Studie der Universität La Serena: Rebstöcke der Sorte País aus Huasco tolerieren Trockenheit länger

Untersuchungen in hundertjährigen Weinbergen deuten darauf hin, dass lokale Anpassung chilenischen Winzern helfen könnte, eine traditionelle Rebsorte trotz zunehmender Wasserknappheit zu bewahren

Dienstag, 27. Oktober 2026

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Studie der Universität La Serena: Rebstöcke der Sorte País aus Huasco tolerieren Trockenheit länger

Forscher der Universität La Serena in Chile untersuchen, ob Rebstöcke der historischen Rebsorte País je nach ihrem jahrhundertelangen Anbauort unterschiedliche Strategien zur Bewältigung von Trockenheit entwickelt haben. Die Arbeit könnte Winzern und Landwirten helfen, sich an Wasserknappheit anzupassen, ohne eine traditionelle Sorte aufzugeben.

Das Projekt wird von Marco Garrido-Salinas geleitet, Agronom und Wissenschaftler am Institut für Agronomie der Universität. Nach Angaben der Universität läuft die Forschung seit zwei Jahren und wird von ihrer Direktion für Forschung und Entwicklung finanziert. Sie befindet sich nun in der Abschlussphase. Das Team bemüht sich um zusätzliche Unterstützung, um die Zahl der untersuchten Standorte zu erhöhen und zu prüfen, ob die bisher beobachteten Unterschiede auch in weiteren Vegetationsperioden stabil bleiben.

Im Mittelpunkt der Studie steht País, eine der ältesten Rebsorten Chiles mit tiefen historischen Wurzeln im Land. Garrido-Salinas zufolge gelangte die Rebe während der Kolonialzeit vor allem durch die Aktivitäten der Jesuiten in den Norden Chiles und wurde zur Herstellung von Messwein verwendet. Im Laufe der Zeit verbreitete sich die Sorte im ganzen Land und wurde jahrhundertelang angebaut. Heute liegt ihr Hauptanbaugebiet in der Region Maule im südlichen Zentrum Chiles.

Die zentrale Forschungsfrage lautet, ob Pflanzen derselben Rebsorte nach langer Anpassung an unterschiedliche Umgebungen verschiedene Reaktionen auf Trockenstress zeigen. Das Team untersuchte hundertjährige Weinberge in Arica, Huasco und Limarí. Garrido-Salinas zufolge sollte ermittelt werden, ob sich die Pflanzen aus diesen Gebieten im Laufe der Zeit an die jeweiligen lokalen Bedingungen angepasst haben und ob die Unterschiede weiterhin auftreten, wenn die Reben unter denselben Versuchsbedingungen bewertet werden.

Die Frage ist relevant, da die chilenische Landwirtschaft weiterhin unter Wasserknappheit und den umfassenderen Folgen des Klimawandels leidet. Im Weinbau besteht ein Ansatz darin, nach nützlichen Unterschieden innerhalb einer Rebsorte zu suchen, statt sie vollständig zu ersetzen. Garrido-Salinas zufolge knüpft dies an den langjährigen Einsatz von Klonen im Weinbau an: Einzelne Pflanzen derselben Sorte können unterschiedliche Merkmale aufweisen und an einem Standort besser gedeihen als an einem anderen.

Für Erzeuger könnte das praktischen Nutzen haben. Wenn sich innerhalb der Sorte País Pflanzenmaterial identifizieren lässt, das sich besser für trockene Inlandstäler, Küstengebiete oder heißere Zonen im Norden eignet, könnten die Winzer die Identität der Sorte bewahren und zugleich ihre Widerstandsfähigkeit verbessern. Das könnte auch für die Getränkebranche, insbesondere den Weinsektor, Folgen haben: Es böte die Möglichkeit, auf Wasserstress zu reagieren, ohne auf eine andere Rebsorte umzusteigen und dadurch den Charakter zu verändern, der mit einer traditionellen Rebsorte und teilweise auch mit einer herkunftsgebundenen Erzeugung verbunden ist.

Das Forschungsteam ermittelte anhand von Kurven zur stomatären Reaktion, wie sich die verschiedenen Herkünfte der Reben bei Wassermangel verhielten. Stomata sind Poren auf den Blättern, die den Wasserverlust und den Gasaustausch regulieren. Bei Trockenheit schließen Pflanzen sie tendenziell, um weniger Wasser zu verlieren. Allerdings reagieren nicht alle Pflanzen gleich schnell.

Garrido-Salinas zufolge ist das bislang deutlichste Ergebnis, dass Rebstöcke aus Huasco deutlich länger brauchten, um auf Wassermangel zu reagieren, als die beiden anderen Herkünfte. Dieses Verhalten deute auf eine höhere Toleranz hin, sagte er. Die Pflanzen aus Arica und Limarí reagierten dagegen vorsichtiger und schlossen ihre Stomata zu Beginn der Stressphase schneller, um Wasserverluste zu vermeiden.

Garrido-Salinas bezeichnete die Arbeit als die erste Veröffentlichung, die sich in Chile und international mit der Strategie der Rebsorte País im Umgang mit Trockenheit befasst. Die Ergebnisse werfen ihm zufolge außerdem eine neue Frage auf: Warum verhielt sich Huasco anders?

Die Forscher hatten zunächst erwartet, dass sich die Ergebnisse anhand des Trockenheitsgrads an den ursprünglichen Standorten der Weinberge erklären ließen. Huasco, das auf dem Trockenheitsgradienten zwischen den drei untersuchten Herkünften in der Mitte liegt, unterschied sich jedoch deutlich von den beiden anderen. Das deute darauf hin, dass weitere Faktoren eine Rolle spielen könnten, sagte Garrido-Salinas. Eine Möglichkeit sei die Höhenlage. Huasco unterscheidet sich in dieser Hinsicht erheblich von Arica und Limarí, was bedeutende Veränderungen der Umweltbedingungen und Bodeneigenschaften mit sich bringen könnte. Für Schlussfolgerungen seien jedoch weitere Untersuchungen nötig, sagte er.

Das Team betrachtet die aktuellen Ergebnisse als vorläufig, da sie auf Beobachtungen aus einer einzigen Saison beruhen. Wie in der Agronomie üblich, seien Daten aus mehreren Saisons nötig, um zu bestätigen, ob ein vermeintliches Muster Bestand habe, sagte Garrido-Salinas. Als nächsten Schritt wolle man mit dem bereits gesammelten Pflanzenmaterial einen größeren gemeinsamen Versuchsgarten anlegen und weitere Herkünfte einbeziehen. Die Forscher wollen zudem Merkmale wie Wuchsform, Fruchtfarbe und Fruchttyp sowie die genetische Beschaffenheit untersuchen.

Die Forschung könnte künftig über den Norden Chiles hinaus ausgeweitet werden. Garrido-Salinas zufolge baut das Team Kooperationsbeziehungen in der Landesmitte und im Süden auf, wo sich der País-Anbau konzentriert. Er verwies auf Gebiete wie Cauquenes in der Region Maule, in denen die Sorte möglicherweise eine bedeutende interne Variabilität aufweist, die untersucht werden sollte.

Sollten sich die Unterschiede bestätigen und genauer beschreiben lassen, könnte die Forschung den Weg für die Auswahl und Registrierung von Klonen ebnen, die an bestimmte Bedingungen angepasst sind. Das könne es der Universität langfristig ermöglichen, Pflanzenmaterial anzubieten, das Landwirten bei der Anpassung an den Klimawandel hilft, sagte Garrido-Salinas. Das Projekt könne außerdem die Fähigkeit der Einrichtung stärken, feine Unterschiede zwischen Kultivaren derselben Art zu erkennen und künftige Kooperationen mit Erzeugern und Branchen rund um landwirtschaftliche Betriebsmittel, darunter Biostimulanzien, zu fördern.

Für País ist diese Perspektive besonders relevant, da Erzeuger möglicherweise eine Rebsorte bewahren wollen, die eine lange Kulturgeschichte hat und in Chile weiterhin mit der traditionellen Weinbereitung verbunden ist. In Zeiten wiederkehrender Dürren könnte die Möglichkeit, innerhalb derselben Sorte besser geeignete Rebstöcke auszuwählen, zu einem praktischen Instrument für Weinberge werden: Sie könnten damit Erträge schützen, den Stil bewahren und Klimarisiken verringern, ohne die Rebsorte zu verändern.

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