06.04.2026

Die Weinlese 2026 begann in Chile früher als üblich, wobei die Weinberge im Norden des Landes etwa 12 Tage früher als im Vorjahr mit der Ernte begannen. Dieser frühe Start ist eine direkte Folge der sich verändernden Wettermuster, die sich zunehmend auf die Weinindustrie des Landes auswirken. Die Saison ist von einer Mischung aus Herausforderungen und Chancen geprägt, da sich die Erzeuger auf die unterschiedlichen Bedingungen in den verschiedenen Regionen einstellen.
Im Limarí-Tal im Norden Chiles begann die Ernte am 9. Februar. In der Region herrschten hohe Sommertemperaturen, die die Reifung der Trauben beschleunigten. Die Winzer mussten genau wissen, wann sie die Trauben ernten mussten, um die Frische und den Säuregehalt zu erhalten. Eduardo Jordán, Winzer und technischer Direktor bei Miguel Torres Chile, erklärte, der richtige Zeitpunkt für die Ernte sei entscheidend, um die natürliche Säure und Frische der Weine zu erhalten. Das Gebiet profitierte von mehr Niederschlägen im Winter als in den Vorjahren, was die Bodenbedingungen verbesserte. Aufgrund des halbtrockenen Klimas ist Limarí jedoch nach wie vor mit einer langfristigen Dürre konfrontiert.
Im Süden, in den zentralen Regionen zwischen Maipo und Itata, zeigten die Weinberge nach einem schwierigen Vorjahr mit geringeren Erträgen Anzeichen der Erholung. Ein kalter Winter sorgte für eine gute Ansammlung von Kühlstunden, was zu einem ausgewogenen Austrieb im Frühjahr beitrug. Es gab einige vereinzelte Wetterereignisse, wie z. B. einen Oktoberfrost in Cauquenes, aber insgesamt waren die Bedingungen für die Entwicklung der Trauben günstig. Die Erträge des Sauvignon blanc sind in diesem Jahr sehr hoch, und auch Sorten wie Chardonnay und País zeigen eine deutliche Erholung. Die größte Herausforderung bestand darin, die Bewässerung während der warmen und trockenen Periode so zu steuern, dass das Gleichgewicht der Rebstöcke erhalten bleibt und das einzigartige Terroir der einzelnen Weinberge zum Ausdruck kommt.
Im Süden Chiles, insbesondere in der Gegend um Osorno, ist die Ernte noch im Gange. Die ersten Anzeichen sind positiv, dank eines milden Frühlings ohne strenge Fröste und eines Sommers mit Niederschlägen im normalen Bereich. Dadurch sind die Weinberge bisher gesund und frei von Krankheiten geblieben. Die Trauben sehen gesund aus und die prognostizierten Erträge sind gut, aber die endgültigen Ergebnisse werden von den Wetterbedingungen in den nächsten Wochen abhängen.
Die Ernte 2026 verdeutlicht einen allgemeineren Trend: Die chilenischen Weinerzeuger müssen sich auf immer unberechenbarere Wetterbedingungen einstellen. Die frühe Ernte im Norden, die schwankenden Erträge in den zentralen Regionen und die anhaltende Unsicherheit im Süden zeigen, dass man sich nicht mehr auf traditionelle Muster verlassen kann. Die Erfahrung in der Weinbergsbewirtschaftung wird immer wichtiger, da die Winzer die einzigartigen Bedingungen jeder Saison interpretieren, um Weine mit Charakter und Ausgewogenheit zu erzeugen.
Jordán stellt fest, dass Erfahrung den Winzern hilft, jedes Jahr besser zu verstehen und Weine zu erzeugen, die ihre Herkunft widerspiegeln. Die aktuelle Saison zeigt nicht nur das Potenzial für hochwertige Weine, sondern auch eine Branche, die lernt und sich als Reaktion auf den Klimawandel weiterentwickelt. Für die chilenischen Winzer ist die Weinherstellung nicht mehr nur eine Frage der Tradition, sondern eine Übung in Resilienz, da sie sich jedes Jahr neuen Umweltbedingungen stellen müssen.
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