Was sind Brix, Baumé oder Oechsle?

Brix, Baumé und Oechsle bei der Weinherstellung verstehen

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Refraktometer

Wenn Sie schon einmal mit einem Glas in der Hand durch die grünen Weinberge eines Weinguts gewandert sind und den Winzer über Brix, Baumé oder Oechsle reden hörten, haben Sie sich vielleicht gefragt, ob er über geheime Zaubersprüche der Weinherstellung spricht. Auch wenn es sich dabei nicht um magische Beschwörungsformeln handelt, so sind sie doch von entscheidender Bedeutung für die Alchemie der Umwandlung von Trauben in Wein. Diese Begriffe hören sich an, als gehörten sie in ein wissenschaftliches Labor, und das ist auch gar nicht so weit hergeholt; es geht um die Messung der Süße des Traubensaftes, die ein Schlüsselfaktor bei der Bestimmung des potenziellen Alkoholgehalts des Weins ist, den Sie an einem gemütlichen Abend gerne schlürfen. Nehmen Sie also Ihr Glas und lassen Sie uns erklären, was diese Begriffe bedeuten und warum sie bei der Weinherstellung so wichtig sind.

Brix: Die Süße-Skala

Beginnen wir mit Brix, benannt nach dem österreichischen Wissenschaftler Adolf Brix aus dem 19. Brix misst den Zuckergehalt in einer wässrigen Lösung. Bei der Weinherstellung gibt er den prozentualen Anteil des im Saft enthaltenen Traubenzuckers an. Ein Grad Brix entspricht 1 Gramm Saccharose in 100 Gramm der Lösung. Es ist so etwas wie der Leitfaden des Winzers, um vorherzusagen, wie alkoholisch der Wein werden kann. Je höher der Brix-Wert, desto höher ist der potenzielle Alkoholgehalt, vorausgesetzt, der gesamte Zucker wird zu Alkohol vergoren. Während der Weinlese testen die Winzer die Trauben, um einen Brix-Wert zu erreichen, der das perfekte Gleichgewicht des Alkoholgehalts im Endprodukt gewährleistet. Das ist ein entscheidender Schritt, denn wenn er falsch ist, könnte der Wein zu süß oder zu stark sein.

Baumé: Der französische Touch

In Frankreich gibt es die Baumé-Skala, die von dem französischen Chemiker Antoine Baumé entwickelt wurde. Es handelt sich dabei um eine weitere Methode zur Messung des Zuckergehalts, die jedoch etwas anders kalibriert ist, um den spezifischen Anforderungen der französischen Weinherstellung gerecht zu werden. Die Baumé-Skala wird vor allem in Frankreich und in Ländern verwendet, die von der französischen Weinbautradition beeinflusst sind. Wie bei Brix bedeutet ein höherer Baumé-Wert mehr Zucker und damit mehr potenziellen Alkohol. Die Baumé-Skala ist jedoch etwas schwieriger direkt auf den Zuckergehalt umzurechnen, da sie ursprünglich zur Messung der Dichte verschiedener Lösungen und nicht nur von Zucker in Wasser entwickelt wurde. Im Zusammenhang mit der Weinherstellung erfüllt sie jedoch einen ähnlichen Zweck wie der Brix-Wert, indem sie den Gärungsprozess steuert, um Weine mit dem gewünschten Alkoholgehalt zu erzeugen.

Oechsle: Die deutsche Präzision

Auf dem Weg nach Deutschland stoßen wir auf die Oechsle-Waage, die das Mostgewicht des Traubensaftes misst, was so viel heißt wie: Sie misst die Dichte des Traubensaftes im Vergleich zu Wasser. Die nach Ferdinand Oechsle benannte Waage ist von zentraler Bedeutung für die deutsche Weinherstellung, vor allem, weil in Deutschland eine große Bandbreite an Weinstilen produziert wird, von knochentrocken bis zu üppig süß. Die Oechsle-Skala hilft, den Reifegrad der Trauben und damit den potenziellen Stil und die Qualität des Weins zu bestimmen. Höhere Werte weisen auf reifere Trauben mit mehr Zucker hin, was je nach dem gewählten Weinherstellungsverfahren zu einem höheren Alkoholgehalt oder süßeren Weinen führen kann.

Warum sind sie so wichtig?

Brix, Baumé und Oechsle zu verstehen ist wie ein Schlüssel zum Tagebuch des Winzers. Anhand dieser Messwerte können die Winzer die Trauben genau zum richtigen Zeitpunkt ernten und sicherstellen, dass der Wein das perfekte Gleichgewicht zwischen Süße, Säure und Alkohol aufweist. Sie sind unverzichtbare Hilfsmittel bei der Weinherstellung und beeinflussen Entscheidungen, die vom Zeitpunkt der Traubenlese bis zur Steuerung des Gärungsprozesses reichen. Für Weinliebhaber ist das Wissen über diese Skalen eine weitere Ebene der Wertschätzung für die Kunst und Wissenschaft der Weinherstellung. Es ist faszinierend zu sehen, wie eine Kombination aus natürlichen Elementen und menschlichem Einfallsreichtum, gemessen in Brix-, Baumé- oder Oechslegraden, einfache Trauben in das komplexe und köstliche Getränk verwandeln kann, das wir so schätzen.

Wie wird der Zucker gemessen?

Ein Refraktometer ist ein tragbares Gerät, das die Konzentration einer wässrigen Lösung misst, indem es auswertet, wie sich das Licht beim Durchgang durch die Flüssigkeit biegt oder bricht. Wenn Licht aus der Luft in eine Flüssigkeit eintritt, verlangsamt es sich und ändert seine Richtung; wie stark es sich verlangsamt, hängt von der Dichte der Substanz ab. Zucker erhöht die Dichte von Traubensaft. Wenn man also eine Probe mit Licht durchleuchtet, kann man mit einem Refraktometer feststellen, wie viel Zucker sich darin befindet. Für Winzer ist es wie ein Zauberstab, mit dem sie schnell und einfach den Reifegrad ihrer Trauben überprüfen können.

Wenn Sie also das nächste Mal bei einer Weinbesichtigung oder -verkostung von Brix, Baumé oder Oechsle hören, werden Sie genau wissen, worüber gesprochen wird. Es geht nicht nur um die Zahlen, sondern um den Weg von der Rebe zum Wein, der von diesen wichtigen Messwerten begleitet wird. Darauf stoßen wir an!

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