15.07.2026

Wissenschaftler der Universität Stellenbosch und des Agricultural Research Council Südafrikas haben nach Angaben von Nature Biotechnology Afrikas erste geneditierte Rebe entwickelt. Mithilfe von CRISPR-Cas9 reduzierten sie die Anfälligkeit der Pflanze für Falschen Mehltau und verbesserten ihre Fähigkeit, Wasser zu speichern.
Der Bericht wurde am Dienstag in Nature Biotechnology im Rahmen der Rubrik „Biotech news from around the world“ veröffentlicht. Nach Angaben der Fachzeitschrift schalteten die Forscher ein als VvDMR6.1 bekanntes Gen der Rebe aus. Diese Veränderung machte die editierte Rebe weniger anfällig für Falschen Mehltau, eine zerstörerische Krankheit, die Weinberge weltweit befällt, und stärkte zudem Merkmale, die mit Wasserrückhalt verbunden sind.
Die Kombination ist bemerkenswert, weil sie zwei Belastungen zugleich adressiert: Krankheitsdruck und Trockenstress. Falscher Mehltau kann erhebliche Ernteverluste verursachen und erfordert oft wiederholte Fungizidbehandlungen. Wasserstress wiederum ist für Weinregionen, die mit höheren Temperaturen und unregelmäßigerem Niederschlag konfrontiert sind, zu einem wachsenden Problem geworden.
Nature Biotechnology teilte mit, dass die editierten Pflanzen eine geringere Anfälligkeit für die Pilzkrankheit zeigten und zugleich ihre Fähigkeit zur Wasserspeicherung erhöhten, was auf einen breiteren Abwehreffekt gegen biologische Bedrohungen und Umweltbelastungen hindeutet. Der kurze Beitrag enthielt in dem öffentlich verfügbaren Auszug keine detaillierten Felddaten und sagte auch nicht, ob die Reben über die Forschungsphase hinaus in eine kommerzielle Bewertung übergegangen sind.
Dennoch weist die Entwicklung in eine Richtung, die viele Rebenanbauer und Weinproduzenten aufmerksam verfolgen. Sollten sich ähnliche Ergebnisse in weiteren Tests bestätigen und die regulatorische Prüfung bestehen, könnten geneditierte Reben Weinbergen helfen, Verluste durch Mehltau zu verringern, die Abhängigkeit von Pflanzenschutzmitteln zu senken und in trockenen Jahren effizienter mit Wasser umzugehen. Für den Getränkesektor könnte das letztlich sowohl bei den Produktionskosten als auch bei der Versorgungssicherheit von Bedeutung sein, insbesondere im Weinbau, wo Traubenqualität und Widerstandsfähigkeit der Weinberge eng miteinander verknüpft sind.
Die Ankündigung rückt afrikanische Forschungseinrichtungen zudem sichtbarer in den globalen Wettlauf um den Einsatz von Geneditierung bei Nutzpflanzen mit kommerziellem Wert. Reben gehören zu den wirtschaftlich wichtigsten Obstkulturen der Landwirtschaft, sind aber auch schwierige Züchtungsziele, weil klassische Verbesserung Jahre dauern kann und dabei Merkmale verändern kann, die für Anbauer und Winzer wertvoll sind. Geneditierung hat Aufmerksamkeit erregt, weil sie gezielt einzelne Gene ansteuern kann, ohne lange konventionelle Züchtungszyklen zu erfordern.
Die gleiche Nature-Biotechnology-Rubrik hob außerdem einen separaten genomischen Meilenstein aus Indien hervor. Das GenomeIndia-Sequenzierungsprojekt identifizierte 130 Millionen genetische Varianten in der Bevölkerung, fast ein Drittel davon war in globalen wissenschaftlichen Datenbanken zuvor nicht erfasst worden. Das vom indischen Department of Biotechnology finanzierte Projekt analysierte die Genome von 9.768 gesunden Menschen aus 83 Populationen.
Nach Angaben der Fachzeitschrift legte dieser Datensatz genetische Risikofaktoren in einigen Populationen offen, darunter Varianten, die beeinflussen, wie der Körper bestimmte Medikamente verarbeitet, Varianten, die mit Komplikationen im Zusammenhang mit Anästhesie verbunden sind, sowie hohe Werte genetischer Homozygotie, die das Risiko rezessiver Erbkrankheiten erhöhen können.
Auch wenn dieses indische Projekt nichts mit dem Weinbau zu tun hat, spiegeln beide Meldungen wider, wie sich die Biotechnologieforschung über ihre traditionellen Zentren hinaus ausweitet und sich praktischen Fragen von Gesundheit, Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion zuwendet. Im Fall der südafrikanischen Rebenarbeit liegt die unmittelbare Bedeutung darin, ob Geneditierung Weinbergen helfen kann, auf Klimadruck und anhaltende Krankheiten zu reagieren, ohne die agronomische Leistung zu beeinträchtigen.
Offen bleiben Fragen der Regulierung, der Akzeptanz durch Verbraucher und der Einstufung editierter Reben in verschiedenen Exportmärkten. Diese Punkte sind besonders wichtig für den Wein, wo Appellationsregeln, Baumschulsysteme und internationale Handelsstandards die Einführung ebenso stark prägen können wie die Wissenschaft. Das südafrikanische Ergebnis liefert jedoch neue Hinweise darauf, dass gezielte Geneditierung nicht nur für Ertrag oder als Labor-Nachweis des Konzepts untersucht wird, sondern auch für Merkmale, die beeinflussen könnten, wie Weinberge mit Krankheitsdruck und begrenztem Wasser umgehen.
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