Kann die EU ihre Weinindustrie retten?

EU setzt Task Force zur Rettung der angeschlagenen Weinindustrie ein

17.07.2024

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Die Europäische Kommission hat kürzlich die Mitgliedstaaten aufgefordert, sich an einer hochrangigen Gruppe für Weinpolitik zu beteiligen, einem Forum, das sich mit den sich entwickelnden Herausforderungen und Chancen des Weinsektors befassen soll. Diese Initiative, die von EU-Agrarkommissar Janusz Wojciechowski geleitet wird, wird ihre erste Sitzung am 11. September 2024 abhalten und verschiedene Interessengruppen zusammenbringen, um ihre Einschätzungen und Perspektiven zu präsentieren.

Die auf der Tagung des Rates Landwirtschaft und Fischerei am 27. Mai 2024 angekündigte Einsetzung dieser hochrangigen Gruppe ist eine Reaktion auf die dringenden Bedürfnisse des europäischen Weinsektors. In den letzten zwei Jahrzehnten hat die EU-Weinindustrie eine bemerkenswerte Erfolgsgeschichte geschrieben, die auf einen umfassenden Rechtsrahmen zurückzuführen ist, der die EU zu einem weltweit führenden Marktteilnehmer gemacht hat. Der Wert der Ausfuhren hat sich verdreifacht und leistet einen erheblichen Beitrag zum BIP der EU. Die jüngsten Veränderungen durch die Covid-19-Pandemie, veränderte Verbraucherpräferenzen und ein weniger stabiles internationales Handelsumfeld haben jedoch erhebliche neue Herausforderungen mit sich gebracht. Außerdem führt der Klimawandel zunehmend zu unvorhersehbaren Produktionsbedingungen und Ernteergebnissen.

Um diese Herausforderungen zu bewältigen, muss sich der Weinsektor anpassen, und der politische Rahmen muss diesen Übergang unterstützen. Die hochrangige Gruppe soll eine Plattform bieten, um diese Fragen zu erörtern und mögliche Lösungen zu untersuchen. Die Gruppe soll mindestens dreimal zusammentreten und bis Anfang 2025 Schlussfolgerungen und Empfehlungen für die künftige Politikentwicklung vorlegen.

Der Weinsektor der EU ist nicht nur für das kulturelle Erbe Europas, sondern auch für die Wirtschaft, die Gesellschaft und die ländlichen Gebiete von entscheidender Bedeutung. Die Weinwertschöpfungskette verbessert die Qualität, Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit des Agrarsektors und schafft rund drei Millionen direkte und indirekte Vollzeitarbeitsplätze, vor allem in ländlichen Regionen. Sie trägt mit rund 130 Milliarden Euro zum BIP der EU bei, einschließlich des in der gesamten Lieferkette erzeugten Werts. Dieser Sektor unterliegt einem umfassenden Rechtsrahmen und wird durch nationale Förderprogramme in den Erzeugerländern unterstützt.

Die EU ist weltweit führend bei der Weinerzeugung (60 %), beim Verbrauch (48 %) und beim Exportwert (60 %). Dennoch wirken sich soziale und demografische Veränderungen auf die Menge, die Qualität und die Art des Weinkonsums aus, wobei der derzeitige Verbrauch den niedrigsten Stand seit drei Jahrzehnten erreicht hat. Traditionelle Rotweine werden durch frischere, leichtere Varianten, alkoholfreie Weine und andere Getränke ersetzt, die neue Geschmacksrichtungen bedienen. Auch die Exportmärkte verschieben sich aufgrund geopolitischer Faktoren und des rückläufigen Verbrauchs, was zu unregelmäßigeren Einfuhrströmen führt. Außerdem wird die Produktion aufgrund der Anfälligkeit des Sektors für den Klimawandel immer unberechenbarer.

Die Europäische Kommission arbeitet in Zusammenarbeit mit den Mitgliedstaaten aktiv daran, den Sektor bei der Anpassung an diese neuen und komplexen Gegebenheiten zu unterstützen. Diese Initiative hat nach Protesten in Ländern wie Spanien, Frankreich, Portugal, Italien und Belgien an Dynamik gewonnen.

Kommissar Wojciechowski betonte auf dem AGRIFISH-Rat, dass das Ziel der hochrangigen Gruppe darin besteht, die Herausforderungen, denen sich der europäische Weinsektor gegenübersieht, anzugehen, Lösungen zu finden und bis Anfang 2025 politische Empfehlungen vorzulegen. Die Kommission hat Vertreter aus den Mitgliedstaaten zum ersten Treffen am 11. September eingeladen, an dem auch interessierte Organisationen teilnehmen werden, um ihre Erkenntnisse und Perspektiven einzubringen. Die Gruppe plant, bis Ende des Jahres oder Anfang 2025 mindestens drei Mal zusammenzukommen.

Beamte der Generaldirektion Landwirtschaft und ländliche Entwicklung (GD AGRI) bezeichnen die Entwicklung des EU-Weinsektors in den letzten zwei Jahrzehnten als eine "Erfolgsgeschichte". Dieser Erfolg wird durch ein umfassendes Regulierungssystem und Unterstützungsprogramme in den wichtigsten Erzeugerländern untermauert, wobei sich der Wert der Ausfuhren im selben Zeitraum verdreifacht hat.

Da der Sektor einer ungewissen Zukunft entgegensieht, stellt die Einrichtung der Hochrangigen Gruppe für Weinpolitik einen proaktiven Ansatz der Europäischen Kommission dar, um sicherzustellen, dass die EU an der Spitze des globalen Weinmarktes bleibt, ihren Wettbewerbsvorteil beibehält und sich gleichzeitig an neue Realitäten anpasst. Die Ergebnisse der Diskussionen dieser Gruppe und die anschließenden politischen Empfehlungen werden für die Gestaltung der Zukunft der EU-Weinindustrie entscheidend sein.

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