Britische Weinpreise lagen im September 0,6 % unter dem Vorjahresniveau
Der Rückgang schwächte sich gegenüber August mit -1,3 % ab. Damit lag Wein 4,1 Prozentpunkte unter der britischen Gesamtinflationsrate von 3,5 %
Mittwoch, 21. Oktober 2026

Die Weinpreise im Vereinigten Königreich blieben im September deflationär, obwohl die allgemeine Verbraucherpreisinflation anzog. Das geht aus offiziellen Daten hervor, die das Office for National Statistics am Mittwoch veröffentlichte.
Die jährliche Veränderungsrate des Verbraucherpreisindex für Wein lag im September 2026 bei -0,6 %. Wein war damit etwas günstiger als ein Jahr zuvor. Der Rückgang fiel geringer aus als im August, als die Jahresrate bei -1,3 % gelegen hatte. Gegenüber dem Vormonat entspricht dies einer Verbesserung um 0,7 Prozentpunkte. Dennoch blieb die Rate im negativen Bereich, während die allgemeinen Lebenshaltungskosten stiegen.
Die jährliche Gesamtinflationsrate auf Basis des britischen Verbraucherpreisindex stieg dagegen im September auf 3,5 %, nach 3,1 % im August, wie das ONS mitteilte. Damit lag der Wert für Wein 4,1 Prozentpunkte unter der Gesamtinflationsrate. Das verdeutlicht die klare Diskrepanz zwischen der Preisentwicklung bei Wein und dem allgemeinen Trend in der Wirtschaft.
Die Zahlen zeigen eine ungewöhnliche Spaltung bei den Verbraucherpreisen. Während viele Haushalte in Großbritannien insgesamt weiterhin mit stärkeren Preissteigerungen bei Waren und Dienstleistungen konfrontiert waren, gehörte Wein zu den Bereichen, in denen die Preise auf Jahresbasis noch sanken. Das ONS veröffentlichte den Weinindex und die allgemeinen CPI-Zahlen am 21. Oktober.
Auch im Quartalsvergleich zeigte sich eine Abschwächung der Deflation bei Wein. Die durchschnittliche Jahresrate der Weinpreise lag im dritten Quartal bei -0,3 %, verglichen mit -0,8 % im zweiten Quartal. Das deutet darauf hin, dass sich der Rückgang der Weinpreise verlangsamt, auch wenn die Preise noch nicht wieder auf Jahresbasis gestiegen sind.
Der Weinindex basiert auf der CPI-Reihe mit dem Basisjahr 2015 = 100. Er ist ein offizieller Verbraucherpreisindikator und misst nicht direkt die Entwicklung der Absatzmengen, Umsätze oder Gewinnmargen im Weinhandel. Die Daten zeigen die Entwicklung der Verbraucherpreise im Zeitverlauf, erklären aber nicht allein, warum sich die Preise so verändert haben.
Das ist relevant, weil verschiedene Faktoren die Einzelhandelspreise für Wein in unterschiedliche Richtungen beeinflussen können. Rabatte und Sonderangebote können die Jahresrate drücken, ebenso der Wettbewerbsdruck unter den Händlern. Auch ein Überangebot in Teilen des Marktes oder Veränderungen bei der Produktauswahl der Verbraucher können dazu beitragen. Der offizielle Index weist diese Effekte jedoch nicht getrennt aus und isoliert auch nicht den Einfluss von Steuern, Flaschenformaten, Herkunftsländern oder verschiedenen Weinkategorien.
Für Einzelhändler, Importeure und Erzeuger deutet der aktuelle Wert auf einen Markt hin, in dem die Preise weiterhin unter Druck stehen, während die Inflation in anderen Bereichen hoch bleibt. Der geringere Rückgang auf Jahresbasis als im August könnte darauf hindeuten, dass sich der stärkste Preisdruck abgeschwächt hat. Der weiterhin negative Wert lässt jedoch darauf schließen, dass die durchschnittlichen Regalpreise für Wein im September unter dem Vorjahresniveau lagen.
Für Verbraucher bedeuten die Daten, dass Wein nicht dem gleichen Aufwärtstrend folgte wie der breitere Waren- und Dienstleistungskorb, der im CPI erfasst wird. Die Differenz ist bemerkenswert, da die Preise für Alkohol häufig von einer Kombination aus Kostendruckfaktoren beeinflusst werden, darunter Ausgaben für Lieferketten, Wechselkurse, Steuern und Rabattstrategien. Aus der ONS-Reihe allein lässt sich jedoch nicht ablesen, welcher dieser Faktoren im September den größten Einfluss hatte.
Vor dem Hintergrund der allgemeinen Inflation tritt der Gegensatz noch deutlicher hervor. Ein jährlicher Anstieg des Gesamt-CPI um 3,5 % bedeutet, dass die Preise in der britischen Wirtschaft insgesamt deutlich schneller stiegen als das 2-%-Ziel der Bank of England. Vor diesem Hintergrund fällt die Jahresrate von -0,6 % bei Wein als gegenläufige Entwicklung auf.
Die Verbesserung von -1,3 % auf -0,6 % im Monatsvergleich deutet darauf hin, dass die Deflation bei Wein weniger stark ausfällt. Dass der Wert im September dennoch im negativen Bereich blieb und im dritten Quartal durchschnittlich -0,3 % betrug, zeigt, dass der rückläufige Jahrestrend nicht beendet ist. Der Quartalsvergleich mit dem zweiten Quartal, in dem die durchschnittliche Rate bei -0,8 % lag, spricht ebenfalls für eine allmähliche Abschwächung und nicht für eine plötzliche Trendwende.
Das ONS, die britische Behörde, die für die wichtigsten Wirtschafts-, Bevölkerungs- und Sozialstatistiken des Landes zuständig ist, veröffentlicht den spezifischen Weinindex zusammen mit den allgemeinen Verbraucherpreisdaten. Die Veröffentlichung bietet politischen Entscheidungsträgern, Unternehmen und Verbrauchern einen Überblick darüber, wie sich eine einzelne Einzelhandelskategorie in einem weiterhin von positiver Inflation geprägten Umfeld entwickelt, die im September zudem stärker ausfiel als im Vormonat.