Der Klimawandel verändert Frankens Weinwirtschaft

Forscher in Würzburg sagen, dass höhere Temperaturen, Dürre und stärkere Regenfälle bereits den Weinbau und den Weinabsatz verändern.

13.05.2026

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Eine wachsende Zahl von Forschungsarbeiten an der Universität Würzburg kommt zu einer klaren Erkenntnis für die fränkische Weinwirtschaft: Der Klimawandel verändert bereits, wie Trauben angebaut werden, wann sie gelesen werden und was Verbraucher trinken möchten. Bei einer Veranstaltung Anfang Mai im Foyer der Neubaukirche kamen mehr als 100 Menschen zusammen, um Geografen, Klimatologen und Weinspezialisten darüber sprechen zu hören, wie höhere Temperaturen, längere Trockenphasen und stärkere Regenfälle eine der bekanntesten Weinregionen Deutschlands umgestalten.

Das von der Julius-Maximilians-Universität Würzburg gemeinsam mit der Geographischen Gesellschaft Würzburg organisierte Programm brachte die Arbeitsgruppen für Klimatologie, Humangeographie und Wirtschaftsgeographie der Universität zusammen. Die zentrale Frage lautete nicht, ob der Wandel kommt, sondern wie weit er bereits fortgeschritten ist. Die Forschenden sagten, die Auswirkungen seien in Franken schon sichtbar: Die Weinberge sehen sich stärkerem Hitzestress, mehr Sonnenbrand an den Reben, früherer Reife und früheren Lesezeitpunkten sowie Weinen mit höherem Alkoholgehalt gegenüber.

Heiko Paeth, Professor für Klimatologie an der JMU, sagte, Klimamodelle deuteten darauf hin, dass sich dieser Druck weiter verschärfen werde. Seine Forschung lege nahe, dass die Winzer mit mehr Bewässerung, mehr Begrünung in den Weinbergen und Veränderungen bei den angebauten Rebsorten reagieren müssten. Zudem könne die künftige Anpassung neue Weinbergsstandorte ebenso erfordern wie neue Keller- und Anbaumethoden. Der Punkt sei, so Paeth, dass sich die Region nicht darauf verlassen könne, dass frühere Anbaubedingungen stabil bleiben.

Die Veranstaltung blickte auch über den Weinberg hinaus auf den Markt. Rebekka Kanesu, wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Wirtschaftsgeographie an der JMU, sagte, der rückläufige Alkoholkonsum vor allem unter jüngeren Menschen werde für die Weinproduzenten zu einer weiteren Herausforderung. Auch veränderte Geschlechterrollen und digitale Kommunikation beeinflussten ihrer Ansicht nach, wie Wein präsentiert und verkauft werde. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit ist die sich wandelnde Rolle von Weinköniginnen im Marketing regionaler Weine. Ihren Forschungen zufolge gewinnen soziale Medien und der Verkauf im Ausland an Bedeutung, während die Weingüter versuchen, neue Zielgruppen zu erreichen.

Dieser Wandel ist deshalb bedeutsam, weil Wein in Franken seit Langem eng mit der lokalen Identität verbunden ist. Die Referenten beschrieben ihn als eine Kulturpflanze, die von Terroir, Landschaft und Klima geprägt wird, aber auch von regionaler Kultur und wirtschaftlichem Wandel. Marit Rosol, Leiterin des Lehrstuhls für Wirtschaftsgeographie an der JMU, sagte, Geographie könne helfen, Wein aus mehreren Blickwinkeln zugleich zu erklären: aus physischen Bedingungen wie Boden und Klima ebenso wie aus sozialen Fragen wie ländlichem Wandel, regionaler Identität und globalen Märkten.

Markus Frankl gab einen historischen Überblick über 1.200 Jahre Weinbau in Franken und zeigte dabei, wie sich Anbaumethoden, Produktionsmengen, Qualitätsstandards und Vermarktung im Laufe der Zeit verändert haben. In der anschließenden Diskussion ging es um Wein als Spekulationsobjekt, seine kulturelle Bedeutung und mögliche Zukunftsperspektiven für den fränkischen Weinbau. Außerdem wurden Veränderungen im deutschen Weingesetz und die wachsende Bedeutung alkoholfreier Weine thematisiert.

Die Universität teilte mit, das Interesse am Thema sei so groß gewesen, dass die Organisatoren planen, die Diskussion bei einer späteren Veranstaltung fortzusetzen.

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