Deutschland beschließt Tabaksteuererhöhung: Zigarettenpackung kostet nächstes Jahr 9,56 Euro
Die Bundesregierung treibt ein umfassenderes Steuerpaket voran. Abgaben auf Alkohol, zuckerhaltige Getränke und Kunststoff müssen noch vom Bundestag gebilligt werden.
Freitag, 16. Oktober 2026

Die Bundesregierung treibt eine neue Runde von Steuern auf Tabak, Alkohol, zuckerhaltige Getränke und Kunststoffverpackungen voran. Damit will sie die Einnahmen erhöhen und Verbraucher zu einer gesünderen Lebensweise bewegen. Allerdings haben noch nicht alle Maßnahmen das Parlament passiert.
Am weitesten fortgeschritten ist bislang die Tabaksteuer. Der Bundestag billigte in der Nacht eine schrittweise Erhöhung, durch die der durchschnittliche Preis für eine Schachtel mit 20 Zigaretten laut Gesetzentwurf nächstes Jahr von 8,77 auf 9,56 Euro steigen soll. Bis 2030 könnte der Durchschnittspreis 11,36 Euro erreichen. Die Tabaksteuer macht bereits etwa 45 bis 50 Prozent des Verkaufspreises einer Schachtel aus. Die Bundesregierung rechnet durch die Erhöhung mit zusätzlichen Einnahmen von 756 Millionen Euro im nächsten Jahr und 3,58 Milliarden Euro bis 2030. Bei unverändertem Rauchverhalten würden sich die jährlichen Gesamteinnahmen aus dem Tabak auf etwa 22 Milliarden Euro belaufen. Finanzpolitiker der Grünen halten diese Beträge für zu hoch und bezweifeln, dass die Mehreinnahmen die Krankenkassen tatsächlich entlasten würden. Sie weisen darauf hin, dass die Steuereinnahmen in den allgemeinen Haushalt fließen und nicht zweckgebunden sind.
Bei Alkohol plant die Bundesregierung eine Steuererhöhung um 20 Prozent, allerdings nur für ausgewählte Kategorien. Der Vorschlag betrifft Spirituosen, Schaumwein und Champagne, Likörweine sowie Alcopops. Bier wäre ausgenommen, da es einem eigenen Steuersystem unterliegt. Stillwein bliebe nach den deutschen Verbrauchsteuerregeln vorerst unversteuert. Wie BR24 berichtete, würde eine handelsübliche 0,75-Liter-Flasche Schaumwein im Rahmen des Plans etwa 24 Cent teurer.
Die Alkoholsteuererhöhung wurde vom Bundestag noch nicht verabschiedet. Die Bundesregierung erwartet dadurch 2027 Mehreinnahmen von 380 Millionen Euro. Bei einer Zustimmung würde die Erhöhung einige der wichtigsten Kategorien für den Getränkefachhandel in Deutschland betreffen. Das könnte Preise und Margen von Erzeugern, Importeuren und Händlern belasten, falls Unternehmen einen Teil der höheren Steuer selbst tragen. Auch die Nachfrage könnte darunter leiden, wenn Verbraucher in einem der größten Getränkemärkte Europas ihren Konsum einschränken.
Nach einer langen internen Debatte hat die Bundesregierung außerdem eine Maßnahme beschlossen, die Deutschlands erste Steuer auf zuckerhaltige Getränke wäre. Dem Plan zufolge soll ab dem 1. Juli 2027 eine Abgabe von 26 Cent je Liter auf gesüßte Getränke mit mindestens fünf Gramm Zucker je 100 Milliliter erhoben werden. Bei Getränken mit acht Gramm Zucker je 100 Milliliter würde der Satz auf 32 Cent je Liter steigen. Eine handelsübliche Dose Cola, die 99 Cent kostet, würde nach Angaben von BR24 etwa 1,10 Euro kosten, sofern die Hersteller den Zuckergehalt nicht senken. Eine höhere Steuerstufe für Getränke mit mindestens 10 Gramm Zucker wurde gestrichen. Kleinere Hersteller mit einer jährlichen Limonadenproduktion von bis zu einer Million Litern wären ausgenommen. Die Bundesregierung schätzt die Einnahmen aus der Steuer auf 690 Millionen Euro im Jahr 2027 und 1,2 Milliarden Euro im Jahr 2028. Die Maßnahme muss noch im Bundestag beraten werden.
Ein weiterer Vorschlag sieht eine Steuer auf Kunststoff in Verpackungen vor. Dem Gesetzentwurf zufolge müssten Unternehmen ab Juli 2027 für jede Tonne Kunststoff in Verpackungen 550 Euro zahlen. Kunststoffverpackungen, Kunststofffolien und Verbundverpackungen würden besteuert, wenn ihr Kunststoffanteil mehr als 5 Prozent beträgt. Verpackungen aus recyceltem Kunststoff könnten ausgenommen werden, wenn Unternehmen diese Behandlung beantragen. Die Bundesregierung rechnet 2027 mit Einnahmen von 805 Millionen Euro.
Wirtschaftsverbände haben sich gegen die Kunststoffsteuer ausgesprochen. Auch die konservative CDU/CSU-Fraktion im Bundestag erklärte, der Entwurf sei in seiner jetzigen Form nicht akzeptabel. Die Verabschiedung wurde verschoben. Für Getränkeunternehmen könnte der Vorschlag eine weitere Kostenbelastung bedeuten, da Getränke in hohem Maße auf Flaschen, Folien, Etiketten und Verbundverpackungen angewiesen sind – auch wenn die Steuer darauf abzielt, den Kunststoffverbrauch zu senken.
Nach Angaben der Bundesregierung soll das Maßnahmenpaket unter anderem zu einem gesünderen Verhalten beitragen und die langfristigen Gesundheitskosten senken. Zugleich zeigen die Einnahmeziele, dass Berlin nicht mit einem schnellen Wandel der Verbrauchergewohnheiten rechnet. Finanzminister Lars Klingbeil erklärte, die Haushaltslücke für das kommende Jahr sei geschlossen. Die Finanzplanung bis 2030 weise jedoch weiterhin eine Finanzierungslücke von 107 Milliarden Euro aus. Die Haushaltskonsolidierung müsse fortgesetzt werden, sagte er. Die neuen Steuern auf Tabak, Alkohol und Zucker seien Teil dieser Anstrengungen.
Die Maßnahmen schreiten unterschiedlich voran. Die Tabaksteuer wurde von den Abgeordneten bereits gebilligt. Die Steuern auf Alkohol und zuckerhaltige Getränke hat die Bundesregierung auf den Weg gebracht; sie müssen aber noch im Bundestag beraten und verabschiedet werden. Für Unternehmen und Verbraucher bleibt damit vieles ungewiss, auch wenn die politische Richtung klarer wird: höhere Steuern auf Produkte, die Berlin als gesundheitsschädlich oder umweltschädlich einstuft, und neue Einnahmequellen für einen angespannten Bundeshaushalt.