Kolumbien schlägt Anhebung der Mehrwertsteuer auf Spirituosen von 5 auf 19 Prozent vor
Die Steuerreform sieht zudem eine neue Verbrauchsteuer auf inländische und importierte Spirituosen vor und muss noch vom Kongress gebilligt werden
Dienstag, 3. November 2026
Die kolumbianische Regierung schlägt vor, die Mehrwertsteuer auf Spirituosen von 5 auf 19 Prozent anzuheben. Die Maßnahme ist Teil einer umfassenderen Steuerreform, die noch vom Kongress gebilligt werden muss. Darüber berichteten die kolumbianische Wirtschaftszeitung La República und das Steuerfachportal Actualícese am 31. Oktober.
Die Maßnahme würde für die betroffenen destillierten alkoholischen Getränke gelten, die in Kolumbien verkauft werden, und einer Erhöhung des Mehrwertsteuersatzes um 14 Prozentpunkte entsprechen. Das bedeutet nicht, dass die Einzelhandelspreise automatisch um 14 Prozent steigen würden. Die tatsächlichen Auswirkungen hingen von der Bemessungsgrundlage, der Weitergabe der höheren Abgabe durch Hersteller und Händler entlang der Lieferkette sowie von den Preisentscheidungen am Markt ab.
Den Berichten zufolge geht der Vorschlag über die Änderung der Mehrwertsteuer hinaus. Artikel 28 des Gesetzentwurfs würde außerdem eine Verbrauchsteuer einführen, die sich aus zwei Teilen zusammensetzt: einer spezifischen Abgabe von 750 kolumbianischen Pesos je Alkoholgrad und 750-Milliliter-Flasche sowie einer zusätzlichen Wertsteuerkomponente von 35 Prozent. La República und Actualícese zufolge beträfe die Maßnahme sowohl inländische als auch importierte Spirituosen.
Der Vorschlag ist Teil eines Steuerpakets, das die Regierung von Präsident Gustavo Petro vorantreibt, um zusätzliche Einnahmen zu erzielen und die Steuerstruktur Kolumbiens zu verändern. Bevor die Bestimmungen zu Spirituosen in Kraft treten könnten, müsste der Kongress die Reform beraten und verabschieden. Ein endgültiger Umsetzungstermin ließ sich nicht bestätigen. Das Parlamentsdokument selbst stand für eine unabhängige Prüfung nicht zur Verfügung, da laut den Quellenangaben Zugriffsfehler auftraten.
Der Plan stößt auf Aufmerksamkeit, weil Spirituosen in Kolumbien einen großen formellen Markt bilden und für Hersteller, Importeure, Händler und Regionalregierungen eine wichtige Einnahmequelle darstellen. Eine höhere Mehrwertsteuer in Verbindung mit einer stärkeren Belastung durch die Verbrauchsteuer könnte die Steuerkosten beim Verkauf von Spirituosen erhöhen und die Verbrauchernachfrage, die Unternehmensmargen und die Vertriebsstrategien unter Druck setzen. Importmarken könnten in einem Segment, in dem Wechselkurse und Logistikkosten die Regalpreise bereits beeinflussen, zusätzlich unter Preisdruck geraten.
Für Verbraucher hinge die konkrete Auswirkung von der jeweiligen Produktkategorie und dem Alkoholgehalt ab. Für eine Flasche mit höherem Alkoholgehalt würde nach der von Actualícese beschriebenen Formel eine höhere spezifische Abgabe fällig; die Wertsteuerkomponente von 35 Prozent käme als zweite, an den Wert gekoppelte Belastung hinzu. Dadurch könnten Premiumprodukte und hochprozentige Spirituosen steuerlich anders betroffen sein als günstigere oder alkoholärmere Angebote.
Der geplante Schritt fällt auch deshalb auf, weil der derzeitige Mehrwertsteuersatz von 5 Prozent auf die betroffenen Spirituosen deutlich unter dem regulären Satz von 19 Prozent liegt, der in Kolumbien für viele andere Waren und Dienstleistungen gilt. Eine Anhebung auf 19 Prozent würde diese Getränke stärker an das allgemeine Steuersystem angleichen, zugleich aber die Steuerlast für eine Kategorie deutlich erhöhen, die im kolumbianischen Verbrauchsteuersystem bereits einer Sonderregelung unterliegt.
Die Branchenakteure dürften vor allem darauf achten, wie die neue Mehrwertsteuer und die vorgeschlagene Verbrauchsteuer in der Praxis zusammenwirken. Unternehmen müssten prüfen, ob sie einen Teil der höheren Steuerlast selbst tragen, sie an den Handel und die Verbraucher weitergeben oder ihr Produktangebot und ihre Werbestrategien anpassen. Auch bei Händlern und Geschäften könnte sich das Absatzwachstum verlangsamen, wenn höhere Preise die Käufe dämpfen – insbesondere in Bevölkerungsgruppen mit niedrigerem Einkommen.
Die Reform hat noch nicht die Zustimmung des Kongresses erhalten; der Vorschlag ist daher weiterhin Gegenstand von Beratungen und möglichen Änderungen. Die von La República und Actualícese zitierten Berichte beschreiben den Wortlaut des Gesetzentwurfs und die erwarteten Auswirkungen. Die endgültige Ausgestaltung könnte sich im Gesetzgebungsverfahren jedoch noch ändern.