Venetien erlaubt Valpolicella-Kellereien einen fast einen Monat früheren Start der Amarone-Vinifizierung

Venetien genehmigt für die Lese 2026 einen früheren Start für Amarone und Recioto, da die Trauben in den Trockenräumen weit genug getrocknet sind.

Dienstag, 3. November 2026

Teilen!

Venetien erlaubt Valpolicella-Kellereien einen fast einen Monat früheren Start der Amarone-Vinifizierung

Die Kellereien in Valpolicella können ab Montag, dem 2. November, getrocknete Trauben für Amarone della Valpolicella DOCG und Recioto della Valpolicella DOCG vinifizieren. Die Regionalregierung Venetiens hat den Start damit um fast einen Monat vorgezogen: Laut den Produktionsvorschriften war der übliche Termin der 1. Dezember.

Die Maßnahme gilt für die Lese 2026 und folgt auf einen Antrag des Konsortiums zum Schutz der Valpolicella-Weine. Venetien genehmigte den früheren Start mit dem Dekret Nr. 20024 vom 16. Oktober, das am 23. Oktober im Amtsblatt der Region veröffentlicht wurde.

Die Behörden der Region begründeten die Entscheidung mit dem Witterungsverlauf der Saison und dem Zustand, den die Trauben während des Appassimento erreicht hatten – der Trocknungsphase, die beide Weine prägt. Aus den von der Region geprüften technischen Unterlagen ging hervor, dass die Trocknung weit genug fortgeschritten war, um die Trauben vor dem üblichen Starttermin zu pressen und zu vergären.

Die Änderung gibt den Erzeugern mehr Spielraum bei der Entscheidung, wann die einzelnen Partien bereit sind, statt bis Anfang Dezember warten zu müssen. In Valpolicella werden die für Amarone und Recioto ausgewählten Trauben nach der Lese in Fruttai, also Trockenräume, gebracht. Dort bleiben sie mehrere Wochen und verlieren nach und nach Wasser. Mit sinkendem Wassergehalt konzentrieren sich Zucker und andere Inhaltsstoffe. Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Belüftung beeinflussen Tempo und Qualität dieses Prozesses. Die Kellereien überwachen diese Bedingungen genau, um die Gesundheit der Früchte zu schützen.

Nach den Vorschriften für die beiden DOCG-Weine darf die Vinifizierung normalerweise nicht vor dem 1. Dezember beginnen. Die Bestimmungen ermöglichen Venetien jedoch auch, auf Antrag des Konsortiums einen früheren Termin zu genehmigen, wenn die klimatischen Bedingungen dies rechtfertigen. Das ist in diesem Jahr geschehen.

Das Konsortium reichte seinen Antrag am 13. Oktober zusammen mit Wetterdaten zur Saison, Messungen zur Reife der Trauben kurz vor der Lese und Überwachungsergebnissen aus den Trockenräumen ein. Auf Grundlage dieser Unterlagen kam die Region zu dem Schluss, dass die Früchte einen Stand erreicht hatten, der einen früheren Start ermöglichte.

Für die Kellereien geht es bei der Vorverlegung weniger darum, alle Partien gleichzeitig schneller zu verarbeiten, als vielmehr um zusätzliche Flexibilität. Nicht alle Trauben trocknen im gleichen Tempo. Der Zeitplan kann je nach Rebsorte und Zustand der Trauben, ihrem Reifegrad bei der Lese und den Bedingungen bei der Lagerung variieren. Selbst in ein und derselben Kellerei können unterschiedliche Partien verschiedene Zeitpläne erfordern. Die Erzeuger müssen weiterhin für jede Partie entscheiden, wann die Trauben die richtige Konzentration, den passenden Gesundheitszustand und die gewünschte Ausgewogenheit für ihre Weinbereitungsziele erreicht haben.

Diese Entscheidung ist besonders wichtig, weil Amarone und Recioto zwar mit derselben Trocknungstechnik hergestellt werden, aber zu unterschiedlichen Weinen führen. Amarone wird trocken ausgebaut, während Recioto einen Teil seines Restzuckers behält und als Süßwein erzeugt wird. In beiden Fällen wirkt sich der Trocknungsstand der Trauben vor dem Pressen unmittelbar auf die folgenden Produktionsschritte aus.

Der frühere Termin ist zudem kein Einzelfall. Für die Lese 2025 hatte Venetien bereits eine ähnliche Ausnahme genehmigt und den Beginn der Vinifizierung auf den 5. November 2025 vorgezogen. Für die Lese 2026 wurde der Starttermin um weitere drei Tage vorverlegt. Diese Entwicklung unterstreicht die wachsende Bedeutung der technischen Überwachung während des Appassimento und eines Produktionskalenders, der sich zunehmend am tatsächlichen Zustand der Früchte orientiert.

Die Änderung ist mehr als eine lokale Verfahrensfrage. Amarone und Recioto sind international bekannte Weinkategorien. Jede Anpassung des Zeitplans für ihre Herstellung betrifft daher zwei Herkunftsbezeichnungen, die auf Exportmärkten stark präsent sind. Sie ist zugleich ein weiteres Zeichen dafür, dass die klimatischen Bedingungen nicht nur Erträge und Traubenqualität beeinflussen, sondern auch die formalen Regeln dafür, wann Kellereien wichtige Produktionsschritte einleiten dürfen. Für die Getränkeindustrie kann eine solche Verschiebung die Kellerplanung, die Personaleinsatzplanung und den Umgang mit Weinen beeinflussen, die in Premiumsortimenten eine wichtige Rolle spielen.

Die Genehmigung der Region verpflichtet nicht alle Erzeuger, am Montag, dem 2. November, mit der Vinifizierung zu beginnen. Sie erlaubt ihnen den Start, sofern die Trauben bereit sind. Kellereien, die eine längere Trocknungszeit wünschen, können weiter warten. Ab Montag, dem 2. November, dürfen die Kellereien in Valpolicella jedoch die getrockneten Trauben für die Amarone- und Recioto-Weine des Jahrgangs 2026 pressen, wenn sie zu dem Schluss kommen, dass das Appassimento den gewünschten Stand erreicht hat.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Teilen Sie ihn!

Cookies

Wir verwenden Cookies und andere Technologien, um die Website zu betreiben, ihre Nutzung zu analysieren und externe Inhalte anzubieten. Sie können optionale Cookies akzeptieren, ablehnen oder konfigurieren.

Cookie-Richtlinie