Deutscher Kartonhersteller Baiersbronn Frischfaser Karton stellt Insolvenzantrag

Der Produzent mit 80 Millionen Euro Umsatz sagt, sein Werk laufe weiter vollumfänglich, während Europas Kartonindustrie mit hohen Energiekosten und Überkapazitäten ringt.

24.06.2026

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Die Baiersbronn Frischfaser Karton GmbH, ein deutscher Hersteller von Frischfaserkarton für Faltschachteln, hat beim Amtsgericht Rottweil Insolvenzantrag gestellt, da die Kartonindustrie in Europa unter dem Druck hoher Energiekosten, struktureller Überkapazitäten und schwacher Marktbedingungen steht.

Das Gericht bestellte den Restrukturierungsspezialisten Dr. Jan Markus Plathner von Brinkmann & Partner zum vorläufigen Insolvenzverwalter, wie die Kanzlei mitteilte. Unterstützt wird er von Christoph Enkler und Sebastian Netzel.

Das Unternehmen teilte mit, der Betrieb am Standort Baiersbronn laufe ohne Einschränkungen weiter. Die Löhne der rund 220 Beschäftigten seien durch Insolvenzgeldvorfinanzierung für Juni, Juli und August 2026 gesichert.

Baiersbronn Frischfaser Karton produziert hochwertigen Frischfaserkarton, insbesondere Faltschachtelkarton, der vor allem in Verpackungen für die Lebensmittel-, Pharma- und Kosmetikindustrie eingesetzt wird. Das Unternehmen betreibt ein Kartonwerk in Baiersbronn und erzielte zuletzt einen Jahresumsatz von rund 80 Millionen Euro, womit es zu den bedeutenderen Produzenten in diesem Segment in Europa zählt.

Brinkmann & Partner erklärte, das Unternehmen habe operative Maßnahmen zur Kostensenkung ergriffen, seine Liquidität jedoch nicht nachhaltig stabilisieren können. Plathner sagte, sein unmittelbarer Fokus liege darauf, den Betrieb zu stabilisieren und die Lieferfähigkeit aufrechtzuerhalten, während Restrukturierungsoptionen geprüft und im Rahmen eines strukturierten Prozesses eine Investorenlösung gesucht werde.

Erste Gespräche mit wichtigen Kunden, Lieferanten und anderen Stakeholdern seien bereits aufgenommen worden, um die operative Stabilität zu unterstützen, teilte die Kanzlei mit. Ziel sei es, das Geschäft weiterzuführen und zugleich einen nachhaltigen Restrukturierungsplan zu entwickeln, der langfristig Arbeitsplätze sichern könnte.

Der Fall könnte über den unmittelbaren Verpackungsmarkt hinaus Bedeutung haben. Faltschachtelkarton wird breit in der Verpackung von Konsumgütern eingesetzt, und jede Störung oder ein engeres Angebot eines Produzenten dieser Größe könnte den Druck auf die Verfügbarkeit von Karton und auf die Kosten für Getränkeunternehmen erhöhen, die auf Kartonformate angewiesen sind, mit möglichen Auswirkungen auf die Vertriebsmargen.

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