Pernod Ricard-Gewinne brechen um 35% ein

Spirituosengigant steht vor schwierigen Zeiten

02.09.2024

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Pernod Ricard, der globale Spirituosen- und Weingigant, hat für das im Juni endende Geschäftsjahr 2023/24 einen deutlichen Rückgang seines Nettogewinns gemeldet. Der Nettogewinn des Unternehmens sank um 35 % und erreichte 1,48 Mrd. EUR, was in starkem Kontrast zu dem beträchtlichen Wachstum in den Jahren nach der Pandemie steht. Dieser Rückgang wird auf die "Normalisierung des Marktes" und das vorherrschende "unsichere wirtschaftliche Umfeld" zurückgeführt, insbesondere in China, wo die Marktbedingungen eine große Herausforderung darstellten.

Pernod Ricard, bekannt für sein umfangreiches Portfolio von rund 240 Marken, darunter Absolut, Ballantine's, Mumm und Jacob's Creek, verzeichnete einen Rückgang des Gesamtumsatzes um 4 % auf 11,6 Milliarden Euro. Dieses Ergebnis blieb hinter den Erwartungen der Analysten zurück, die laut Bloomberg mit einem Gewinn in Höhe von 2,12 Milliarden Euro gerechnet hatten.

Zwei der wichtigsten Märkte des Unternehmens, die Vereinigten Staaten und China, entwickelten sich im Laufe des Geschäftsjahres unterdurchschnittlich, was die Gesamtergebnisse erheblich beeinträchtigte. In den Vereinigten Staaten, auf die etwa 20 % des Umsatzes von Pernod Ricard entfallen, ging das organische Geschäft um 9 % zurück. Die Finanzchefin des Unternehmens, Hélène de Tissot, führte diesen Rückgang auf die hohen Zinssätze zurück, die die Händler dazu veranlassten, ihre Lagerbestände zu reduzieren, um den Cashflow zu verbessern, was sich wiederum negativ auf den Umsatz auswirkte. Zwar wird eine mögliche Zinssenkung im September erwartet, doch ist es unwahrscheinlich, dass dies zu einer signifikanten Änderung des Marktverhaltens führen wird, da die Bestandsanpassungen bis ins nächste Geschäftsjahr hinein andauern werden, so de Tissot.

China, das 10% des Umsatzes der Gruppe ausmacht, musste ebenfalls einen 10%igen Rückgang des organischen Geschäfts hinnehmen. Die schwierigen makroökonomischen Bedingungen im Land haben die Verbrauchernachfrage gedämpft, und Pernod Ricard rechnet kurzfristig nicht mit einer wesentlichen Erholung. Das Unternehmen hat seine Erwartungen für diesen Markt bereits zurückgeschraubt und rechnet auch für das Jahr 2025 mit Schwierigkeiten.

Trotz der Schwierigkeiten in den USA und China verzeichnete Pernod Ricard ein organisches Umsatzwachstum von 5 % außerhalb dieser Märkte und Russlands, wo das Unternehmen den Verkauf eingestellt hat. Dieses Wachstum ist ein positives Ergebnis für das Unternehmen, das weiterhin ein Wachstum von 4 bis 7 % in den nächsten drei Jahren anstrebt.

Obwohl die Bruttomarge von Pernod Ricard um 4 % zurückging, hob das Unternehmen seine Erfolge bei der Kostenkontrolle und der Verbesserung der betrieblichen Effizienz hervor, die zu einem Anstieg der organischen Betriebsmarge um 0,8 Prozentpunkte führten. Dieser Fokus auf Effizienz beweist die Widerstandsfähigkeit des Unternehmens und seine Fähigkeit, sich an ein schwieriges wirtschaftliches Umfeld anzupassen.

Im Einklang mit seiner Strategie, die Geschäftsabläufe zu straffen und sich auf margenstarke Produkte zu konzentrieren, hat Pernod Ricard beschlossen, seine ausländischen Weinmarken zu veräußern und sich stattdessen auf sein Premium-Portfolio zu konzentrieren. Dieser Schritt steht im Einklang mit der allgemeinen Strategie des Unternehmens, die auf ein nachhaltiges, langfristiges Wachstum abzielt, indem sie von den Premiumisierungstrends in der Getränkeindustrie profitiert.

Trotz des Gewinnrückgangs hat Pernod Ricard vorgeschlagen, die Dividende pro Aktie bei 4,70 Euro zu belassen und damit die Ausschüttung des Vorjahres beizubehalten. Diese Entscheidung übertraf die Erwartungen der Analysten und wurde von den Anlegern positiv aufgenommen, was das Vertrauen in die langfristige Strategie und die finanzielle Stabilität des Unternehmens widerspiegelt. Die positive Stimmung spiegelte sich auch an der Börse wider: Die Aktien von Pernod Ricard stiegen im frühen Handel an der Pariser Börse um 1,67 % und übertrafen damit den breiten Markt, der einen bescheidenen Anstieg von 0,14 % verzeichnete.

In diesen schwierigen Zeiten wird es für Pernod Ricard entscheidend sein, sich auf operative Effizienz, strategisches Portfoliomanagement und die Aufrechterhaltung des Anlegervertrauens zu konzentrieren. Während die kurzfristigen Aussichten, insbesondere in Schlüsselmärkten wie China und den USA, unsicher bleiben, bietet die Fähigkeit des Unternehmens, organisches Wachstum außerhalb dieser Bereiche zu erzielen, einen Silberstreif am Horizont. Die vorgeschlagene Dividende und die positive Marktreaktion zeigen, dass die Anleger weiterhin vorsichtig optimistisch sind, was die Zukunft von Pernod Ricard angeht, auch wenn sich das Unternehmen an eine sich verändernde globale Landschaft anpasst.

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