Shepherd Neame investiert 15 Millionen Pfund in kleinere Brauerei in Faversham
Shepherd Neame nimmt keine großen externen Brauaufträge mehr an. Die 10,3 Millionen Pfund schwere Lizenz für Singha Lager endet im April 2027.
Donnerstag, 29. Oktober 2026
Shepherd Neame teilte am Donnerstag, dem 29. Oktober, mit, dass das Unternehmen in den kommenden drei Jahren 15 Millionen Pfund in eine kleinere, moderne Brauerei in Faversham investieren und keine großen Brauaufträge von Drittunternehmen mehr annehmen werde. Damit konzentriert sich die Produktion künftig stärker auf die eigenen Biermarken, während das bestehende Sortiment vollständig erhalten bleibt.
Der Brauer und Pubbetreiber aus Kent kündigte den Plan am Donnerstag, dem 29. Oktober, in einer Handelsmitteilung vor seiner Hauptversammlung am Freitag, dem 30. Oktober, an. Das Projekt soll die Effizienz steigern, die Komplexität verringern, die Nachhaltigkeit stärken und die Rendite erhöhen. Zugleich soll das Brauen in Faversham bleiben, wo das Unternehmen seit mehr als drei Jahrhunderten tätig ist.
Der neue Betrieb entsteht auf dem innerstädtischen Gelände von Shepherd Neame und wird in der bestehenden Bottling Hall untergebracht. Diese soll Mitte 2027 geschlossen und für den neuen Zweck umgebaut werden. Die Brauerei werde einen Teil der vorhandenen Infrastruktur nutzen, darunter Wasser aus dem artesischen Brunnen des Unternehmens, hieß es. Während der Bauarbeiten, die nach Beginn voraussichtlich zwei Jahre dauern sollen, werde am bisherigen Standort weiter gebraut. Die Fertigstellung ist bis Ende 2029 geplant.
Das Unternehmen will auf ein neues Produktionsmodell umstellen, das das Brauen im eigenen Betrieb mit ausgelagerten Tätigkeiten, darunter Teilen der Kleinverpackung, verbindet. So könne das bestehende Biersortiment mit Marken wie Spitfire, Bishops Finger und Whitstable Bay beibehalten werden. Zugleich gewinne Shepherd Neame mehr Flexibilität bei der Entwicklung neuer Produkte in einem nach eigenen Worten rasch wandelnden Biermarkt.
Ein zentraler Bestandteil der Strategie ist der Rückzug aus großen Auftragsbrauvereinbarungen mit anderen Unternehmen. Shepherd Neame will sich nach eigenen Angaben auf die Herstellung eigener Biere konzentrieren und künftig keine großen Brauverträge mit Drittunternehmen mehr abschließen. Die exklusive Lizenz zum Brauen und Vertrieb von Singha Lager läuft Ende April 2027 aus. Der Vertrag trage derzeit 10,3 Millionen Pfund zum Umsatz bei, teilte das Unternehmen mit.
Die Entscheidung hat auch über das Unternehmen hinaus Bedeutung. Auf dem britischen Biermarkt, wo Brauereien ihre Kapazitäten, Verpackungsangebote und Markenvereinbarungen neu ausrichten, könnte der Schritt von Shepherd Neame Auswirkungen auf Zulieferer, Auftraggeber und internationale Lizenzpartner haben. Das Ende der Vereinbarung zu Singha macht zudem deutlich, unter welchem Druck regionale Brauereien abwägen müssen, ob sie Kapazitäten für fremde Marken einsetzen oder für das eigene Sortiment reservieren.
Die Investition in die Brauerei soll nach Angaben von Shepherd Neame aus dem Verkauf von Immobilien finanziert werden, die nicht zum Kerngeschäft gehören. Im Rahmen des Gesamtplans will das Unternehmen seine Fläche im Stadtzentrum auf den sogenannten Heritage Core begrenzen, eine Gruppe von Gebäuden hinter der Court Street, die erhalten bleiben soll. Zudem soll für das Gelände ein Entwicklungsplan für die nächsten zehn Jahre vorgestellt werden. Vorgesehen sind Büros, Einzelhandelsflächen, ein Pub, Veranstaltungs- und Gastronomiebereiche, ein erweitertes Besucherangebot sowie ein neuer öffentlicher Platz namens Brewery Square.
Die Strategie verknüpft den Umbau der Brauerei mit den Immobilien und Pubs des Unternehmens. Shepherd Neame will sein bestehendes Investitionsprogramm für Pubs fortsetzen, das sich derzeit auf London konzentriert und künftig stärker auf Gasthöfe und Hotels an der Küste ausgerichtet werden soll. Außerdem will das Unternehmen den Fokus auf seine leistungsstärksten Standorte verstärken, Filialen mit begrenztem Potenzial verkaufen und die Erlöse reinvestieren.
Das Handelsupdate des Unternehmens zeichnet für die ersten Monate des Geschäftsjahres ein gemischtes Bild. Die flächenbereinigten Umsätze in den eigenen Pubs stiegen in den 17 Wochen bis Samstag, den 24. Oktober, um 6,4 Prozent. Die flächenbereinigten Erlöse im verpachteten Pub-Bestand legten im Zeitraum bis Samstag, den 26. September, um 1,1 Prozent zu. Im gleichen 17-Wochen-Zeitraum bis zum 24. Oktober sank das gesamte Biervolumen um 0,6 Prozent, während das Volumen der eigenen Biere um 2,2 Prozent zurückging.
Trotz des geringeren Biervolumens rechnet das Unternehmen nicht mit einer Änderung der Markterwartungen für das Geschäftsjahr 2027.
CEO Jonathan Neame sagte, der Plan werde die Brauerei modernisieren, auf künftige Anforderungen ausrichten und eine Markenheimat schaffen, in deren Mittelpunkt das Brauen stehe. Das Unternehmen sehe die Investition zudem als langfristiges Bekenntnis zur Bierproduktion in Faversham und zur Verbesserung der Rendite für die Aktionäre, bei gleichzeitigen weiteren Investitionen in die Pubs.
Die Mitteilung legt nahe, dass Shepherd Neame seine Margen schützen und die Kapitalverwendung gezielter ausrichten will, statt beim Brauen auf Größe zu setzen. Eine kleinere Brauerei, die Auslagerung ausgewählter Verpackungsarbeiten und der Rückzug aus großen externen Aufträgen dürften den festen Betriebsaufwand senken. Zugleich verzichtet das Unternehmen damit auf Einnahmen aus der Produktion für Dritte, darunter die Singha-Lizenz. Wie schnell das neue Modell den entgangenen Umsatz ausgleichen kann, dürften Investoren und andere Unternehmen der Getränkeindustrie, die vor ähnlichen Entscheidungen zu Braukapazitäten und Markenmix stehen, genau beobachten.
Eine umfassendere Überprüfung der Strategie in anderen Bereichen des Geschäftsbereichs Brewing and Brands sei noch im Gange; weitere Informationen würden folgen, teilte Shepherd Neame mit. Das Unternehmen beschäftigt rund 1.600 Menschen und betrieb zum Zeitpunkt der Ankündigung 280 Pubs, darunter 221 verpachtete oder geleaste Standorte und 57 eigene Retail-Pubs. 86 Prozent des Bestands befinden sich im Eigentum des Unternehmens.