07.05.2026

Italiens Landwirte sehen sich mit einer Mischung aus Druck durch den Klimawandel, steigenden Kosten und schwacher Verhandlungsmacht in der Lebensmittelkette konfrontiert, und der wichtigste Bauernverband des Landes sagt, die Antwort müsse bei Einkommen, Wasser, ländlichen Dienstleistungen und einer stärkeren europäischen Agrarpolitik ansetzen.
Auf seiner Versammlung am Donnerstag in Rom wählte Cia-Agricoltori Italiani Cristiano Fini, einen Weinunternehmer, für eine zweite Amtszeit erneut zum Präsidenten und benannte zugleich die aus seiner Sicht wichtigsten Prioritäten des Sektors: den Schutz der landwirtschaftlichen Einkommen, die Verteidigung der ländlichen Binnengebiete gegen Entvölkerung, Gegenwehr gegen Klimaschäden und Widerstand gegen jede Schwächung der Gemeinsamen Agrarpolitik der Europäischen Union.
An dem Treffen beteiligten sich per Videobotschaft Ministerpräsidentin Giorgia Meloni, Landwirtschaftsminister Francesco Lollobrigida, Industrieminister Adolfo Urso und Umweltminister Gilberto Pichetto Fratin; zudem kamen Botschaften von europäischen Vertretern wie Roberta Metsola, Präsidentin des Europäischen Parlaments, Christophe Hansen, EU-Kommissar für Landwirtschaft, und Olivér Várhelyi, Kommissar für Gesundheit und Tierschutz. Ihre Wortmeldungen unterstrichen das politische Gewicht der Landwirtschaft in einer Phase, in der Lebensmittelpreise, Handelsspannungen und Wetterextreme den Sektor neu prägen.
Meloni sagte, Italien sei „eine Supermacht im Agrar- und Ernährungssektor“ und verwies auf rund 5 Millionen Arbeitsplätze in Verbindung mit dem Sektor, 15 % des Bruttoinlandsprodukts und einen Rekordwert von 72,4 Milliarden Euro bei den Exporten. Ihre Regierung habe in drei Jahren mehr als 15 Milliarden Euro in die Landwirtschaft investiert – unter anderem für Junglandwirte, Innovation, Logistik, Lieferkettenverträge und Projekte für erneuerbare Energien auf landwirtschaftlichen Gebäuden.
Fini sagte, die Landwirte seien zuerst von dem betroffen, was er als „permanenten Sturm“ aus Krieg, Klimaschocks und wirtschaftlicher Belastung bezeichnete. Er verwies auf deutlich gestiegene Betriebsmittelkosten, darunter doppelte Dieselpreise sowie Preisanstiege bei Düngemitteln wie Harnstoff um 43 % und Ammoniumsulfat um 20 %. Er forderte Notmaßnahmen nach dem Vorbild der Pandemiezeit, darunter direkte Unterstützung für Düngemittel ab 2026, die Aussetzung von Einfuhrzöllen, Änderungen am europäischen CO2-Grenzausgleichsmechanismus CBAM sowie ein entschiedeneres Vorgehen gegen Spekulation.
Zugleich forderte er die Europäische Union auf, die Lebensmittelproduktion als essenzielle Infrastruktur zu behandeln. „Ernährungssouveränität ist die Grundlage der Freiheit eines Volkes“, sagte er. „Ein Volk, das sich nicht selbst ernähren kann, ist verwundbar.“ Landwirtschaft dürfe nicht als Randtätigkeit gesehen werden, sondern müsse als strategischer Vermögenswert für nationale Sicherheit und sozialen Zusammenhalt gelten.
Eine der zentralen Forderungen von Cia ist eine bessere Verteilung der Wertschöpfung entlang der Agrar- und Ernährungswertschöpfungskette. Die Organisation sagt, Landwirte würden nach wie vor viel zu oft zu schlecht bezahlt im Vergleich zu Verarbeitern, Händlern und Einzelhändlern. Fini skizzierte eine Dreifachstrategie: stärkere Erzeugerorganisationen über Genossenschaften und vertikale Integration; strengere Regeln für Transparenz und faire Preise; sowie einen neuen Pakt mit den Verbrauchern auf Basis von Gesundheit, Nachhaltigkeit und kürzeren Lieferketten.
Dazu gehören Forderungen nach einem wirksamen Verbot von Verkäufen unter Einstandspreis, einer strengeren Durchsetzung gegen unfaire Handelspraktiken und einem institutionellen Portal zur Preisbeobachtung. Cia will außerdem mehr Unterstützung für lokale Märkte, Hofläden und andere kurze Lieferketten, die mehr Wertschöpfung in den ländlichen Räumen halten und Verbrauchern zugleich mehr Zugang zu italienischen Produkten verschaffen können.
Auch das Klimarisiko war ein zentrales Thema. Fini sagte, Dürren, Überschwemmungen, Starkregenereignisse und Bodenerosion bedrohten bereits die Produktion in ganz Italien. Cia wirbt mit seinem Projekt „Water Caravan“ dafür, Probleme und gute Praxis Region für Region zu erfassen; hinzu kommt ein Plan namens „100 Good Works“, mit dem statt allgemeiner Wunschlisten konkret umsetzbare Infrastrukturprojekte identifiziert werden sollen.
Die Organisation sagt, Italien brauche mehr Speicherbecken, eine effizientere Bewässerung und schnellere Reparaturen an Wassernetzen, bei denen rund 40 % des Wassers verloren gehen. Außerdem fordert sie einen breiteren Einsatz präziser Bewässerungssysteme und ländlicher Energiegemeinschaften. Beim Bodenschutz drängt Cia auf ein Gesetz gegen unkontrollierten Flächenverbrauch, stärkere Sicherungen für die Bodenfruchtbarkeit sowie Anreize zur Wiederbewirtschaftung aufgegebener Flächen.
Die Organisation fordert zudem umfassendere Versicherungsinstrumente zur Absicherung von Klima- und Marktrisiken sowie ein einheitliches Fördersystem für Carbon Farming, Biodiversitätsschutz und hydrogeologische Instandhaltung. Sie will außerdem eine schnellere Zulassung neuer Pflanzenzüchtungstechnologien nach den europäischen Regeln für NGTs und argumentiert, dass Innovation nötig sein werde, um die Betriebe unter veränderten Wetterbedingungen produktiv zu halten.
Die Entvölkerung ländlicher Räume wurde als wirtschaftliches wie soziales Problem dargestellt. Fini sagte, Menschen müssten das „Recht haben zu bleiben“ in Binnengebieten – ohne durch schlechte Dienstleistungen oder fehlende Perspektiven verdrängt zu werden. Er beschrieb landwirtschaftliche Betriebe als potenzielle Zentren für Tourismus-, Sozial- und Pflegeleistungen, Energieerzeugung und Umweltmanagement. Zudem schlug er Ausbildungsprogramme für sogenannte „Territory Manager“ vor – Landwirte also, die lokale Entwicklung koordinieren könnten und zugleich weiter Lebensmittel produzieren.
Cia will dauerhafte Ausbildungsschulen für Landwirte einrichten lassen; dort sollen unter anderem Geschäftsplanung, künstliche Intelligenz und Big Data vermittelt werden. Außerdem fordert der Verband digitale Tutoren im ländlichen Raum, um Betriebe bei der Anpassung an neue Werkzeuge zu unterstützen. Doch all das funktioniere nicht ohne grundlegende Dienstleistungen: Breitbandinternet, lokale Gesundheitsversorgung, Schulen auch in kleinen Orten mit offenem Betrieb sowie Wohnanreize für junge Familien und steuerliche Vorteile für abgelegene Gebiete.
Auch die Gemeinsame Agrarpolitik bleibt ein weiterer Konfliktpunkt. Fini sagte, Cia werde sie als vollständig gemeinsame europäische Politik mit eigenem Budget verteidigen. Jede Bewegung hin zu einer Renationalisierung der Agrarförderung oder ihrer Zusammenlegung in einen einzigen EU-Fonds lehnte er ab. Das würde Ressourcen zersplittern und das Risiko von Kürzungen erhöhen. Positiv bewertete er jüngste Signale aus dem Europäischen Parlament zugunsten eines größeren Haushaltsrahmens für 2028 bis 2034.
Auch die Handelspolitik steht unter Beobachtung. Cia sagt: Neue Abkommen mit Ländern außerhalb der EU müssen vollständige Gegenseitigkeit bei Umwelt-, Arbeits- und Lebensmittelsicherheitsstandards verlangen. Fini warnte vor Deals, die Produkte hereinlassen würden, die unter schwächeren Regeln hergestellt wurden als jenen, denen europäische Landwirte unterliegen. Er nannte die Mercosur-Verhandlungen und US-Zölle als Beispiele dafür, warum Brüssel eine stärkere Handelsstrategie brauche – eine Strategie zum Schutz der Erzeuger statt zu ihrer Auslieferung an unfairen Wettbewerb.
Lollobrigida sagte, Italien habe beim landwirtschaftlichen Einkommen im Vergleich zu anderen europäischen Ländern Fortschritte gemacht; zugleich forderte er Brüssel auf, Einfuhrsteuern auf Düngemittel auszusetzen. Schlein sagte wiederum, Europa brauche mehr gemeinsame Investitionen, um Betriebe bei der Anpassung an Veränderungen zu unterstützen und die Energiekosten durch den Ausbau sauberer Energie zu senken. Sie sprach sich außerdem für stärkere Dienstleistungen in Binnengebieten sowie mehr Unterstützung geografischer Angaben auf Exportmärkten aus.
Zur Versammlung legte Cia Trend neue Umfragedaten vor, die zeigen sollen, wie tief das Klimarisiko bereits im öffentlichen Bewusstsein verankert ist. Demnach sorgen sich 91 % der Italiener wegen Erdrutschen, Überschwemmungen und hydrogeologischer Instabilität; 89 % sehen den Verlust landwirtschaftlicher Flächen als Faktor für die Verschärfung dieser Risiken; und mehr als 80 % stimmen zu, dass Unterstützung für Landwirte auch Investitionen in kollektive Sicherheit bedeutet. Zugleich sagen fast die Hälfte der Verbraucherinnen und Verbraucher ausgabenbedingt bereits beim Lebensmitteleinkauf gekürzt zu haben – obwohl 51 % italienische Herkunft als wichtigstes Kriterium beim Kauf von Lebensmitteln nennen.
Für Cia bestätigen diese Zahlen das Argument des Verbands: Landwirtschaft geht nicht nur um Produktion, sondern auch um Raummanagement, öffentliche Sicherheit und nationale Identität. Die Frage ist nun, ob Rom und Brüssel diese Botschaft noch vor weiteren Schäden durch höhere Kosten، schwächere Margen und härteres Wetter in Politik übersetzen werden.
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