Brasiliens Weinkonsum erreicht Rekordwert

Auch Brasiliens Weinberge und Produktion legten kräftig zu, während die Erzeuger Premium-Labels nach Europa brachten

19.05.2026

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Der brasilianische Weinmarkt hat 2025 einen Rekord erreicht: Der Konsum stieg nach Angaben der Internationalen Organisation für Rebe und Wein (OIV) auf 4,4 Millionen Hektoliter. Das entspricht einem Plus von 41,9 % gegenüber dem Vorjahr, während der weltweite Weinkonsum um 2,7 % zurückging – ein deutlicher Hinweis darauf, wie stark sich Brasilien gegen den allgemeinen Trend entwickelte.

Der Anstieg ging mit Zuwächsen bei Produktion und Rebfläche einher. Brasiliens Weinberge wuchsen 2025 das fünfte Jahr in Folge auf 91.000 Hektar, ein Plus von 9,6 % gegenüber 2024. Die nationale Weinproduktion erreichte 2,8 Millionen Hektoliter und lag damit 80,6 % über dem historisch niedrigen Niveau des Vorjahres.

Auch der Umsatz der Branche legte zu. Eine Studie von Ideal BI Consulting schätzt, dass der brasilianische Weinmarkt 2025 einen Umsatz von 21,1 Milliarden R$ erzielte, rund 10 % mehr als im Vorjahr. Branchenexperten zufolge spiegelt das Wachstum mehr wider als nur einen höheren Konsum. Sie verweisen auf einen Wandel im Verbraucherverhalten: Immer mehr Käufer suchen Weine mit klarerer Herkunft, stärkerer Identität und Premium-Positionierung.

Dieser Wandel beginnt auch Brasiliens Exportstrategie zu prägen. Eine der sichtbarsten Initiativen ist Vin du Brésil, ein Projekt, das die Präsenz brasilianischer Weine in Europa durch Verkostungen, Promotion-Veranstaltungen und Markenaufbau für Premium-Märkte ausbauen soll.

An dem Projekt sind der französische Koch Benoit Mathurin, der Journalist Xavier Vankerrebrouck, der italienische Unternehmer Giovanni Montoneri sowie Guilherme França von Intrust Associates beteiligt, einem brasilianischen Unternehmen, das in die Initiative eingebunden ist. Statt über Volumen zu konkurrieren, versucht die Gruppe, brasilianische Labels in höherwertigen Vertriebskanälen zu platzieren. Die erste Lieferung umfasst 12 Labels von sechs brasilianischen Weingütern zu Preisen zwischen 15 und 50 Euro in französischen Geschäften.

Vankerrebrouck sagte, die Attraktivität brasilianischen Weins liege ebenso in seiner Identität wie in seiner Qualität. In Frankreich sei Wein Teil der Kultur; brasilianische Produzenten müssten daher nicht nur über den Geschmack, sondern auch über Herkunft und Emotion vermittelt werden.

Die Auftaktveranstaltung des Projekts griff die Symbolik der historischen Verkostung des Urteils von Paris auf und brachte in Europa Wirtschaftsvertreter, Weinfachleute und Meinungsführer zusammen. Die Auswahl hob Merkmale hervor, die nach Angaben der Erzeuger den brasilianischen Weinbau auszeichnen, darunter einheimische Hefen, umgekehrte Rebschnitttechniken, unterschiedliche Terroirs und der Einsatz brasilianischer Eichenfässer.

In der ersten Phase nahmen zwei Weingüter aus Minas Gerais teil: Bárbara Eliodora in São Gonçalo do Sapucaí und Estrada Real in Caldas. Vier weitere kamen aus Rio Grande do Sul: ArteViva in Bento Gonçalves; La Grande Bellezza in Pinto Bandeira; Manus in Encruzilhada do Sul; und Bebber in Flores da Cunha.

França sagte, bis Ende 2026 sollen 15 Weingüter eingebunden werden, während das Projekt die Bandbreite der im Ausland präsentierten Regionen und Stile erweitert. Montoneri erklärte, brasilianische Weine fielen durch ihre Ausdrucksstärke auf und seien in Europa noch wenig bekannt.

Der Vorstoß kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Brasiliens Weinbranche versucht, die Dynamik im Inland in einen stärkeren internationalen Ruf zu übersetzen. Erzeuger und Exporteure setzen darauf, dass der steigende Konsum im Heimatmarkt eine sichtbarere Rolle im Ausland stützen kann – vor allem für Weine oberhalb des Massenmarkts, die eng mit Herkunft und Produktionsmethoden verbunden sind.

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