02.06.2026

Eine neue Analyse, die am Montag in Nature Health veröffentlicht wurde, kommt zu dem Schluss, dass Alkoholkonsum mit höheren Risiken für eine breite Palette von Krebserkrankungen und Lebererkrankungen verbunden ist, während einige kardiovaskuläre und metabolische Endpunkte bei geringeren Aufnahmemengen weiterhin gemischte oder U-förmige Muster zeigen.
Die Studie wertete 843 Kohorten- und Fall-Kontroll-Studien aus, die von 1961 bis 2023 veröffentlicht wurden, und untersuchte den Dosis-Wirkungs-Zusammenhang zwischen Alkohol und 20 Gesundheitsendpunkten mithilfe eines konservativen statistischen Rahmens namens Burden of Proof neu. Ziel sei es gewesen, Risiken über verschiedene Erkrankungen hinweg konsistenter zu vergleichen als in vielen früheren Meta-Analysen, die sich oft jeweils nur auf eine Erkrankung konzentrierten und unterschiedliche Referenzgruppen verwendeten, so die Autoren.
Die Ergebnisse befeuern eine seit Langem geführte öffentliche Gesundheitsdebatte in den USA darüber, wie Alkohol gekennzeichnet, besteuert und im medizinischen Umfeld besprochen werden sollte – zumal Bundesbehörden und Kliniker zunehmend infrage stellen, ob irgendeine Trinkmenge als sicher gelten kann. Die Resultate sind für Wein, Bier und Spirituosen gleichermaßen relevant, da die Analyse Alkohol selbst und nicht die Getränkeart betrachtete.
Laut der Studie war aktueller Alkoholkonsum mit einem erhöhten Risiko für Krebs der Brust, des Kolons und Rektums, der Speiseröhre, des Kehlkopfs, der Lippe und der Mundhöhle, des Rachens, der Leber, des Magens, der Bauchspeicheldrüse und der Prostata verbunden. Zudem stand er in Zusammenhang mit Pankreatitis, Zirrhose und anderen chronischen Lebererkrankungen, Infektionen der unteren Atemwege, Tuberkulose sowie Vorhofflimmern und -flattern.
Der stärkste Zusammenhang in der Analyse zeigte sich für andere Rachenkrebserkrankungen. Die Forscher erklärten, Alkoholkonsum im typischen Expositionsbereich sei mit einem um mindestens 105 % erhöhten Risiko für diese Krebsart verbunden gewesen. Deutliche Risikoanstiege fanden sie auch für Zirrhose und andere chronische Lebererkrankungen, Kehlkopfkrebs, Pankreatitis, kolorektalen Krebs sowie Krebs der Lippe und Mundhöhle.
Bei einigen Erkrankungen, darunter Typ-2-Diabetes, Alzheimer und andere Demenzen, ischämische Herzkrankheit sowie bestimmte Schlaganfälle, zeigten die Daten J- oder U-förmige Kurven. Das bedeutet: Das Risiko schien bei niedrigen bis moderaten Konsummengen zunächst geringer zu sein, bevor es bei höheren Mengen wieder anstieg. Die Autoren betonten jedoch, dass diese Muster je nach Endpunkt variierten und nicht für alle Erkrankungen galten.
Die Studie stellte fest, dass hohe Alkoholkonsummengen mit einem erhöhten Risiko über alle untersuchten Endpunkte hinweg verbunden waren. Bei niedrigeren Mengen war das Bild komplexer. So ergab die Analyse etwa, dass das Risiko für Typ-2-Diabetes bei rund 18 Gramm Alkohol pro Tag am niedrigsten schien, bevor es wieder anstieg. Auch bei ischämischer Herzkrankheit schien das Risiko bei moderatem Konsum geringer zu sein und bei höheren Mengen zuzunehmen.
Die Forscher erklärten, sie hätten einen konservativen Ansatz verwendet, der Unterschiede im Studiendesign, soweit möglich Publikationsbias sowie verbleibende Heterogenität zwischen den Studien berücksichtigt habe. Diese Methode solle eine vorsichtige Schätzung der Evidenz liefern – nicht ein exaktes Maß für Schaden oder Nutzen.
Experten des öffentlichen Gesundheitswesens warnen seit Langem davor, dass Alkohol selbst bei vergleichsweise niedrigen Konsummengen zum Krebsrisiko beiträgt. In den vergangenen Jahren haben mehrere Länder ihre Trinkempfehlungen oder Warnhinweise entsprechend angepasst. In den USA raten die bundesweiten Ernährungsempfehlungen weiterhin zu Mäßigung und räumen zugleich Unsicherheit darüber ein, ob irgendeine Menge Alkohol gesundheitlich vorteilhaft ist.
Die neue Studie dürfte den Druck auf politische Entscheidungsträger erhöhen, wenn sie abwägen, ob Warnhinweise stärker auf das Krebsrisiko hinweisen sollten. Sie könnte auch Ärzte beeinflussen, die Patienten im Rahmen der Routineversorgung zu Trinkgewohnheiten beraten – insbesondere Menschen mit familiärer Vorbelastung für Krebs oder Lebererkrankungen.
Die Autoren erklärten, fast die Hälfte aller Erwachsenen weltweit konsumiere regelmäßig Alkohol; deshalb sei es wichtig, seine gesamten gesundheitlichen Auswirkungen zu verstehen. Uneinheitliche Trinkempfehlungen ließen viele Menschen im Unklaren darüber, welche Konsummenge – falls überhaupt – als sicher gelten könne.
Die Analyse unterschied in ihren zentralen Schlussfolgerungen nicht zwischen Wein, Bier oder Spirituosen. Stattdessen betrachtete sie die Ethanol-Exposition als entscheidenden Faktor. Das bedeutet: Die Ergebnisse gelten allgemein für alkoholische Getränke, die in Bars, Restaurants und im Einzelhandel in den USA verkauft werden.
Für Verbraucherinnen und Verbraucher, denen gesagt wurde, moderates Trinken könne das Herz schützen, bietet die Studie eine vorsichtigere Lesart der Evidenz. Sie legt nahe, dass ein möglicher Nutzen bei niedrigen Konsummengen auf bestimmte Endpunkte begrenzt ist und mit steigenden Mengen durch höhere Risiken für Krebserkrankungen und Lebererkrankungen aufgewogen werden könnte.
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