07.05.2024

Während wir beim Abendessen den Inhalt unserer Gläser schwenken, ist den wenigsten von uns bewusst, wie kostbar jeder Tropfen Wein werden kann. Einem neuen Bericht der Internationalen Organisation für Rebe und Wein (OIV) zufolge markiert das Jahr 2023 einen beunruhigenden Meilenstein: Die weltweite Weinproduktion ist auf den niedrigsten Stand seit den frühen 1960er Jahren gesunken. Der Klimawandel wirft einen langen Schatten auf die Weinberge, und Europas berühmte Weinregionen bekommen die Hitze im wahrsten Sinne des Wortes zu spüren.
Die Ergebnisse der OIV führen den starken Rückgang der Weinproduktion auf einen Cocktail von Umweltextremen zurück, wobei Dürre und Waldbrände an erster Stelle stehen. Auch wenn der Klimawandel nicht die alleinige Schuld trägt, ist er vor dem Hintergrund unserer empfindlichen Weinberge unbestreitbar ein gewaltiger Feind. Für diejenigen unter uns, die einen guten Jahrgang schätzen, ist die Realität ernüchternd: Die Reben, auf die wir für unsere Merlots und Chardonnays angewiesen sind, stehen an einigen der klimatisch empfindlichsten Orte der Welt.
In Europa haben die Auswirkungen dieser rauen Bedingungen allein im letzten Jahr zu einem erschreckenden Rückgang der Weinproduktion um 10 % geführt. Dieser Rückgang ist nicht nur eine statistische Größe, sondern der zweitniedrigste seit der Jahrhundertwende. Die verschiedenen Regionen haben mit unterschiedlichen Dämonen zu kämpfen: Während einige nördliche Gebiete nach einem feuchten Frühjahr mit Überschwemmungen und Mehltau zu kämpfen hatten, herrschte in den südlichen Gebieten eine unerbittliche Dürre.
Italien, ein Titan der Weinwelt, musste hilflos zusehen, wie seine Produktion um 23 % einbrach. Die mittleren und südlichen Regionen, die normalerweise üppig und ertragreich sind, wurden von Überschwemmungen und Hagel heimgesucht, was zu den geringsten Erträgen seit 1950 führte. Auch Deutschland, Ungarn und Österreich blieben nicht verschont und mussten aufgrund der ungünstigen Witterungsbedingungen erhebliche Einbußen bei der Weinproduktion hinnehmen.
Ein besonders düsteres Bild bietet die Situation in Spanien. Mit einem Produktionsrückgang von über 20 % gegenüber dem Vorjahr und einem Rückgang von 25,7 % gegenüber dem Fünfjahresdurchschnitt liegen die spanischen Weinberge darnieder. Die unerbittliche Dürre hat weite Teile des Landes ausgedörrt und in Orten wie Katalonien zu Notstandserklärungen geführt.
Der Produktionseinbruch fällt mit einem weltweiten Rückgang des Weinkonsums zusammen, dem niedrigsten seit 1996. Dabei geht es nicht nur um veränderte Geschmäcker, sondern auch um wirtschaftliche Faktoren wie Inflation und eine Verlangsamung auf wichtigen Märkten wie China. Aber es gibt noch einen größeren, dringlicheren Grund: die Notwendigkeit, unverzüglich etwas gegen den Klimawandel zu unternehmen.
Experten warnen, dass die häufigen Dürreperioden im Mittelmeerraum bis Mitte des Jahrhunderts zur Regel werden könnten, wenn wir die zugrunde liegenden Umweltprobleme nicht angehen. Eine solche Zukunft würde nicht nur die Landschaft der Weinproduktion verändern, sondern auch das kulturelle und wirtschaftliche Gefüge von Regionen mit einem reichen Weinbauerbe in Frage stellen.
Was bedeutet dies für uns, die wir den Wein lieben und feiern? Es ist ein Aufruf, nachhaltige Weinproduktionsverfahren zu unterstützen und bewusst zu konsumieren. Für politische Entscheidungsträger und Branchenführer ist es ein klarer Aufruf zu Investitionen in nachhaltige Praktiken und Technologien, die die Weinberge vor den Unwägbarkeiten des Klimawandels schützen können.
Wenn wir über die Zukunft des Weins nachdenken, sollten wir nicht vergessen, welche Rolle wir alle bei ihrer Gestaltung spielen. Ob wir uns für nachhaltig erzeugte Weine entscheiden, politische Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels unterstützen oder einfach nur das Bewusstsein dafür schärfen - jede Maßnahme kann dazu beitragen, dass die Weinberge nicht nur überleben, sondern auch gedeihen. In der Welt des Weins, wie auch im Leben, ist Resilienz vielleicht unser wertvollstes Gut.
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