Große Weineinkäufer schließen sich zusammen, um regenerative Weinberge zu fördern

Die Londoner Initiative will Standards für regenerative Weine definieren und Erzeugern vor dem Inkrafttreten der Ziele 2027 klarere Nachfragesignale geben

Mittwoch, 21. Oktober 2026

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Große Weineinkäufer schließen sich zusammen, um regenerative Weinberge zu fördern

Große Weineinkäufer in Europa und den USA erklärten am Dienstag, dass sie sich einer neuen Branchengruppe zur Förderung des regenerativen Weinbaus anschließen. Damit sollen Erzeuger klarere Marktsignale erhalten, während sie eine Umstellung ihrer Anbaumethoden erwägen.

Die Initiative mit dem Namen Regenerative Accelerator Group wurde in London auf der Konferenz Sustainability in Drinks von der Regenerative Viticulture Foundation ins Leben gerufen, einer gemeinnützigen Organisation, die regenerative Landwirtschaft in Weinbergen fördert. Zu den Gründungsmitgliedern zählen Berry Bros. & Rudd, Erewhon, Haggen, Levy UK & Ireland, Systembolaget, The Wine Society, Total Wine & More und Waitrose.

Die Gruppe vereint Einzelhändler, Distributoren, Gastronomieunternehmen und andere große Einkäufer, die beeinflussen können, welche Weine ins Sortiment aufgenommen und beworben werden. Ihr erklärtes Ziel ist es, die Nachfrage nach Weinen aus regenerativ bewirtschafteten Weinbergen zu steigern und Erzeugern mehr Sicherheit zu geben, dass es Abnehmer für diese Weine geben wird, wenn sie die Umstellung vornehmen.

Die Stiftung erklärte, das Programm solle auch ein gemeinsames Verständnis davon schaffen, was „regenerativer Wein“ in der Praxis bedeutet. Das Thema gewinnt an Bedeutung, da Nachhaltigkeitsversprechen auf dem Weinmarkt zunehmen, ohne dass es einen einheitlichen Standard gibt. Ab November will die Stiftung gemeinsam mit Einkäufern, Erzeugern und externen Fachleuten festlegen, was als regenerativer Wein gelten soll, den Ausgangspunkt der einzelnen teilnehmenden Unternehmen ermitteln und eine einheitliche Methode zur Fortschrittsmessung entwickeln.

Die Arbeit soll voraussichtlich Kriterien, Schwellenwerte, Benchmarking und die Festlegung von Ausgangswerten umfassen. Anschließend werden die Einkäufer gemeinsam mit der Stiftung Ziele festlegen, die zu ihren jeweiligen Unternehmen passen, und ab 2027 mit der Umsetzung dieser Pläne beginnen, sobald gemeinsame Instrumente und Ressourcen entwickelt sind. Alle Unterzeichner haben sich verpflichtet, relevante Daten weiterzugeben und jährlich über ihre Fortschritte zu berichten.

Die Initiative unterstützt das übergeordnete Ziel der Stiftung, bis 2035 zehn Prozent der weltweiten Rebflächen regenerativ zu bewirtschaften. Die Stiftung beschreibt regenerativen Weinbau als eine Reihe von Methoden, die darauf abzielen, die Bodengesundheit zu verbessern, die Biodiversität zu stärken und die Widerstandsfähigkeit der Weinberge zu erhöhen. Die konkreten Standards für die neue Gruppe stehen jedoch noch nicht fest.

Steven Cronk, Mitgründer und Treuhänder der Regenerative Viticulture Foundation, sagte, Erzeuger müssten wissen, dass es einen Markt für ihre Weine geben werde, wenn sie ihre Bewirtschaftungsmethoden änderten. Zudem stünden Produzenten bereits unter erheblichem Berichts- und Kostendruck. Das neue Programm solle ihnen ermöglichen, ihre Arbeit zu vermitteln, ohne eine weitere Ebene der Komplexität hinzuzufügen. Seiner Ansicht nach können gemeinsam handelnde Einkäufer die Unsicherheit für Erzeuger im Umstellungsprozess verringern und dazu beitragen, die Risiken der Veränderung entlang der Lieferkette zu verteilen.

Die kommerzielle Botschaft der Initiative ist ebenso wichtig wie die ökologische. Die Stiftung ist nach eigenen Angaben überzeugt, dass das Interesse der Verbraucher daran wächst, wie Lebensmittel und Wein erzeugt werden, und dass früh handelnde Einkäufer dadurch einen Vorteil erzielen könnten. Wenn große Handelsketten und bedeutende Einzelhändler für alkoholische Getränke messbare Beschaffungsziele für regenerative Erzeugnisse festlegen, könnte dies künftig die Anforderungen an Lieferanten prägen und den Weinbergen ein stärkeres Nachfragesignal geben als vereinzelte Nachhaltigkeitsversprechen in der Vergangenheit.

Die Initiative reicht über eine eng gefasste Debatte zur Landwirtschaft hinaus, denn einige der beteiligten Unternehmen haben eine große Reichweite im Alkoholhandel und in der Gastronomie. Systembolaget kontrolliert in Schweden den Verkauf alkoholischer Getränke außerhalb der Gastronomie. Total Wine & More ist der größte Einzelhändler für alkoholische Getränke in den USA und betreibt mehr als 300 Filialen in mehr als 30 Bundesstaaten. Waitrose ist eine bedeutende britische Supermarktkette, während Berry Bros. & Rudd und The Wine Society etablierte Weinhändler sind. Levy UK & Ireland bringt die Gastronomie in die Gruppe ein; Erewhon und Haggen ergänzen die Präsenz im US-Lebensmittelhandel.

Mehrere Beteiligte signalisierten, dass das Projekt über allgemeine Erklärungen hinausgehen soll. Systembolaget erklärte, die Gruppe biete die Möglichkeit, die bereits laufenden Arbeiten zu Biodiversität, Bodengesundheit, verantwortungsvollem Umgang mit Wasser und Klimaschutz im Weinbau mit einem klarer definierten regenerativen Ansatz zu verbinden. The Wine Society sagte, regenerativer Weinbau könne dazu beitragen, die Zukunft des Weins zu sichern, allerdings nur, wenn Erzeuger eine tatsächliche Nachfrage erkennen. Erewhon erklärte, einen Teil seiner Regalfläche Weinen aus regenerativ bewirtschafteten Weinbergen vorbehalten und das Verkaufspersonal nutzen zu wollen, um Kundinnen und Kunden das Konzept zu erläutern.

Die Stiftung erklärte, die Gründungsmitglieder wirkten derzeit am Aufbau des Programms mit; später solle die Gruppe jedoch auch weiteren Einkäufern offenstehen. Diese Erweiterung könnte entscheidend sein, wenn die Initiative über ein Pilotprojekt mit frühen Teilnehmern hinaus zu einem breiter angelegten Marktrahmen werden soll, der groß genug ist, um Pflanzentscheidungen, Beschaffungsverträge und die Bedingungen für die Finanzierung einer Umstellung durch Erzeuger zu beeinflussen.

Die Gründung spiegelt auch einen umfassenderen Wandel in der Getränkeindustrie wider: Klimarisiken, Wasserknappheit und Bodenbewirtschaftung werden zunehmend zu konkreten Fragen der Versorgungssicherheit und sind nicht mehr nur Themen der unternehmerischen Gesellschaftsverantwortung. Gerade im Weinbau könnte die Fähigkeit großer Einkäufer, Bewirtschaftungsmethoden zu definieren, zu messen und zu honorieren, künftig stärker beeinflussen, wie Produzenten ihre Weine in Exportmärkten positionieren und welche Nachhaltigkeitsversprechen Einzelhändler im Regal als glaubwürdig einstufen.

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