Weinbranche drängt auf weltweite Anerkennung des Reben-Erbes

Vertreter auf der Vinitaly sagten, Wein müsse als Kulturgut geschützt werden – nicht nur als landwirtschaftliches Erzeugnis.

16.04.2026

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Wine Leaders Press for Global Recognition of Vine Heritage

Auf der Vinitaly kamen am Mittwoch die Internationale Organisation für Rebe und Wein sowie Italiens Ministerium für Landwirtschaft, Ernährungssouveränität und Forsten mit Spitzenvertretern aus Politik und Branche zusammen, um dafür zu werben, Wein nicht nur als landwirtschaftliche Ware oder Exportprodukt zu verstehen, sondern auch als Kulturgut, das von mehr als 10.000 Jahren Menschheitsgeschichte geprägt ist.

Die Runde in Verona, abgehalten im Rahmen eines der wichtigsten jährlichen Branchentreffen der Weinwirtschaft, befasste sich damit, wie sich die Kultur von Rebe und Wein auf globaler Ebene anerkennen und schützen lässt – in einer Zeit veränderter Konsumgewohnheiten, demografischer Verschiebungen und wandelnder gesellschaftlicher Erwartungen an Alkohol. John Barker, Generaldirektor der OIV, eröffnete die Sitzung mit dem Hinweis, dass die Zukunft des Sektors auch davon abhänge, die mit Wein verbundene kulturelle Bedeutung zu bewahren und weiterzugeben – nicht nur seinen Marktwert.

Auch Italiens Landwirtschaftsminister Francesco Lollobrigida und Christophe Hansen, EU-Kommissar für Landwirtschaft und Ernährung, hielten einleitende Worte. Ihre Teilnahme unterstrich das politische Gewicht der Debatte, an der Regierungsvertreter, Branchenverbände und Befürworter eines maßvollen Konsums teilnahmen.

David Songulashvili, Georgiens Landwirtschaftsminister, und Dragan Glamočić, Serbiens Landwirtschaftsminister, sprachen über die tiefen historischen Wurzeln des Weins in ihren Ländern und seine Rolle bei der Prägung nationaler Identität und lokalen Erbes. Ihre Beiträge machten eine übergreifende Argumentation deutlich, die sich durch die gesamte Diskussion zog: Wein ist mit Landschaften, Traditionen, landwirtschaftlichen Praktiken und sozialen Ritualen verbunden, die weit über die Flasche hinausreichen.

Vonseiten der Branche sagte Marzia Varvaglione, Präsidentin des Comité Européen des Entreprises Vin, kultureller Wert sei auch ein kommerzieller Vorteil, weil er europäischen Weinen helfe, sich auf internationalen Märkten abzuheben. Ihre Worte verwiesen auf eine wachsende Überzeugung unter Erzeugern, dass Herkunft und Tradition die Wettbewerbsfähigkeit stützen können – in einer Zeit größerer Auswahl für Verbraucher und intensiven globalen Wettbewerbs.

Sandro Sartor, Präsident von Wine in Moderation, sprach darüber, wie der kulturelle Kontext das Verbraucherverhalten beeinflusst. Wer Wein als Teil einer breiteren sozialen Tradition verstehe, so Sartor, könne einen ausgewogeneren und verantwortungsvolleren Konsum fördern. Diese Botschaft stand im Einklang mit den breiteren gesundheitspolitischen Debatten in Europa und anderswo über Alkoholkonsum – zumal jüngere Verbraucher weniger trinken oder Wein anders betrachten als frühere Generationen.

Die Diskussion wandte sich auch der internationalen Anerkennung zu. Die Teilnehmer sagten, Institutionen wie UNESCO und die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation könnten neben der OIV eine größere Rolle dabei spielen, Bemühungen zum Schutz der Kultur von Rebe und Wein als gemeinsames Erbe zu unterstützen. Der Ansatz wurde als Möglichkeit dargestellt, nationale Rahmen zu überwinden und Traditionen stärker sichtbar zu machen, die sich über Jahrhunderte grenzüberschreitend entwickelt haben.

Die Veranstaltung fand vor dem Hintergrund statt, dass Erzeuger in ganz Europa mit dem Druck des Klimawandels, veränderten Trinkgewohnheiten und wirtschaftlicher Unsicherheit konfrontiert sind. Vor diesem Hintergrund argumentierten die Redner, dass der Schutz der kulturellen Identität des Weins dazu beitragen könne, sowohl ländliche Gemeinden als auch den Platz des Sektors im öffentlichen Leben zu sichern.

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