Französischer Weintourismus rückt in den Mittelpunkt

Wie Frankreich die Zukunft des Weintourismus gestaltet

30.10.2024

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Frankreich hat sich als weltweiter Maßstab für die Weinproduktion und den Weintourismus etabliert und verfügt über ein reiches kulturelles Erbe, das Wein, Geschichte und Geografie miteinander verbindet. Als zweitgrößter Weinproduzent der Welt (gemessen am Volumen) und größter Weinexporteur (gemessen am Wert) produziert Frankreich einige der renommiertesten Weine der Welt. Das Land verfügt über 21 verschiedene Weinbauregionen und fast 292 Appellationen, was es zu einem der vielfältigsten und produktivsten Weinproduzenten weltweit macht. Seine Geografie, die sowohl vom Atlantik als auch vom Mittelmeer beeinflusst wird, sorgt für unterschiedliche Mikroklimata und Böden, die ein einzigartiges Terroir begünstigen. Das 1935 eingeführte französische Weinklassifizierungssystem, die Appellation d'Origine Contrôlée (AOC), dient weltweit, insbesondere in Europa, als gesetzliches Vorbild. Frankreich ist auch der Ursprung vieler beliebter Rebsorten wie Cabernet Sauvignon, Chardonnay, Merlot, Pinot Noir, Syrah und Sauvignon Blanc. Zu den wichtigsten Weinregionen des Landes gehören das Elsass, Burgund, die Champagne, Bordeaux und Languedoc-Roussillon, wobei Burgund und Bordeaux im Weintourismus führend sind.

Der Weintourismus, auch Enotourismus genannt, spielt eine wichtige Rolle im französischen Tourismus und zieht ein großes internationales und nationales Publikum in die Weinberge und Weinregionen. Im Jahr 2016 begrüßte Frankreich 83 Millionen Touristen, von denen 10 Millionen als Weintouristen identifiziert wurden. Von diesen Besuchern waren 58 % Franzosen, während 42 % internationale Besucher waren. Dieses internationale Segment verzeichnete ein bemerkenswertes Wachstum, das von 2009 bis 2016 um 40 % zunahm, während der französische Weintourismus nur um 29 % stieg. Belgische und britische Touristen machen fast die Hälfte der ausländischen Weintouristen aus, aber auch Besucher aus asiatischen Ländern haben in den letzten Jahren verstärktes Interesse gezeigt. Die wirtschaftlichen Auswirkungen des Weintourismus sind beträchtlich: 2016 erwirtschaftete der Weintourismus rund 5,2 Milliarden Euro, wobei ein durchschnittlicher Besucher rund 1.256 Euro ausgab, von denen 240 Euro direkt auf weinbezogene Einkäufe und Aktivitäten entfielen. In Frankreich gibt es etwa 10.000 Weingüter, die der Öffentlichkeit zugänglich sind, wobei Bordeaux, die Champagne und das Elsass die beliebtesten Regionen für Weintouristen sind.

Frankreich hat einen strategischen Ansatz zur Organisation und Förderung des Enotourismus gewählt und 2009 den Nationalen Rat für Enotourismus gegründet. Dieses Gremium hat das Label "Vignobles et Découvertes" ins Leben gerufen, ein Qualitätssiegel zur Förderung eines umfassenden enotouristischen Angebots. Dieses Gütesiegel vertritt derzeit 67 Reiseziele und über 4.000 Dienstleister. Der 2020 gegründete Weintourismus-Cluster unterstützt den Sektor weiter, indem er Akteure aus der Tourismus- und Weinbranche zusammenbringt, um die gemeinsamen Ressourcen der Branche zu stärken. Bildungseinrichtungen wie die Universität Straßburg haben mit der Einrichtung des Lehrstuhls für Wein und Tourismus ebenfalls einen Beitrag zur Weintourismusforschung und Talententwicklung geleistet.

2018 veröffentlichte die nationale Tourismusagentur Atout France einen Dreijahres-Aktionsplan für den Weintourismus mit den Zielen, die Qualität des weintouristischen Angebots zu verbessern, die Branche zu professionalisieren, einen verantwortungsvollen Konsum zu fördern, regulatorische Hindernisse abzubauen, wirtschaftliche Erkenntnisse zu entwickeln, das Marketing zu verbessern und den Weintourismus einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Frankreichs Tourismussektor profitiert von einer Datenzentrale, France Tourisme Observation, die Daten zur Unterstützung der Weintourismusbranche sammelt und weitergibt. Veröffentlichungen von Atout France, einschließlich Berichten und Infografiken, bieten regelmäßige Aktualisierungen und Einblicke in die Trends im Weintourismus.

Frankreichs Angebot im Bereich des Weintourismus ist vielfältig und reicht von traditionellen Weinverkostungen und Weinbergsbesichtigungen bis hin zu innovativen Erlebnissen und Veranstaltungen. Etwa 83 % der Weingüter bieten feste Termine für touristische Aktivitäten an, wobei die meisten Besuche zwischen April und September stattfinden. Kostenlose Verkostungen sind nach wie vor weit verbreitet, obwohl viele Weingüter begonnen haben, Gebühren zu erheben: 67 % bieten kostenpflichtige Verkostungen an und über 60 % bieten thematische Verkostungen an. Der Sektor verfolgt beim Marketing einen Mehrkanalansatz. 94 % der Weingüter verkaufen direkt an die Besucher, oft ergänzt durch Online-Verkäufe und Partnerschaften mit Tourismusorganisationen.

Marketing und Werbung sind von zentraler Bedeutung für das Wachstum des Enotourismus in Frankreich. Die von der Regierung unterstützte Website "Visit French Wine" und Konten in den sozialen Medien dienen dazu, französische Weindestinationen weltweit zu bewerben. Atout France führt auch große Kampagnen durch, wie z. B. die #FEEL-Initiative, die sich an den deutschen, britischen und niederländischen Markt richtet und mit Millionen von Impressionen auf digitalen Plattformen eine große Reichweite erzielt. Andere Kampagnen wie Bring a Friend to the French Wine Regions" zielen darauf ab, Millennials anzusprechen, während Saveurs de France" in Publikationen wie der Zeitschrift VINUM für französische Weine wirbt. Diese Bemühungen werden von Organisationen wie FranceAgriMer unterstützt, das als strategisches Informationszentrum für den Agrarsektor, einschließlich Wein, dient, um das nachhaltige Wachstum des Enotourismus zu gewährleisten.

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