11.07.2024

Angesichts des unaufhaltsam voranschreitenden Klimawandels suchen spanische Winzer nach innovativen Lösungen, um ihr Weinbauerbe zu schützen. Dabei haben sich zwei relativ unbekannte Rebsorten, Benedicto und Moribel, als vielversprechende Kandidaten erwiesen. Diese mit dem berühmten Tempranillo verwandten Sorten könnten eine entscheidende Rolle bei der Anpassung der Weinberge an die immer schwierigeren Bedingungen spielen, die durch steigende Temperaturen und anhaltende Dürreperioden verursacht werden.
Forscher des Instituts für Rebe und Wein der Region Kastilien-La Mancha (IVICAM) sind führend bei der Erforschung dieser Rebsorten, um ihr Potenzial angesichts der widrigen Klimabedingungen zu ermitteln. Nach Angaben des Regionalen Instituts für Forschung und Entwicklung in der Agrar- und Ernährungswirtschaft (IRIAF) sind die ersten Ergebnisse ermutigend. Benedicto und Moribel, ein Vorfahre bzw. ein Nachfahre des Tempranillo, zeigen eine bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit gegenüber Hitzestress und Wasserknappheit. Dies könnte sie zu wertvollen Aktivposten für die Zukunft des spanischen Weinbaus machen.
Spanien, ein Land, das für seine reiche Weinbautradition berühmt ist, steht aufgrund des Klimawandels vor wachsenden Herausforderungen. Jedes Jahr drohen zunehmende Hitze und extreme Wetterereignisse die Landschaft der Weinproduktion erheblich zu verändern. Eine kürzlich durchgeführte Studie warnte davor, dass bis zu 90 % der traditionellen Weinbauregionen im Mittelmeerraum und in Südspanien aufgrund von übermäßiger Trockenheit und häufigen Hitzewellen bis zum Ende des Jahrhunderts vom Aussterben bedroht sein könnten.
Tempranillo, eine Rebsorte, die weltweit für ihre Rolle bei der Herstellung einiger der besten Rotweine Spaniens bekannt ist, ist besonders gefährdet. Mit einer Anbaufläche von mehr als 201 000 Hektar ist Tempranillo ein Eckpfeiler vieler spanischer Herkunftsbezeichnungen (DOs). Mit dem Anstieg der Temperaturen ist seine Produktion jedoch stark gefährdet. Laut einem Artikel von María Concepción Ramos von der Universitat de Lleida und Fernando Martínez de Toda Fernández von der Universität La Rioja aus dem Jahr 2022 könnten erhöhte Temperaturen und Wasserstress die phänologischen Phasen der Traube beschleunigen. Blüte, Reife und Ernte könnten in den wärmsten Jahren mehr als 10 Tage früher stattfinden. Bis 2050 könnte sich der Wachstumszyklus der Tempranillo-Traube selbst bei kontrollierten Emissionsszenarien um acht bis zehn Tage vorverlagern.
Diese Verschiebungen könnten den Säuregehalt der Trauben und die Konzentration von Schlüsselverbindungen wie Anthocyanen beeinträchtigen, die für die Erhaltung des Gleichgewichts und der Qualität der Weine entscheidend sind. Die Winzer setzen bereits Strategien ein, um diese Auswirkungen abzumildern, z. B. durch Anpflanzung in höheren Lagen, Umzug in kühlere nördliche Regionen und Änderung der Schnitttechniken. Darüber hinaus gibt es konzertierte Bemühungen, alternative Klone oder Rebsorten zu finden, die sich besser an das veränderte Klima anpassen.
In diesem Zusammenhang hat die Arbeit des IVICAM an Bedeutung gewonnen. Das Forschungsteam, das sich auf die Doktorarbeit von Sergio Serrano Parra stützt, hat untersucht, welche Rebsorten der extremen Hitze und der Wasserknappheit standhalten können, die in Zukunft immer häufiger auftreten werden. Ihre Studien haben ergeben, dass Benedicto in mehreren qualitativen Analysen besser abschneidet als Tempranillo, was sie zu einem starken Kandidaten für den zukünftigen Weinbau macht.
Moribel, der Nachkomme des Tempranillo, ist ebenfalls sehr vielversprechend. Er hat einen höheren Säuregehalt als Tempranillo, was für die Erzeugung ausgewogener Weine in einem wärmeren Klima entscheidend sein könnte. Sowohl Benedicto als auch Moribel haben bei der sensorischen Bewertung gut abgeschnitten. Interessanterweise wurden die aus diesen Trauben hergestellten Weine von den Verkostern bevorzugt, obwohl sie ein ähnliches Aromaprofil wie Tempranillo aufweisen, was darauf hindeutet, dass diese Sorten die Qualität der Weine unter schwierigeren Umweltbedingungen nicht nur bewahren, sondern möglicherweise sogar verbessern können.
Da der Klimawandel die globale Weinindustrie weiterhin verändert, wird der Bedarf an Anpassungsstrategien immer dringender. Spaniens Erforschung alter Rebsorten wie Benedicto und Moribel zeigt einen proaktiven Ansatz zur Sicherung der Widerstandsfähigkeit und Nachhaltigkeit seiner Weinberge. Diese Bemühungen könnten den Weg für eine neue Ära im spanischen Weinbau ebnen, in der Tradition und Innovation nebeneinander bestehen, um die Herausforderungen der Zukunft zu meistern.
Junge Sommeliers und Weinliebhaber könnten bald neben den traditionellen Grundnahrungsmitteln Tempranillo, Graciano und Mazuelo auch Benedicto und Moribel kennenlernen. In dem Maße, wie die Forschung voranschreitet und diese Rebsorten an Anerkennung gewinnen, könnten sie eine Schlüsselrolle dabei spielen, das Erbe und die Exzellenz spanischer Weine inmitten der Realitäten einer sich erwärmenden Welt zu erhalten.
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