Bordeaux: Kellerabgänge im Jahr bis April 2026 um 11 % gesunken

Auch die Exporte schwächten sich ab: Der Umsatz sank um 15 %, das Volumen um 8 % – ein Hinweis auf Preisdruck im Ausland

Dienstag, 27. Oktober 2026

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Bordeaux: Kellerabgänge im Jahr bis April 2026 um 11 % gesunken

Die Kellerabgänge von Bordeaux-Wein gingen im Jahr bis April 2026 deutlich zurück. Die Exporterlöse sanken stärker als die Exportmengen – ein Zeichen dafür, dass die französische Region nicht nur unter einer schwächeren Nachfrage leidet, sondern auch unter einem geringeren Wert der Weine, die sie im Ausland verkauft.

Nach Zahlen, auf die sich die chinesische Wirtschaftszeitung Yicai beruft und die dem Bordeaux Wine Council (CIVB) zugeschrieben werden, verzeichnete Bordeaux in den zwölf Monaten bis April 2026 Kellerabgänge von 2,992 Millionen Hektolitern. Das waren 11 % weniger als ein Jahr zuvor. Auf Grundlage der gerundeten Zahlen entspricht der Rückgang etwa 370.000 Hektolitern weniger, die von den Erzeugern auf den Markt gelangten.

Der CIVB mit Sitz in der Stadt Bordeaux vertritt Weinbauern und Händler in der südwestfranzösischen Region. Er erfasst Produktion und Verkäufe und übernimmt zudem technische und werbliche Aufgaben für die Branche. Das von Yicai angeführte Originaldokument mit den CIVB-Statistiken ließ sich nicht unabhängig überprüfen.

Der Rückgang der Kellerabgänge deutet auf eine schwächere Geschäftstätigkeit in einer der bekanntesten Weinregionen der Welt hin. Konkret bildet die Kennzahl das Volumen des Bordeaux-Weins ab, der die Keller zum Verkauf, zur Distribution oder zum Export verlässt. Ein Minus von 11 % innerhalb von zwölf Monaten legt nahe, dass Erzeuger und Händler weniger Wein auf den Markt gebracht haben als im Vorjahr.

Die im Bericht angeführten Exportzahlen zeigen ein ähnliches, aber leicht abweichendes Bild. In den zwölf Monaten bis Mai 2026 gingen die Bordeaux-Exporte mengenmäßig um 8 % und wertmäßig um 15 % zurück. Diese Zahlen beziehen sich auf einen anderen Berichtszeitraum als die Kellerabgänge, die den Zeitraum von Mai 2025 bis April 2026 abdecken. Zusammengenommen weisen sie jedoch auf ein schwierigeres Geschäftsumfeld hin.

Besonders bedeutsam ist, dass der Exportwert stärker zurückging als das Exportvolumen. Wenn die Exporterlöse schneller sinken als die tatsächlich versandte Menge, bedeutet das in der Regel, dass der durchschnittliche Wert je exportierter Einheit gesunken ist. Den gemeldeten Veränderungen zufolge fiel der rechnerische durchschnittliche Exportwert je Einheit um etwa 7,6 %. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass die Preise bei allen Bordeaux-Weinen gleichermaßen gesunken sind. Der Rückgang kann auch auf Veränderungen im Produktmix zurückzuführen sein: etwa darauf, dass weniger höherpreisige Weine verkauft wurden oder ein größerer Anteil der Lieferungen in günstigere Kategorien oder Märkte ging.

Dennoch deutet die Diskrepanz zwischen Menge und Wert darauf hin, dass Bordeaux nicht nur weniger Wein ins Ausland liefert, sondern im Durchschnitt auch weniger pro Einheit erlöst. Das ist für eine Region von Bedeutung, in der die Exportentwicklung eng mit den Einkommen der Erzeuger, den Margen der Händler und dem allgemeinen Vertrauen in den Markt zusammenhängt.

China zählte laut den von Yicai angeführten Zahlen zu den schwächsten Exportmärkten. Die Bordeaux-Exporte nach China gingen in den zwölf Monaten bis Mai 2026 mengenmäßig um 27 % zurück. Das fällt besonders ins Gewicht, da China seit Langem ein wichtiger Markt für Bordeaux ist, vor allem für Premiumweine und Weine, die als Geschenke gekauft werden. Ein Rückgang dieser Größenordnung kann sich überproportional auf die Erlöse auswirken, wenn vor allem Weine mit höheren durchschnittlichen Verkaufspreisen betroffen sind.

Die über Yicai veröffentlichten Daten enthalten weder absolute Exporterlöse noch eine Währungsangabe. Daher lässt sich der gesamte Einkommensverlust allein anhand der veröffentlichten Zahlen nicht berechnen. Das erschwert auch eine Schätzung, wie viel Geld den Bordeaux-Exporteuren im betreffenden Zeitraum entgangen ist. Der rechnerische Rückgang des durchschnittlichen Exportwerts ist deshalb als Hinweis auf Preis- oder Produktmixdruck zu verstehen, nicht als Beleg für eine flächendeckende Preissenkung.

Die Schwäche in Bordeaux zeigt sich in einer Zeit, in der viele Weinregionen weiterhin mit einem geringeren Konsum in mehreren etablierten Märkten, veränderten Kaufgewohnheiten und dem Druck auf die Haushaltsbudgets zu tun haben. Verbraucher in einigen Ländern greifen zu günstigeren Produkten, kaufen seltener oder wechseln zu anderen alkoholischen und alkoholfreien Getränken. Für eine Region wie Bordeaux, deren breite Weinpalette über zahlreiche Preisklassen und Exportmärkte hinweg verkauft wird, können sich solche Veränderungen sowohl in geringeren Mengen als auch in niedrigeren Durchschnittswerten niederschlagen.

In der Region verschärft die Absatzverlangsamung eine ohnehin schwierige Phase für Teile der Branche. Bordeaux-Erzeuger müssen mit Sorgen wegen Überangebots, uneinheitlicher Nachfrage in den verschiedenen Appellationen und starkem Wettbewerb durch andere Weinregionen und Getränkekategorien umgehen. Geringere Kellerabgänge können den Cashflow von Weinbauern und Händlern belasten, da der Wein vor dem Verkauf häufig länger auf Lager bleibt.

Die Exportzahlen deuten zudem darauf hin, dass sich der Druck nicht auf einen einzelnen Markt beschränkt. Ein Rückgang des Exportvolumens um 8 % in den zwölf Monaten bis Mai 2026 weist auf eine breit angelegte Schwäche der Auslandsnachfrage hin. Der Wertverlust von 15 % zeigt zugleich, dass die im Ausland verkauften Weine insgesamt weniger Erlöse einbrachten. In Regionen mit einem hohen Exportanteil kann eine solche Diskrepanz schwerer wiegen als ein reiner Mengenrückgang.

Da sich die Daten zu den Kellerabgängen und die Exportdaten auf zwei unterschiedliche Zwölfmonatszeiträume beziehen, lassen sie sich nicht so vergleichen, als stammten sie aus demselben Berichtszeitraum. Beide Kennzahlen entwickeln sich jedoch in dieselbe Richtung und unterstreichen dieselbe Botschaft: Bordeaux verkauft weniger Wein, und im internationalen Geschäft fällt der Wert stärker als die Menge.

Für den Branchenverband in Bordeaux dürften die Zahlen die Aufmerksamkeit verstärkt auf Preise, Lagerbestände und das Verhältnis zwischen Premium- und Niedrigpreissegment lenken. Sie werfen auch die Frage auf, wie die Region reagieren wird, falls die Schwäche in wichtigen Auslandsmärkten anhält. Die von Yicai gemeldeten Zahlen beantworten diese Fragen nicht. Sie zeigen jedoch, dass der Abschwung sowohl die Menge des Weins betrifft, der die Keller in Bordeaux verlässt, als auch den Wert der Exporte der Region.

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