11.05.2026

Die deutsche Weinwirtschaft steht unter Druck durch steigende Kosten, sinkenden Konsum, veränderte Trinkgewohnheiten und internationalen Wettbewerb. Experten halten es jedoch für zu früh, die wachsende Zahl brachliegender Weinbergsflächen als breite Krise zu bezeichnen.
Im Rheintal und an der Mosel, wo steile Terrassen und dicht bepflanzte Reben einige der bekanntesten Landschaften des Landes prägen, werden leere rechteckige Flächen immer sichtbarer. Auch in flacheren Weinregionen tauchen solche Lücken auf. Die Frage ist nun, ob diese Flächen auf einen dauerhaften Rückzug aus dem Weinbau hindeuten oder nur auf vorübergehende Brache, während sich die Betriebe an einen schwächeren Markt anpassen.
Nach Angaben des Deutschen Weininstituts in Bodenheim bei Mainz verfügte Deutschland 2025 über rund 102.000 Hektar Rebfläche, etwa 1.300 Hektar weniger als im Vorjahr. Der größte Teil dieses Rückgangs entfiel auf Baden-Württemberg, wo rund 800 Hektar wegfielen, sagte Ernst Büscher, Sprecher des Instituts. Er erklärte, der hohe Anteil an Rotweinproduktion in der Region könne ein Grund dafür sein, da Rotwein bei den Verbrauchern gegenüber Weißwein an Boden verliere.
Auch im Rheingau in Hessen ging die Rebfläche um etwa 60 Hektar zurück, während das Moseltal in Rheinland-Pfalz rund 160 Hektar verlor – vieles davon an Steillagen, die deutlich mehr Arbeit erfordern als Flachlagen. Büscher sagte, eine gut mechanisierte Flachlage benötige pro Hektar und Jahr etwa 200 Arbeitsstunden, eine Steillage dagegen bis zu 1.000 Stunden.
Dennoch liege Deutschlands Rebfläche seit den späten 1990er-Jahren bei rund 100.000 Hektar, sagte Büscher. Ein stärkerer langfristiger Rückgang könne erst eintreten, wenn der Weinkonsum weiter sinke.
Das hessische Landwirtschaftsministerium erklärte, die Branche befinde sich in einem Strukturwandel, sehe aber keine Hinweise auf einen krisenbedingten Einbruch der Rebfläche. Auch Andreas Brokemper, Vorstandschef des Schaumweinherstellers Henkell Freixenet in Wiesbaden, beschrieb die Lage als Anpassungsdruck und nicht als klaren Trend zu mehr dauerhaft brachliegenden Flächen.
Wichtig ist dabei der Unterschied zwischen vorübergehendem und dauerhaftem Aufgeben von Flächen. Peter Seyffardt, Präsident des Rheingauer Weinbauverbands, warnte davor, dass dauerhaft aufgegebene Parzellen zu schlecht geräumten Flächen werden können, den sogenannten Drieschen, in denen Wurzeln im Boden verbleiben. Solche Areale könnten zum Brutplatz für Reblaus, Zikaden und Pilzkrankheiten werden, die auf benachbarte Weinberge übergreifen können.
Seyffardt sagte zudem, verwilderte Flächen könnten dem Tourismus in Regionen schaden, die von ihrer Kulturlandschaft leben. Besucher kämen wegen Klöstern, Burgen und Weinbergen in den Rheingau; ein sichtbarer Verfall dieser Landschaft könne die Attraktivität der Region mindern.
Um eine dauerhafte Aufgabe zu verhindern, baut der Rheingauer Weinbauverband eine Plattform für Flächentausch auf, um Winzer mit verfügbaren Parzellen zusammenzubringen. Seyffardt sagte, wenn Weinberge endgültig aus der Produktion genommen würden, könnten andere Nutzungen sinnvoll sein – darunter Olivenbäume, Lavendel oder Hanf. Er nannte auch die Beweidung ehemaliger Weinbergsflächen sowie eine Nutzung für Direktvermarktung oder sogar einen mobilen Weinstand oder Campingplatz.
Anders verhält es sich mit vorübergehender Brache. Betriebe können Parzellen zur Marktentlastung, zur längerfristigen Beobachtung oder zur Bodenverbesserung stilllegen. Baden-Württemberg will diese Rotationsbrachen fördern, wenn darauf Blühpflanzen angebaut werden. Der Deutsche Weinbauverband fordert eine Ausweitung dieser Unterstützung auf das ganze Land.
Solche Begrünungen könnten den Humusgehalt, die Wasserspeicherung, die Bodengesundheit und die Biodiversität verbessern, sagte Seyffardt. Nach jüngsten gesetzlichen Änderungen könne Rotationsbrache nahezu 13 Jahre lang erhalten bleiben, ohne dass Pflanzrechte verloren gingen.
Vinetur® wurde 2007 gegründet und ist eine eingetragene Marke von VGSC S.L. mit einer langen Geschichte im Weinsektor.
VGSC, S.L. ist ein im Handelsregister von Santiago de Compostela, Spanien, eingetragenes Unternehmen.
E-Mail: [email protected] | Tel: +34 986 077 611
Hauptsitz und Büros in Vilagarcia de Arousa, Galicien