31.03.2026

In den letzten Monaten hat die Europäische Kommission wichtige Handelsabkommen mit dem Mercosur, Indien und Australien abgeschlossen. Dabei verfolgte sie eine Verhandlungsstrategie, die den Marktzugang für hochwertige Exporte wie Wein und Autos in den Vordergrund stellt und gleichzeitig strenge Kontrollen für Rindfleischimporte aufrechterhält. Trotz des starken Widerstands der europäischen Landwirte, insbesondere im Hinblick auf das Mercosur-Abkommen mit Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay, hat die Kommission ihren Ansatz nicht geändert. Das Mercosur-Abkommen sieht vor, dass jährlich 99.000 Tonnen Rindfleisch, 25.000 Tonnen Schweinefleisch und 188.000 Tonnen Geflügel in die EU eingeführt werden dürfen. Diese Zugeständnisse haben rechtliche Anfechtungen und Proteste von EU-Agrarverbänden ausgelöst, die sich über die zunehmende Konkurrenz durch importiertes Fleisch sorgen.
Das kürzlich abgeschlossene Abkommen mit Australien veranschaulicht diese Doppelstrategie. Nach achtjährigen Verhandlungen sicherte sich Australien ein jährliches Kontingent von 30.600 Tonnen Rindfleisch und 25.000 Tonnen Schaf- und Ziegenfleisch für den Export in die EU. Das Abkommen sieht auch Quoten für Zucker und Reis vor. Diese Kontingente sind jedoch an strenge Bedingungen geknüpft: Rindfleisch muss grasgefüttert sein, die Importe werden über ein Jahrzehnt für Rindfleisch und sieben Jahre für Schaffleisch gestaffelt, und Schutzklauseln ermöglichen es beiden Seiten, auf Marktstörungen zu reagieren. Für empfindliche Produkte wie Rindfleisch können diese Schutzklauseln bis zu 15 Jahre gelten. Trotz dieser Maßnahmen sind die Vertreter der Landwirte nach wie vor skeptisch, was die Wirksamkeit solcher Schutzmaßnahmen angeht, und argumentieren, dass die Beweislast für die Aktivierung von Schutzmaßnahmen schwer auf den Erzeugern lastet.
Während die EU in ihren Handelsabkommen Zugeständnisse bei landwirtschaftlichen Gütern der Einstiegsklasse wie Rindfleisch gemacht hat, ist sie bei Wein und Produkten mit geografischen Angaben (g.A.) deutlich härter vorgegangen. In den Gesprächen mit Indien war die Landwirtschaft weniger umstritten, da Neu-Delhi sich weigerte, seinen Markt für ausländische Milcherzeugnisse zu öffnen. Stattdessen konzentrierte sich die EU auf die Senkung der Zölle für Wein und Autos. Die indischen Zölle auf Premiumweine werden über einen Zeitraum von sieben Jahren von 150 % auf 20 % sinken; für Weine des mittleren Segments werden die Zölle auf 30 % reduziert. Die Zölle für Autos werden von 110 % auf 10 % gesenkt, allerdings nur im Rahmen eines Kontingentsystems.
In den Verhandlungen mit Australien war der Wein erneut ein zentrales Thema. Das endgültige Abkommen schützt mehr als 1.600 geografische Angaben für Wein in der EU und fügt über 50 neue aus 12 Mitgliedstaaten hinzu. Australische Erzeuger dürfen den Begriff "Prosecco" weiterhin im Inland verwenden, wenn er mit einer australischen g.A. verbunden ist, müssen aber nach zehn Jahren die Ausfuhr solcher Weine unter diesem Namen einstellen. Die Einigung sichert auch den Schutz von 165 geografischen Angaben für Lebensmittel und 231 geografischen Angaben für Spirituosen in der EU. Der EU ist es jedoch nicht gelungen, die australische Steuer auf Luxusautos abzuschaffen, aber sie hat eine Vorzugsbehandlung für Elektrofahrzeuge erreicht.
Der Ansatz der Kommission spiegelt sowohl wirtschaftliche Interessen als auch politische Realitäten in Europa wider. Hochwertige Exporte wie Wein werden als wesentlich für die Aufrechterhaltung der globalen Wettbewerbsfähigkeit und den Schutz regionaler Identitäten angesehen, die an bestimmte Produkte gebunden sind. Gleichzeitig bleibt die Öffnung der Märkte für Agrarimporte wie Rindfleisch aufgrund der Sorge um die Existenzgrundlage der heimischen Landwirte politisch heikel.
Handelsexperten argumentieren, dass die EU mit dieser Strategie ihre Stärken bei der Produktion hochwertiger Lebensmittel und Getränke nutzen und gleichzeitig dem internen Druck des Agrarsektors begegnen kann. Luc Vernet von Farm Europe schlägt vor, dass Europa seine Strategie über Luxusgüter hinaus auf alle Qualitätsstufen in allen Sektoren ausdehnen sollte.
Im Moment besteht die Handelspolitik der Europäischen Union weiterhin aus einem Gleichgewicht zwischen dem kontrollierten Zugang für ausländische Agrarerzeugnisse und einem soliden Schutz für ihre eigenen hochwertigen Exporte. Dieser Ansatz wird wahrscheinlich künftige Abkommen prägen, da Brüssel nach neuen Märkten sucht und gleichzeitig Schlüsselsektoren im eigenen Land verteidigt.
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