Robert Beir

In der Welt der Önologie ist das Thema der reduktiven Aromen im Wein, insbesondere derjenigen, die von flüchtigen Schwefelverbindungen (VSC) herrühren, Gegenstand erheblicher Debatten und sich wandelnder Wahrnehmungen gewesen. Das Verständnis von reduktiven Aromen im Wein hat sich stark gewandelt: Von der Betrachtung als Fehler, die es auszumerzen gilt, bis hin zur Wertschätzung von Eigenschaften, die Komplexität und Tiefe verleihen. Diese Untersuchung befasst sich mit den chemischen Grundlagen der reduktiven Aromen, ihren Auswirkungen auf das sensorische Profil des Weins und dem Paradigmenwechsel in der Weinbereitung.
Chemische Natur der Reduktion im Wein Reduktion ist chemisch gesehen das Gegenteil von Oxidation. Bei der Weinherstellung bezieht sich dieser Begriff umgangssprachlich auf das Vorhandensein verschiedener VSC, die typischerweise in Abwesenheit von Sauerstoff gebildet werden. Zu diesen Verbindungen gehören Schwefelwasserstoff (H2S), Mercaptane wie Methanthiol und Ethanthiol sowie Dimethyldisulfid, die jeweils unterschiedliche Aromen von faulen Eiern bis hin zu Trüffeln und schwarzen Johannisbeeren hervorbringen. Diese Verbindungen, die oft als Fehler angesehen werden, können den aromatischen Ausdruck eines Weins erheblich beeinflussen, indem sie fruchtige und blumige Noten überdecken, und werden manchmal mit Rauchgeschmack verwechselt.
Hefe spielt eine zentrale Rolle bei der Entstehung von VSC. Während der Gärung verstoffwechselt die Hefe stickstoffhaltige Verbindungen, insbesondere wenn der Traubenmost einen niedrigen Gehalt an hefeassimilierbarem Stickstoff (YAN) aufweist. Die Ursachen für einen niedrigen YAN-Gehalt sind vielfältig und reichen von nährstoffarmen Böden bis zu Stress im Weinberg. Um dem entgegenzuwirken, erhöhen die Winzer den YAN-Gehalt häufig mit Substanzen wie Diammoniumphosphat (DAP). Dieser Ansatz ist jedoch nicht unproblematisch, da verschiedene Hefestämme unterschiedliche Nährstoffbedürfnisse haben und nicht alle Hefen DAP effektiv verwerten können, was zu potenziellen reduktiven Fehlern führt.
Auch die Weinbau- und Weinbereitungspraktiken tragen zur Bildung reduktiver Aromen bei. Im Weinberg kann die Verwendung von elementarem Schwefel, insbesondere im ökologischen Weinbau, zu Schwefelrückständen auf den Traubenschalen führen, die sich während der Gärung in H2S umwandeln können. Die Gärungstemperatur ist ein weiterer kritischer Faktor. Einige Winzer gären absichtlich bei höheren Temperaturen, um die Hefe zu belasten und so die Bildung von reduktiven Aromen zu fördern, die sie für wünschenswert halten.
Ein interessanter Aspekt der reduktiven Aromen ist ihre Beziehung zur reduktiven Stärke eines Weins und damit zu seinem Alterungspotenzial. Die Reduktionskraft eines Weins, d. h. seine Fähigkeit, Sauerstoff zu absorbieren, ohne zu oxidieren, wird von Faktoren wie dem Phenolgehalt und der Hefelagerung beeinflusst. Dieser Aspekt ist besonders wichtig im Zusammenhang mit der Langlebigkeit von Wein. Ein niedriges Redoxpotenzial in einem Wein bedeutet eine höhere Fähigkeit, Verbindungen zu reduzieren, wodurch ein Puffer gegen die Oxidation geschaffen und die Lebensdauer des Weins möglicherweise verlängert wird.
Die Winzer wenden verschiedene Techniken an, um VSCs zu kontrollieren, darunter die Belüftung und die Verwendung von Kupfer. Diese Methoden haben jedoch ihre Grenzen und können das Problem manchmal noch verschärfen. Heute geht man dazu über, diese Verbindungen kurzfristig zu tolerieren und ihre potenzielle Rolle bei der Verbesserung der Langlebigkeit eines Weins anzuerkennen.
Bei der Herstellung von Rotweinen kann die frühe Einwirkung von Sauerstoff auf junge Weine deren Reduktionskraft erhöhen. Dieser Prozess mag zwar kontraintuitiv erscheinen, ermöglicht es dem Wein jedoch, widerstandsfähiger gegen spätere Sauerstoffeinwirkung zu werden. Bei Weißweinen wird die reduktive Kraft oft durch die Reifung auf dem Hefesatz verstärkt, insbesondere dann, wenn der Hefesatz ohne Umrühren beibehalten wird.
Das Verständnis von reduktiven Aromen im Wein entwickelt sich von einer reinen Fehlerbetrachtung hin zu einer Anerkennung ihrer Rolle für die Entwicklung und das Alterungspotenzial eines Weins. Dieser Wandel in der Wahrnehmung stellt die traditionelle binäre Sichtweise, diese Aromen zu mögen oder nicht zu mögen, in Frage und lädt zu einer nuancierteren Würdigung ihrer Bedeutung für den Gesamtcharakter und die Langlebigkeit eines Weins ein.
Die Wissenschaft hinter den reduktiven Aromen im Wein offenbart ein komplexes Zusammenspiel von chemischen Reaktionen, Hefestoffwechsel und Weinbereitungsverfahren. Während diese Aromen früher als unerwünscht galten, werden sie heute zunehmend für ihren Beitrag zur Komplexität und zum Alterungspotenzial eines Weins anerkannt. Dieses sich entwickelnde Verständnis unterstreicht die dynamische Natur der Weinherstellung und die fortlaufende Erforschung der unzähligen Faktoren, die zum Charakter und zur Qualität des Weins beitragen.
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