Österreichisches Weingut Domaines Kilger meldet nach steigenden Verlusten Konkurs an

Der Weintourismus in der Südsteiermark ist vom Zusammenbruch bedroht: Gläubiger und lokale Unternehmen bereiten sich auf finanzielle Folgen vor

24.02.2026

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Austrian Winery Domaines Kilger Files for Bankruptcy After Mounting Losses

Die bekannte österreichische Weinkellerei Domaines Kilger GmbH & Co KG mit Sitz in Gamlitz in der Südsteiermark hat ein Insolvenzverfahren beantragt. Das Gericht in Österreich eröffnete am 23. Februar 2026 das Insolvenzverfahren über das Vermögen des Unternehmens, nachdem es in zunehmende finanzielle Schwierigkeiten geraten war.

Domaines Kilger, 2015 von dem bayerischen Investor Hans Kilger gegründet, wurde schnell zu einem prominenten Namen in der Weinbranche der Region. Das Unternehmen dehnte seine Aktivitäten nicht nur auf die Wein- und Spirituosenproduktion aus, sondern auch auf die Vermietung von Ferienhäusern und Investitionen in andere Gastgewerbebetriebe. Zu seinem Portfolio gehörten mehrere namhafte Objekte entlang der Südsteirischen Weinstraße, wie der Jaglhof in Sernau, der Buschenschank Warga-Hack in Kitzeck und die Kaminstub'n in Deutschlandsberg. Die Gruppe unterhielt auch enge Beziehungen zu Schloss Gamlitz und anderen lokalen Unternehmen.

Die finanziellen Schwierigkeiten der Domaines Kilger haben sich seit einigen Jahren verschärft. Im Jahr 2023 verzeichnete das Unternehmen einen Verlust von mehr als drei Millionen Euro. Die Situation verschlechterte sich rapide und der Jahresabschluss 2024 wies einen Fehlbetrag von 26,67 Millionen Euro aus. Die Gesamtverbindlichkeiten belaufen sich inzwischen auf rund 80 Millionen Euro, während das Eigenkapital bei minus 18,56 Millionen Euro liegt. Das Unternehmen ist nicht mehr in der Lage, seinen laufenden Zahlungsverpflichtungen nachzukommen.

Von der Insolvenz ist nicht nur das Weingut selbst betroffen, sondern auch ein breiteres Netzwerk von Gastronomie-, Hotellerie- und Landwirtschaftsbetrieben, die mit Domaines Kilger verbunden sind. Die Südsteiermark ist stark vom Weintourismus abhängig und viele lokale Zulieferer, Mitarbeiter und Partnerbetriebe sind durch den Konkurs verunsichert.

Der Einstieg von Hans Kilger in die österreichische Weinszene wurde zunächst als positive Entwicklung für die angeschlagenen Traditionsweingüter gesehen. Berichten zufolge investierte er in den letzten zehn Jahren rund 50 Millionen Euro in den Erwerb und die Wiederbelebung historischer Güter. Mehrere Projekte unter seiner Leitung mussten jedoch finanzielle Rückschläge hinnehmen. Versprochene Finanzierungen kamen nicht immer zustande, was dazu führte, dass einige angeschlossene Unternehmen ebenfalls Insolvenz anmelden mussten.

Zum jetzigen Zeitpunkt ist noch unklar, ob es konkrete Pläne für eine Umstrukturierung oder Rettung von Domaines Kilger gibt. Markus Graf vom AKV Europa, einem Verband, der die Interessen der Gläubiger vertritt, erklärte, dass Bemühungen zur Erhaltung des Unternehmens möglich sein könnten, aber vom Ergebnis der laufenden Bestandsaufnahme und Bewertung der Vermögenswerte abhängen. Erst nach Abschluss dieser Schritte sei es möglich, mögliche Rückflüsse für die Gläubiger oder die Chancen einer Sanierung zu beurteilen.

Zum Insolvenzverwalter wurde die Grazer Anwaltskanzlei Pacher & Partner Rechtsanwälte GmbH & Co KG, vertreten durch Dr. Michael Pacher, bestellt. Die Gläubiger haben bis zum 9. April 2026 Zeit, ihre Forderungen gemäß den amtlichen Bekanntmachungen anzumelden. Die erste Gläubigerversammlung ist für den 12. März 2026 angesetzt, weitere Anhörungen sind für den 23. April 2026 geplant.

Der Zusammenbruch von Domaines Kilger ist ein bedeutender Moment für die Weinindustrie der Südsteiermark und wirft Fragen über die zukünftige Stabilität anderer regionaler Unternehmen auf, die mit Tourismus und Landwirtschaft verbunden sind. Die lokalen Interessenvertreter beobachten den Fortgang des Verfahrens genau und hoffen, dass weitere Störungen in einer der berühmtesten Weinregionen Österreichs vermieden werden können.

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