Indische Steuerbehörden besuchen Radico Khaitan im Zuge ausgeweiteter Prüfung von Scotch-Importen
Radico Khaitan zufolge beeinträchtigten die Prüfungen der Directorate of Revenue Intelligence den Betrieb nicht; dem Unternehmen werde kein Fehlverhalten vorgeworfen
Mittwoch, 28. Oktober 2026

Indische Steuerbeamte haben am Dienstag Büros und eine Produktionsstätte des Spirituosenherstellers Radico Khaitan besucht. Die Behörden weiten derzeit ihre Prüfung von Scotch-Importen in Großgebinden im Rahmen des Handelsabkommens zwischen Indien und dem Vereinigten Königreich aus.
Radico Khaitan erklärte, die Besuche seien von der Directorate of Revenue Intelligence (DRI) durchgeführt worden, und bezeichnete sie als Teil einer branchenweiten Prüfung. Die Beamten hätten zwei größere Büros und eine Produktionsstätte besucht, darunter ein Büro in Neu-Delhi sowie ein Büro und einen Betrieb im nordindischen Bundesstaat Uttar Pradesh.
Das Unternehmen erklärte, die Maßnahme habe keine Auswirkungen auf seine Finanz- oder Geschäftstätigkeit.
Die Besuche erfolgen, während indische Behörden prüfen, ob einige importierte Scotch-Produkte so klassifiziert wurden, dass Unternehmen niedrigere Zölle zahlen konnten. Reuters berichtete vergangene Woche, Steuerbeamte untersuchten, ob Pernod Ricard und Diageo einige Scotch-Importe in Großgebinden falsch klassifiziert hatten.
Dem Bericht zufolge befürchtet die Steuerbehörde, dass Unternehmen einige Scotch-Konzentrate in Großgebinden als Produkte deklariert haben könnten, für die im Rahmen des Handelsabkommens zwischen Indien und dem Vereinigten Königreich niedrigere Zölle gelten. Das Abkommen trat am 15. Juli in Kraft und senkte die Einfuhrzölle auf einige Scotch-Lieferungen von 150 % auf 75 %.
Radico Khaitan erklärte nicht, dass dem Unternehmen Fehlverhalten vorgeworfen werde. In seiner Mitteilung stellte es die Maßnahme der DRI als umfassendere Branchenprüfung und nicht als gegen das Unternehmen gerichteten Einzelfall dar. Den am Dienstag veröffentlichten Informationen zufolge gab es keine Anzeichen dafür, dass die Besuche die Produktion oder den Vertrieb unterbrochen hätten.
Die Prüfung wird in der indischen Getränkeindustrie aufmerksam verfolgt, da die Zolländerungen die Kosten für importierten Scotch und die Preisgestaltung von Unternehmen beeinflussen, die im Land Spirituosen abfüllen, verschneiden, vertreiben oder verkaufen. Sollten die Behörden zu dem Schluss kommen, dass einige Produkte der falschen Zolltarifposition zugeordnet wurden, könnten Importeure und Spirituosenhersteller mit höheren Kosten, Steuernachforderungen oder Änderungen ihrer Beschaffungspläne konfrontiert werden. Dies könnte auch den Wettbewerb zwischen importierten Spirituosen und im Inland hergestellten Marken beeinflussen.
Indien zählt zu den wichtigsten Whiskymärkten der Welt, und internationale Getränkekonzerne betrachten niedrigere Zölle seit Langem als große Chance. Zugleich erhöhen die Zollsenkungen im Rahmen des Handelsabkommens den Druck auf Zoll- und Steuerbehörden, zu klären, welche Produkte Anspruch auf die ermäßigten Sätze haben.
Der Reuters-Bericht von vergangener Woche besagte, dass sich die Prüfung auf Scotch-Konzentrate in Großgebinden konzentriere. Spirituosenunternehmen können solche Produkte an verschiedenen Stellen der Lieferkette einsetzen, weshalb ihre zolltarifliche Einstufung besonders wichtig ist. Ein Produkt, für das ein niedrigerer Zollsatz gilt, kann Einstandskosten und Margen erheblich verändern – in einem Markt, in dem die Steuern auch nach der jüngsten Senkung hoch bleiben.
Radico Khaitan zählt zu den großen Spirituosenherstellern Indiens. Das Portfolio umfasst Whisky, Wodka, Rum und weitere alkoholische Getränke. Jede behördliche Prüfung eines Unternehmens dieser Größe dürfte die Aufmerksamkeit von Investoren, Lieferanten und Wettbewerbern auf sich ziehen, auch wenn das Unternehmen erklärt, dass sein Betrieb nicht beeinträchtigt sei.
Die Mitteilung des Unternehmens vom Dienstag fiel knapp aus und enthielt keine Angaben dazu, welche Unterlagen oder Materialien die Beamten geprüft hatten, wie lange die Besuche dauerten oder ob Bescheide erlassen wurden. Die DRI hat den von Radico Khaitan beschriebenen Umfang der Maßnahme bislang nicht öffentlich erläutert.
Die Entwicklungen verstärken die Unsicherheit für Unternehmen, die sich auf das neue Handelsregime mit Großbritannien einstellen müssen. Die Zollsenkung sollte die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Scotch-Importe nach Indien verändern, insbesondere für Unternehmen, die Großlieferungen als Teil ihres Produktions- oder Vertriebsmodells nutzen. Eine strengere Auslegung der Anspruchsregeln könnte einen Teil dieser Vorteile begrenzen.
Bislang beschränken sich die bekannten Fakten auf die Mitteilung des Unternehmens und die zuvor von Reuters gemeldete umfassendere Steuerprüfung. Radico Khaitan erklärte, die Besuche der Behörden seien Teil dieser weiter gefassten Prüfung gewesen und der Geschäftsbetrieb laufe normal weiter.