionen sich auf dem Inlands- und Exportmarkt positionieren. In der Praxis können solche Anpassungen zu einem Instrument werden, mit dem Weingüter auf Nachfrageverschiebungen reagieren, ohne den mit Herkunftsbezeichnungen verbundenen Wert aufzugeben.

Die Ergebnisse kommen zu einem heiklen Zeitpunkt für den italienischen Wein. Die Branche bleibt einer der wichtigsten Lebensmittel- und Getränkesektoren des Landes, sieht sich jedoch mit geringerem Konsum, schwächerem Exportmomentum und wachsendem Wettbewerbsdruck konfrontiert. Für die Erzeuger, insbesondere für kleinere Betriebe, könnte die nächste Phase davon abhängen, ob Bemühungen zur Erweiterung des Portfolios, zur Gewinnung neuer Käufer und zur Stärkung der Markenpositionierung einen Markt ausgleichen können, der nicht mehr so leicht wächst wie früher.

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