Zorzettig eröffnet neue Kellerei in Friaul und bündelt Produktion an einem Standort

Der Familienbetrieb will mit der Cantina Viva auch den Weintourismus und kulturelle Veranstaltungen stärken und die Modernisierung des Unternehmens vorantreiben.

Montag, 12. Oktober 2026

Teilen!

Zorzettig, ein Weingut in den Colli Orientali del Friuli im Nordosten Italiens, hat am Montag in Spessa di Cividale in der Provinz Udine eine neue Kellerei eröffnet. Das Familienunternehmen will damit die Produktion an einem Standort bündeln und sein Angebot für Gäste ausbauen.

Die neue Anlage mit dem Namen Cantina Viva stellte Annalisa Zorzettig als jüngsten Schritt in einer Unternehmensgeschichte vor, deren erste Etiketten auf das Jahr 1874 zurückgehen. Nach Angaben des Unternehmens soll das Projekt nicht nur dem wachsenden Produktionsbedarf gerecht werden, sondern auch Weinbereitung, Besucherservice und kulturelle Aktivitäten an einem Ort zusammenführen.

Die Eröffnung fand im Herzen der Colli Orientali del Friuli statt, einem Weinbaugebiet nahe Cividale del Friuli. Anwesend waren Vertreter der Kommunal- und Regionalpolitik, darunter Cividales Bürgermeister Attilio Vuga, Monsignore Livio Carlino, Erzpriester von Cividale, und Stefano Zannier, Regionalrat von Friaul-Julisch Venetien für Agrar- und Ernährungswirtschaft, Forstwirtschaft, Fischerei und Bergressourcen.

Zum Programm gehörte außerdem eine öffentliche Präsentation, moderiert von Luciano Ferraro, stellvertretender Chefredakteur des Corriere della Sera. Grußworte sprach auch Tommaso Cerno, Chefredakteur von il Giornale. Beiträge von Landwirtschaftsminister Francesco Lollobrigida und Matteo Zoppas, Präsident der italienischen Außenhandelsagentur, befassten sich mit der Rolle des Weinsektors und den Aussichten für italienische Exporte.

Mit der Cantina Viva ersetzt das Unternehmen nach eigenen Angaben eine stärker auf verschiedene Standorte verteilte Produktionsstruktur und führt die Abläufe an einem Ort zusammen. Ein Teil eines bestehenden Gebäudes wurde in einen Neubau integriert, während der historische Fasskeller erhalten blieb und weiterhin für ältere Jahrgänge genutzt wird. Zorzettig zufolge soll die Neuorganisation interne Abläufe vereinfachen und die Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten verbessern.

In einer zur Eröffnung veröffentlichten Erklärung sagte Annalisa Zorzettig, die Familie habe mehr als einen technischen Produktionsraum schaffen wollen: Ziel sei vielmehr ein Ort, der die Arbeitsweise des Unternehmens widerspiegele und Besucher empfange. Sie stellte die Investition in den Zusammenhang mit dem umfassenderen Vorhaben, den Betrieb zu modernisieren und zugleich die enge Verbindung zur Landschaft vor Ort und zur Familiengeschichte in Friaul zu bewahren.

Der Standort ist sowohl als Kellerei als auch als Ziel für den Weintourismus geplant. Besucher können zwischen dem älteren, in einem Gebäude aus dem 18. Jahrhundert untergebrachten Keller und den neueren Produktions- und Empfangsbereichen wechseln. Das Konzept soll nach Angaben des Unternehmens die Arbeit hinter jeder Flasche zeigen – von der Bewirtschaftung der Weinberge über Entscheidungen im Keller bis hin zu den Menschen, die an den einzelnen Arbeitsschritten beteiligt sind.

Architektonisch folgt das Gebäude dem Hangverlauf, statt sich von der Umgebung abzuheben. Die Konstruktion aus Eisen, Glas, Holz und lokalem Sandstein soll nach Angaben des Unternehmens eine zeitgemäße Gestaltung mit den ländlichen Bautraditionen Friauls verbinden.

Nachhaltigkeit war ein zentrales Thema der Präsentation. Zorzettig zufolge umfasst die Kellerei Systeme, die die Energieeffizienz steigern, den Verbrauch senken und Wasser zurückgewinnen sollen. Das Unternehmen stellte das neue Projekt auch in den Zusammenhang mit seinen langfristigen Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität. Dazu gehört, neben den Weinbergen traditionelle regionale Obstbaumsorten wie Apfel, Birne, Kirsche und Pflaume zu pflanzen. Diese Praxis soll nach Unternehmensangaben einen Teil der landwirtschaftlichen Vielfalt wiederherstellen, die die Landschaft der Colli Orientali historisch geprägt hat.

Mehrere Innenräume wurden als Ausdruck dieser Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart vorgestellt. Einer davon, die Library, soll historische Flaschen und ältere Jahrgänge als Archiv der Unternehmensentwicklung beherbergen. Ein weiterer Raum, das Focolare, knüpft an den traditionellen Herd an, der einst in den friulanischen Bauernhäusern als Treffpunkt diente. Zorzettig zufolge soll der Raum Gäste empfangen; eine Personalküche wurde so gestaltet, dass die Beschäftigten weiterhin gemeinsam zu Mittag essen können.

Die Eröffnung fällt zudem in eine Phase des umfassenderen Wandels der Produkt- und Markenstrategie des Weinguts. Zorzettig zufolge arbeitet das Unternehmen seit diesem Jahr mit dem Önologen Luca D’Attoma zusammen. Damit soll einzelnen Weinbergslagen stärkeres Gewicht verliehen werden, sodass die Weine ihre Herkunft deutlicher zum Ausdruck bringen. Die Zusammenarbeit soll nach Angaben des Unternehmens an den bisherigen Fokus auf das Gleichgewicht im Weinberg und einen zurückhaltenden Ausbau im Keller anknüpfen.

Zugleich überarbeitet Zorzettig gemeinsam mit Studio Idee Materia, einer Kreativagentur aus Teglio Veneto unter der Leitung von Antonio Dore, den visuellen Auftritt. Die Neugestaltung begann mit der Linie Tenaci und wurde später auf Myò ausgeweitet. Daraus entwickelte sich eine umfassendere Neupositionierung der Marke, die Etiketten, Verkaufsmaterialien und digitale Kommunikation einschließt. Die neue Identität sei aus Gesprächen mit der Familie und den Beschäftigten über Werte wie Bescheidenheit, Beharrlichkeit und kontinuierliche Verbesserung hervorgegangen, teilte das Unternehmen mit.

Diese Werte spiegeln sich auch darin wider, wie Zorzettig seine beiden wichtigsten Weinlinien präsentiert. Tenaci soll für die langfristige Arbeit bei der Bewirtschaftung des Landes stehen. Myò, benannt nach dem friulanischen Wort für „mein“, wird vom Unternehmen als Auswahl beschrieben, die die Identität des Weinguts durch Trauben aus ausgewählten Weinbergen besonders direkt zum Ausdruck bringt.

Mit der Eröffnung der Cantina Viva investiert Zorzettig zugleich in Produktionskapazitäten, Tourismus und Markenauftritt. Weingüter in ganz Italien stehen unter Druck, engere direkte Beziehungen zu Besuchern und Verbrauchern aufzubauen und gleichzeitig auf Exportmärkten sichtbar zu bleiben. Zorzettig setzt dafür auf einen Standort, der den historischen Keller bewahrt, neue Produktionsinfrastruktur ergänzt und Räume schafft, die das Weingut selbst zu einem Teil des angebotenen Produkts machen sollen.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Teilen Sie ihn!