Rémy Cointreau peilt im Dreijahres-Umbruchplan einen Gewinnsprung von 100 Millionen Euro an

Die französische Spirituosengruppe setzt nach einer langen Nachfrageschwäche auf günstigeren Cognac, neue Märkte und eine breitere Distribution

04.06.2026

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Rémy Cointreau teilte am Donnerstag mit, dass das Unternehmen im Rahmen eines Turnaround-Plans zur Wiederbelebung des Wachstums in den kommenden drei Jahren das operative Ergebnis um 100 Millionen Euro beziehungsweise rund 116,1 Millionen US-Dollar steigern will. Hintergrund ist die anhaltende Schwäche der Nachfrage nach Cognac und Spirituosen insgesamt.

Die französische Gruppe, zu der Rémy Martin Cognac und der Likör Cointreau gehören, erklärte, der Plan werde das operative Ergebnis bis zum Geschäftsjahr 2028/29 um mehr als 60 % erhöhen. Die Anleger begrüßten das Ziel: Die Aktie legte im frühen Handel um mehr als 14 % zu, obwohl Rémy zugleich einen Rückgang des organischen Jahresbetriebsgewinns um 11,5 % meldete und ankündigte, die Dividende zu halbieren.

Die Strategie kommt zu einem Zeitpunkt, an dem das Unternehmen versucht, eine schwierige Phase zu überwinden, die 2023 begann, als schwächere Konsumausgaben, Inflation und Handelsspannungen auf den Absatz von Premium-Spirituosen drückten. Rémy steht in seinen beiden wichtigsten Märkten, den USA und China, unter Druck; Zölle und eine schwächere Nachfrage haben dort der Cognac-Kategorie zugesetzt.

Konzernchef Franck Marilly, der vor etwa einem Jahr die Führung übernommen hat, stellte die Revitalisierungsinitiative erstmals im April vor. Am Donnerstag erläuterte er den Investoren nun ausführlicher den vom Unternehmen sogenannten „RC Forward“-Plan. Ziel ist es, Rémys Abhängigkeit von Konjunkturzyklen rund um hochwertigen Cognac zu verringern und neue Wachstumsquellen über Produkte, Vertriebskanäle und Regionen hinweg zu erschließen.

Ein zentraler Bestandteil des Plans ist die geografische Diversifizierung. Rémy will den Umsatz im Travel Retail und in den Schwellenmärkten innerhalb von drei Jahren verdoppeln. Das Unternehmen plant zudem die Schaffung einer eigenen Division für Schwellenmärkte, um in Ländern wie Indien und Brasilien zu expandieren, wo Spirituosenkonzerne langfristiges Wachstumspotenzial sehen, da der Konsum der Mittelschicht steigt und importierte Premium-Marken an Sichtbarkeit gewinnen.

In den USA will Rémy ab dem ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027/28 eine günstigere Variante von Rémy Martin einführen. Der Schritt signalisiert eine Neuausrichtung für ein Unternehmen, das sich lange stark auf höherpreisige Produkte gestützt hat. Das Management sagte außerdem, man wolle die Distribution auf Kanäle wie Convenience Stores ausweiten und Verbrauchergruppen erschließen, die für die Marke bislang unterentwickelt sind – darunter asiatische Konsumenten in den USA.

Zudem plant das Unternehmen kleinere Flaschenformate stärker voranzutreiben, das Nicht-Cognac-Portfolio auszubauen und das Markenportfolio insgesamt breiter zu überprüfen. Marilly sagte bei der Portfolio-Prüfung gebe es „keine heiligen Kühe“ – ein Hinweis darauf, dass Verkäufe von Vermögenswerten, Neupositionierungen oder klarere Investitionsentscheidungen Teil des Prozesses sein könnten, während Rémy festlegt, wo künftig das größte Wachstum zu erwarten ist.

Die Ankündigung spiegelt breitere Veränderungen in der globalen Spirituosenbranche wider. Hersteller von Cognac, Scotch und anderen Premium-Kategorien haben einen Großteil der vergangenen zwei Jahre damit verbracht, sich nach einem pandemiebedingten Boom auf eine schwächere Nachfrage einzustellen. In vielen Märkten griffen Verbraucher angesichts knapperer Haushaltsbudgets zu günstigeren Produkten oder kauften seltener. Zugleich mussten Unternehmen mit hoher Exponierung gegenüber China und den USA Zollstreitigkeiten und uneinheitliche Erholungstendenzen bewältigen.

Für Rémy sind diese Belastungen besonders ausgeprägt, weil Cognac weiterhin zentral für das Ergebnis ist. Die Kategorie ist eng mit Geschenkanlässen, Nachtleben und diskretionären Ausgaben verbunden und damit anfällig, wenn Verbraucher zurückhaltender werden. Auch Travel Retail – einst als starker Wachstumsmotor für Premium-Spirituosen über Flughäfen und Duty-free-Shops gesehen – ist volatiler geworden, da sich internationale Verkehrsströme verschoben haben und sich chinesische Ausgaben im Ausland verändert haben.

Analysten sagten, der Umfang von Rémys Ambitionen sei bemerkenswert; zugleich erscheine ein großer Teil der erwarteten Verbesserung jedoch auf die späteren Jahre des Plans konzentriert. Trevor Stirling, Analyst bei Bernstein, sprach von „großem Potenzial nach oben“, merkte aber an, dass die meisten Zugewinne offenbar erst in den Geschäftsjahren 2028 und 2029 anfallen dürften.

Für das laufende Geschäftsjahr gab Rémy einen vorsichtigeren Ausblick. Das Unternehmen erwartet lediglich eine leichte Verbesserung der aktuellen operativen Gewinnmarge sowie eine Rückkehr zu organischem Umsatzwachstum – nicht aber eine kräftige Erholung. Das deutet darauf hin, dass das Management die Erholung als schrittweisen Prozess sieht, auch wenn es deutlich größere mittelfristige Ziele formuliert.

Rémy kündigte an, im November umfassendere mittelfristige Ziele im Zusammenhang mit dem Turnaround-Plan vorzulegen. Bis dahin werden Investoren beobachten, ob erste Schritte wie die Ausweitung der Vertriebskanäle, Produkteinführungen im unteren Preissegment und Wachstum außerhalb des Cognac-Geschäfts bereits dazu beitragen können, die Schwäche im Kerngeschäft auszugleichen und in schwerer vorhersehbaren Märkten wieder Schwung aufzunehmen.

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