China verschiebt Brandy-Zölle, Europa seufzt erleichtert

Handelsspannungen zwischen China und der EU haben sich vorübergehend entspannt

03.09.2024

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Die jüngste Entscheidung Chinas, die Einführung vorläufiger Zölle auf europäische Weinbrandhersteller, einschließlich französischer Cognac-Hersteller, aufzuschieben, stellt einen wichtigen Moment in den eskalierenden Handelsspannungen zwischen China und der Europäischen Union (EU) dar. Diese Entscheidung, die inmitten anhaltender Handelsstreitigkeiten bekannt gegeben wurde, spiegelt ein komplexes Zusammenspiel wirtschaftlicher Strategien und internationaler Beziehungen wider, das sich sowohl auf den europäischen als auch auf den chinesischen Markt auswirken kann.

Die Saat für diese Kontroverse wurde im Januar gelegt, als Peking eine Antidumpinguntersuchung gegen die Einfuhr von europäischem Weinbrand einleitete, kurz nachdem die EU begonnen hatte, die chinesischen Subventionen für Elektrofahrzeuge zu prüfen. Die chinesische Regierung leitete die Untersuchung ein, nachdem der chinesische Verband für alkoholische Getränke im November eine Beschwerde eingereicht hatte, wonach europäischer Branntwein, insbesondere Cognac, in China zu niedrigeren Preisen als auf den Heimatmärkten verkauft werde. Der Verband behauptete, dass diese Praxis der einheimischen Weinbrandindustrie in China "erheblichen Schaden" zufügen würde.

Trotz vorläufiger Ergebnisse, die diese Behauptungen stützen, hat sich das chinesische Handelsministerium dafür entschieden, keine sofortigen Antidumpingzölle auf europäischen Weinbrand zu erheben. Diese Entscheidung hat den europäischen Exporteuren, insbesondere den französischen Herstellern, die den chinesischen Markt beherrschen, vorübergehend Erleichterung verschafft. Die chinesische Regierung hat jedoch klargestellt, dass sie sich das Recht vorbehält, solche Zölle in Zukunft zu erheben, je nach den endgültigen Ergebnissen der laufenden Untersuchung.

Die Ankündigung hatte erhebliche Auswirkungen auf die Finanzmärkte, insbesondere auf die Aktien großer französischer Spirituosenhersteller wie Rémy Cointreau und Pernod Ricard. Diese Unternehmen verzeichneten nach der Bekanntgabe der Nachricht einen Anstieg ihrer Aktienkurse, was die Erleichterung der Anleger über die Vermeidung sofortiger Zölle widerspiegelt. Diese Reaktion unterstreicht die Bedeutung des chinesischen Marktes für diese Unternehmen. So entfällt auf China ein erheblicher Teil des weltweiten Cognac-Absatzes, wobei französische Importe an der Spitze stehen.

Nach Angaben von Daxue Consulting importierte China im Jahr 2022 mehr Cognac als jede andere Art von Spirituosen, wobei der Großteil aus Frankreich kam. Die starke Nachfrage nach Cognac in China, auf die 25 % aller französischen Cognac-Exporte entfallen, macht deutlich, was auf dem Spiel steht. Jede Einführung von Zöllen könnte diesen lukrativen Markt stören, die französischen Erzeuger finanziell stark belasten und die globalen Handelsströme verändern.

Der Cognac-Streit ist nur ein Aspekt der allgemeinen und zunehmend angespannten Handelsbeziehungen zwischen China und der EU. Die Spannungen sind eskaliert, insbesondere nach der Untersuchung der EU über chinesische Subventionen für Elektrofahrzeuge, die zu Zöllen von bis zu 36 % auf chinesische Importe führen könnten. Im Gegenzug hat China eine eigene Untersuchung der europäischen Subventionen für Molkereiprodukte, darunter Frischkäse und Sahne, eingeleitet und damit die Handelskonflikte weiter verschärft.

Diese Entwicklungen deuten auf einen wachsenden Handelskrieg hin, der weitreichende Folgen für verschiedene Branchen haben könnte. Für die europäische Alkoholindustrie stellt die Gefahr von Zöllen auf Branntwein und andere Spirituosen eine direkte Bedrohung der Rentabilität und des Marktzugangs in China dar. Umgekehrt könnten chinesische Industrien, die von europäischen Importen abhängig sind, mit höheren Kosten und Unterbrechungen der Lieferkette konfrontiert werden.

Das Bureau National Interprofessionnel du Cognac (BNIC), das die französischen Cognac-Hersteller vertritt, hat davor gewarnt, dass die Situation weiterhin prekär ist. Die Organisation wies darauf hin, dass die endgültige Entscheidung der Untersuchung noch zu Zöllen führen könnte, die im Durchschnitt 34,8 % betragen könnten. Eine solche Entwicklung würde die Exportdynamik stark beeinträchtigen und möglicherweise zu einem Rückgang der Verkäufe und einem Verlust von Marktanteilen auf einem der lukrativsten Märkte der Welt für Cognac führen.

Als Reaktion auf diese Risiken fordern das BNIC und betroffene Unternehmen wie Rémy Cointreau und Pernod Ricard die französische Regierung und die EU auf, diplomatische Verhandlungen mit China aufzunehmen. Ziel ist es, die Verhängung von Zöllen zu verhindern, die das aktuelle Handelsgleichgewicht destabilisieren und die langjährigen Handelsbeziehungen zwischen Europa und China beeinträchtigen könnten.

Trotz des Drucks sind die französischen Unternehmen nach wie vor zuversichtlich, dass sie sowohl die chinesischen als auch die internationalen Handelsvorschriften einhalten. Sie haben stets bestritten, an Dumpingpraktiken beteiligt zu sein, und haben die Hoffnung geäußert, dass die endgültige Entscheidung positiv ausfallen wird. Da die Untersuchung jedoch noch andauert, ist die Zukunft der europäischen Brandy-Exporte nach China ungewiss.

Die Entscheidung Chinas, keine vorläufigen Zölle auf europäische Branntweinhersteller zu erheben, ist ein vorübergehender Aufschub in einem zunehmend komplexen Handelsstreit. Während die unmittelbaren Auswirkungen auf die französischen Spirituosenhersteller positiv sind, bleiben die langfristigen Aussichten ungewiss. Da die Untersuchung fortgesetzt wird und sich die allgemeinen Handelsspannungen zwischen China und der EU verschärfen, erfordert die Situation sorgfältige Diplomatie und strategische Weitsicht von allen beteiligten Parteien. Der Ausgang dieses Streits wird sich nicht nur auf die Spirituosenindustrie auswirken, sondern auch einen Präzedenzfall dafür schaffen, wie sich zukünftige Handelskonflikte zwischen diesen beiden Wirtschaftsmächten entwickeln könnten.

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