Gironde startet 20-Millionen-Euro-Fonds für gerodete Weinberge

Das Programm soll brachliegende Rebflächen in der Bordeaux-Region aufkaufen, während die Erzeuger mit einem deutlichen Rückgang konfrontiert sind.

12.05.2026

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Mit einem neuen Fonds über 20 Millionen Euro soll die Zukunft der Weinberge in der Gironde neu geordnet werden. In dem französischen Département rund um Bordeaux sehen sich die Winzer mit einem starken Rückgang der Rebfläche und einer bereits angekündigten neuen Rodungsrunde konfrontiert. Das Programm mit dem Namen „Foncier d’avenir en Gironde“ wurde von der französischen Regierung und dem Regionalrat nach Abstimmung mit landwirtschaftlichen Verbänden, Kommunen, Handelskammern und Partnerbanken vorgestellt. Es soll sowohl die Umstrukturierung von Rebflächen als auch weiter gefasste Bemühungen zur Diversifizierung der landwirtschaftlichen Tätigkeit unterstützen.

Die Initiative kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Rebfläche in der Gironde von 2023 bis 2025 um 20.000 Hektar geschrumpft ist. Nach Angaben der Behörden hat dies viele Betriebe mit aufgegebenen oder nur noch teilweise genutzten Parzellen zurückgelassen und neue landwirtschaftliche Projekte erschwert. Der Fonds soll Parzellen, vor allem gerodete Weinberge, zu Marktpreisen kaufen oder tauschen. Er umfasst zudem Weinbestände, die diesen Flächen zugeordnet sind, sofern der Wein zur Destillation bestimmt ist; der Preis richtet sich dabei nach der erwarteten Qualität und der vorgesehenen Verwendung der destillierten Mengen.

Die Behörden in der Gironde haben in den vergangenen Tagen auf der Website der Präfektur einen Aufruf zur Interessenbekundung veröffentlicht; Bewerbungen sind bis zum 7. Juni 2026 möglich. Ziel ist es, Eigentümer von Rebflächen zu identifizieren, die brachliegendes Land aus Rodungen oder für 2026 zur Rodung vorgesehene Weinberge verkaufen wollen, ebenso wie damit verbundene Weinbestände für die Destillation. Ein Lenkungsausschuss soll anschließend festlegen, welche Gebiete beim Erwerb priorisiert werden.

Nach Angaben der am Programm beteiligten Verantwortlichen soll die Maßnahme mehrere Probleme zugleich angehen. Sie argumentieren, dass zur Balance von Angebot und Nachfrage im Bordeauxer Weinsektor weiterhin auch Reben gerodet werden müssten; zugleich warnen sie davor, dass brachliegende Weinberge Pflanzengesundheitsrisiken erhöhen können, darunter die Ausbreitung von Flavescence dorée, einer schweren Rebenkrankheit. Ein weiterer Punkt ist, dass frühere Rodungen oft ungleichmäßig erfolgt seien und dadurch zersplitterte Parzellen hinterlassen hätten, die sich für strukturierte Diversifizierungsprojekte weniger gut eigneten.

Von dem anfänglichen Kapital des Bodenfonds in Höhe von 20 Millionen Euro stammen 14 Millionen Euro von vier Partnerbanken: Crédit Agricole d’Aquitaine, Banque Populaire Aquitaine Centre Atlantique, Crédit Mutuel du Sud-Ouest und Caisse d’Épargne Aquitaine-Poitou-Charentes. Der Regionalrat Nouvelle-Aquitaine steuert 3 Millionen Euro bei, weitere 3 Millionen Euro kommen vom Staat sowie von öffentlichen Einrichtungen wie der Handels- und Industriekammer Bordeaux-Gironde und der Landwirtschaftskammer Gironde.

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