Deutschland plant, die Spirituosensteuer im nächsten Jahr um 20 % zu erhöhen

Der Gesetzentwurf würde die Abgaben auf Wodka und Sekt anheben, während Bier unverändert bliebe und Wein steuerfrei wäre.

29.06.2026

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Das Bundesfinanzministerium plant, die Steuern auf Spirituosen im nächsten Jahr um 20 % zu erhöhen, ein geringerer Anstieg als von Gesundheitsexperten gefordert, wie aus einem am Montag von der Gesundheitspolitik-Publikation G+G der AOK, einer der größten gesetzlichen Krankenkassen des Landes, zitierten Bericht hervorgeht.

Nach dem von Redaktionsnetzwerk Deutschland beschriebenen Gesetzentwurf würde die Steuer auf reinen Alkohol von 13,03 € pro Liter auf 15,64 € steigen. Das würde den Einzelhandelspreis einer Standardflasche Wodka mit 40 % Alkoholgehalt um knapp 1 € erhöhen, hieß es in dem Bericht. Die Maßnahme dürfte dem Bund jährlich rund 400 Millionen € einbringen.

Der Vorschlag ist Teil eines umfassenderen Vorstoßes von Finanzminister Lars Klingbeil von der SPD, die Steuern auf Alkohol und Tabak zu erhöhen, allerdings moderater, als es einige Ärzte, Suchtexperten und Krankenkassen gefordert haben. G+G berichtete, dass auch die Tabaksteuern schrittweise steigen würden.

Der Alkoholplan bleibt hinter den Empfehlungen einer von Gesundheitsministerin Nina Warken von der CDU eingesetzten Expertenkommission zurück. Dieses Gremium hatte für 2027 eine Erhöhung um mehr als 40 % und bis 2029 eine Verdopplung vorgeschlagen.

Dem Bericht zufolge will das Ministerium die Steuern auch auf Sekt, Champagner, Likörweine und Alkopops um 20 % anheben. Die Biersteuer würde unverändert bleiben, und Wein bliebe steuerfrei.

Diese Unterscheidung ist für Deutschlands Getränkebranche wichtig, weil sie die Regalpreise für Spirituosen und Schaumweine erhöhen könnte, während Bier und Stillwein unberührt blieben. Das könnte die Verbrauchernachfrage verschieben und die Margen von Einzelhändlern, Bars und Restaurants beeinträchtigen, falls die Maßnahme Gesetz wird. Importeuren und Distributoren von Premium-Spirituosen und Schaumweinen könnte besonderer Druck entstehen, wenn höhere Steuern an die Verbraucher weitergegeben werden.

Die Debatte wird zum Teil von gesundheitspolitischen Argumenten getragen. Seit Jahren fordern Ärzte, Suchtexperten und Krankenkassen höhere Preise für Alkohol- und Nikotinprodukte und verweisen darauf, dass Deutschland im europäischen Vergleich günstig bleibt. G+G zitierte offizielle Daten von Destatis, wonach alkoholische Getränke in Deutschland weiterhin zu den günstigsten in der Europäischen Union gehören.

Andreas Gassen, Vorsitzender des Nationalen Verbands der Gesetzlichen Krankenversicherung, plädierte für eine deutlich stärkere Erhöhung. In von G+G zitierten Äußerungen sagte er, Tabak und Alkohol müssten deutlich teurer werden, um junge Menschen vom Einstieg abzuhalten. Er hat außerdem gefordert, die Zigarettenpreise auf 20 € pro Packung anzuheben.

Karl Lauterbach, Sozialdemokrat und ehemaliger Gesundheitsminister, unterstützte diese Position in einem Beitrag auf X und schrieb, angesichts von rauchbedingten Kosten von mehr als 100 Milliarden € pro Jahr wäre ein entschiedeneres Vorgehen sowohl für die öffentliche Gesundheit als auch für die Wirtschaft besser.

Carola Reimann, Vorsitzende des AOK-Bundesverbands, sagte, eine stärkere Präventionsstrategie könne zu mehr gesunden Lebensjahren, niedrigeren Behandlungskosten und einem stabileren Gesundheitssystem führen.

Der in den deutschen Berichten beschriebene Entwurf ist diesen weitergehenden Forderungen bislang nicht gefolgt. Vorerst deutet er auf eine engere fiskalische Änderung für 2027 hin: höhere Steuern auf Spirituosen und mehrere andere alkoholische Getränke, keine Änderung für Bier und die fortgesetzte Steuerbefreiung für Wein.

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