07.05.2026

Bordeaux treibt eine breit angelegte Modernisierung voran, die neue Weinstile, Nachhaltigkeitsziele und eine stärkere Präsenz auf dem britischen Markt verbindet, während die Region 90 Jahre als AOC begeht und sich als reaktionsfähiger gegenüber der sich wandelnden Nachfrage der Verbraucher präsentieren will.
Der Conseil Interprofessionnel du Vin de Bordeaux teilte am Donnerstag mit, die Region habe in den vergangenen fünf Jahren ihren Wandel durch Veränderungen bei Produktion, Verpackung und Vermarktung beschleunigt. Die Aktualisierung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Bordeaux mit einer kleineren Rebfläche, sinkenden Erträgen und einem globalen Weinmarkt konfrontiert ist, der preissensibler geworden ist und offenere für leichtere, frischere Stile zeigt.
Zu den sichtbarsten Veränderungen zählt die Ausweitung der Stile innerhalb etablierter Appellationen. Entre-deux-Mers, lange bekannt für trockene Weißweine, produziert inzwischen auch Rotweine. Im Médoc beleben Erzeuger die Herstellung trockener Weißweine auf Grundlage einer Tradition aus dem 18. Jahrhundert wieder. Auch Bordeaux-Claret wurde neu positioniert – als leichterer, frischerer und fruchtbetonter Rotweinstil.
Die Region setzt zudem stärker auf Crémant de Bordeaux, der sich zu einer ihrer am schnellsten wachsenden Kategorien entwickelt hat. Die Produktion hat sich in den vergangenen zehn Jahren vervierfacht. 2025 erreichten die Exporte 56.000 Hektoliter beziehungsweise rund 7,5 Millionen Flaschen; das entspricht einem Plus von 35 % beim Volumen und 37 % beim Wert gegenüber 2024. Das Vereinigte Königreich blieb Bordeaux’ zweitgrößter Exportmarkt für Crémant; der Wert stieg dort um 29 %, auf den Markt entfielen 14 % der Gesamtexporte.
Bordeaux erklärte außerdem, dass sich die Schaumweinkategorie auch stilistisch verbreitere: Blanc de Blancs, Blanc de Noirs und Extra Brut ergänzten inzwischen das Sortiment. Produzenten heben zudem Bio-, vegane und Naturweine hervor sowie ungewöhnliche Cuvées wie Ausprägungen aus 100 % Sémillon.
Die Mitteilung verwies auch auf eine schwierige, aber qualitativ hochwertige Ernte 2025. Die Produktion von Weinen mit Appellation d’Origine Protégée belief sich auf 2,9 Millionen Hektoliter und lag damit 12 % unter dem Wert von 2024. Die Rebfläche sank im Jahresvergleich um 9 % auf 86.000 Hektar – der niedrigste seit 1986 erfasste Stand. Bordeaux sagte, der Jahrgang habe von günstigen Wetterbedingungen profitiert sowie von dem, was die Region als Können und Anpassungsfähigkeit der Winzer im Umgang mit dem Klimawandel bezeichnete.
Rotweine des Jahrgangs zeigten laut Region eine ausgeprägte Frucht und Frische bei moderatem Alkoholgehalt. Schaumweine und trockene Weißweine seien aromatisch und lebendig; Sauvignons zeigten Zitrus- und Guavenoten, während Sémillons vollere Weine ergäben. Süßweine wurden als aromatisch und textlich elegant beschrieben.
Nachhaltigkeit bleibt ein zentraler Bestandteil der Botschaft aus Bordeaux. Das Programm „Sustainable Impact“ dient inzwischen als sektorweiter geprüfter CSR-Rahmen und umfasst Umweltschutz, Biodiversität, Klimaanpassung, Widerstandsfähigkeit der Lieferkette, verantwortungsvolle Beschaffung sowie Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz. Das Programm umfasst 69 Weingüter, 23 Handelshäuser und eine Genossenschaftskellerei; zusammen stehen sie für nahezu 10.000 Hektar und 3.300 Beschäftigte.
Auch bei der Verpackung gibt es Veränderungen. Bordeaux erklärte, man arbeite seit 2007 daran, die mit Glasflaschen verbundenen CO2-Emissionen zu senken. Das durchschnittliche Flaschengewicht liegt inzwischen bei 443 Gramm; bis 2030 soll es um weitere 10 % sinken. Zudem stellen Produzenten auf Etiketten aus recycelten oder alternativen Fasern um, verwenden weniger Farbe und setzen QR-Codes für Produktinformationen ein. Bordeaux hat sich außerdem verpflichtet, ab 2027 mindestens 10 % seiner in Frankreich verkauften Weine in wiederverwendbarer Verpackung anzubieten.
Die Region koppelt diese Veränderungen in diesem Jahr mit einer stärkeren Werbeoffensive in Großbritannien. Bordeaux wird vom 18. bis 20. Mai auf der London Wine Fair am Stand E37 mit sechs Winzern, négociants und Genossenschaften unter dem Namen Bordeaux Crew vertreten sein. Vom 28. bis 30. August kehrt die Region zum The Big Feastival in Oxfordshire zurück – mit Wein vom Fass und geführten Speed-Tastings. Der Bordeaux Wine Month findet im September zum neunten Mal statt; mehr als 100 unabhängige Weinhandlungen in ganz Großbritannien bieten Verkostungen, Aktionen und Masterclasses an.
Die Ankündigung fällt zudem mit dem zehnten Jahrestag der La Cité du Vin in Bordeaux zusammen, die seit ihrer Eröffnung im Juni 2016 fast 3,5 Millionen Besucher begrüßt hat. Das Weinmuseum begeht das Jubiläum im Juni mit Veranstaltungen und der Rückkehr von Via Sensoria, seinem sensorischen Verkostungserlebnis.
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