26.01.2026

Die Südtiroler Winzerinnen und Winzer stehen vor neuen Herausforderungen, denn der globale Wandel verändert die Branche. Auf der 64. Südtiroler Weinbautagung in Eppan, die vom Verband der Absolventen landwirtschaftlicher Fachschulen organisiert wurde, diskutierten Experten darüber, wie Klimawandel, veränderte Konsumgewohnheiten, steigende Kosten und ein gesättigter Weltmarkt die Weinproduktion in ganz Europa beeinflussen. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Frage, wie sich diese Trends speziell auf Südtirol auswirken und welche Strategien für die Zukunft erforderlich sind.
Simone Loose, Professorin an der Hochschule Geisenheim und führende Expertin auf dem Gebiet der Weinwirtschaft, hielt eine viel beachtete Grundsatzrede. Sie erläuterte, dass die internationale Weinwirtschaft keine kurzfristige Krise, sondern vielmehr einen tiefgreifenden Strukturwandel erlebt. Zu den Faktoren, die diesen Wandel vorantreiben, gehören der rückläufige Weinkonsum in den traditionellen Märkten, der demografische Wandel, die höheren Produktionskosten, der zunehmende internationale Wettbewerb und die wachsenden Anforderungen an Digitalisierung und Effizienz. Loose wies darauf hin, dass Europa besonders von strukturellen Weinüberschüssen betroffen ist. Gleichzeitig trinken jüngere Verbraucher weniger Wein oder sind in ihrer Auswahl wählerischer.
Loose betonte, dass es nicht mehr ausreicht, einfach nur guten Wein zu produzieren, wenn sich Konsumgewohnheiten und Zielgruppen ändern. Wein müsse auch klar positioniert und verständlich vermarktet werden. Sie wies darauf hin, dass Regionen mit kleinen Betrieben, hohen Produktionskosten und langfristigen Weinbergsbindungen - typische Merkmale Südtirols - besonders anfällig für diese Veränderungen sind.
Trotz dieser Herausforderungen, so Loose, sei Südtirol im internationalen Vergleich gut aufgestellt. Starke Genossenschaften, ein klarer Fokus auf die Herkunft und hohe Qualitätsstandards haben den Weinsektor der Region bisher widerstandsfähig gemacht. Sie betonte jedoch, dass der zukünftige Erfolg davon abhängen wird, wie gut die Produktion mit der Marktnachfrage in Einklang gebracht werden kann. Dazu gehöre, dass man wisse, wie viel Wein der Markt aufnehmen könne, welche Rebsorten weiterhin beliebt seien und wie man bestehende Kunden halten und gleichzeitig neue Kunden gewinnen könne.
Loose hob auch die Bedeutung von Transparenz und erlebnisorientierten Marketingmaßnahmen wie Weintourismus und Veranstaltungen hervor. Sie forderte eine professionellere Datenerfassung und strategische Planung innerhalb der Branche. Entscheidungen über die Anpflanzung neuer Weinberge, Investitionen oder die Ausweitung der Produktion sollten mit einer breiteren wirtschaftlichen Perspektive und auf der Grundlage realistischer Marketingmöglichkeiten getroffen werden.
Die Konferenz machte deutlich, dass sich die Südtiroler Weinproduzenten an die laufenden Veränderungen auf den lokalen und globalen Märkten anpassen müssen. Die Fähigkeit, flexibel auf Verbrauchertrends und Marktbedingungen zu reagieren, wird der Schlüssel zur Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit in den kommenden Jahren sein.
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