06.05.2026

Bordeaux zeigt neue Stärke im Fine-Wine-Auktionsmarkt: Neue Daten von iDealwine weisen auf höhere Umsätze, mehr gehandelte Flaschen und eine wiedererstarkte Nachfrage nach einigen der bekanntesten Güter der Region hin.
Die in Paris ansässige Auktionsplattform teilte mit, dass ihre Verkäufe 2025 42,4 Millionen Euro erreichten, ein Plus von 9% gegenüber dem Vorjahr, während die Zahl der verkauften Flaschen um 19% stieg. Bordeaux spielte bei diesem Wachstum eine zentrale Rolle. Auf die Region entfielen im vergangenen Jahr 105.274 bei Auktionen verkaufte Flaschen, also etwa jede dritte über iDealwine gehandelte Flasche.
Die Zahlen kommen zu einem Zeitpunkt, an dem der Weinhandel in Bordeaux in die Frühjahrsphase des en primeur eintritt, wenn die Châteaux ihre neuesten Jahrgänge zur späteren Auslieferung anbieten. Die Auktionsergebnisse deuten darauf hin, dass Sammler trotz jahrelanger Sorgen über nachlassendes Interesse an Bordeaux im Vergleich zu Burgund und anderen Regionen weiterhin bereit sind, die großen Namen der Region zu kaufen, wenn Preis und Provenienz stimmen.
An der Spitze des Marktes blieb die Hierarchie vertraut. Petrus, Château Mouton Rothschild und Château Lafite Rothschild führten das Feld nach gehandeltem Wert an, wie schon 2024. Petrus war erneut das einzige Gut mit einem durchschnittlichen Auktionspreis von über 2.000 Euro; der Wert erreichte 2.480 Euro, obwohl die Volumina um 11% zurückgingen und der Durchschnittspreis um 4% nachgab.
Die als Premier Crus klassifizierten Gewächse von 1855 dominierten weiterhin das obere Marktsegment. Mouton Rothschild und Lafite Rothschild steigerten ihren Gesamtwert beide, weil mehr Flaschen auf den Markt kamen. Mouton verkaufte 2025 1.927 Flaschen, ein Plus von 33%, während Lafite 1.691 Flaschen absetzte, ein Plus von 22%. Das waren die höchsten Flaschenzahlen unter den Top-20-Gütern aus Bordeaux.
Der breitere Trend wurde eher vom Volumen als von deutlichen Preissteigerungen getragen. Das deutet darauf hin, dass mehr Verkäufer Bordeaux in die Auktion geben und dass Käufer weiterhin aktiv genug sind, um das Angebot aufzunehmen. Zugleich verweist es auf einen Markt, der selektiv bleibt: Die Nachfrage ist am stärksten bei etablierten Namen mit langer Qualitätsgeschichte und weltweiter Bekanntheit.
Einige Güter verzeichneten besonders starke Zuwächse. Château Lafleur verdoppelte sein Auktionsvolumen 2025 nach dem Austritt aus der Appellation Pomerol – ein Schritt, der offenbar sowohl bei Sammlern als auch bei Einlieferern Aufmerksamkeit erzeugt hat. Auch Château Figeac legte ein starkes Jahr hin: Das verkaufte Volumen stieg um 72%, während der Durchschnittspreis nur um 3% sank; damit festigte das Gut seine Position nach der Höherstufung zum Premier Grand Cru Classé A.
Außerhalb der Spitzengruppe verzeichneten mehrere weitere Bordeaux-Güter deutliche Wertzuwächse. Vieux Château Certan legte um 141% zu, Château Canon gewann 112%, Château Rauzan-Ségla stieg um 91% und Château Smith Haut Lafitte um 88%. Diese Zuwächse deuten darauf hin, dass Käufer ihren Fokus über die offensichtlichen Trophäenweine hinaus ausweiten.
Auch die Durchschnittspreise zeigen, wie konzentriert die Nachfrage an der absoluten Spitze bleibt. Château Le Pin lag mit durchschnittlich 2.417 Euro knapp hinter Petrus und unterstreicht damit den Aufpreis für winzige Pomerol-Güter mit begrenzter Produktion und starkem Renommee.
Der Bericht zeigt zudem, wie Bordeaux sich in verschiedenen Märkten gegen Burgund schlägt. Burgund führt weiterhin in wichtigen Fine-Wine-Zentren wie Hongkong, Südkorea und den Vereinigten Staaten. Bordeaux ist jedoch in mehreren europäischen Märkten tief verwurzelt und hat dort wieder Boden gutgemacht, wo Burgund zuletzt Marktanteile gewonnen hatte.
In Singapur, einst als Hochburg von Bordeaux betrachtet, lagen Burgund und Bordeaux im vergangenen Jahr bei den versandten Volumina mit jeweils 34% gleichauf. In Deutschland überholte Burgund Bordeaux 2025 beim Wert mit 36%, während Bordeaux beim Volumen mit 34% weiterhin vorne lag. Die Schweiz blieb ein starker Bordeaux-Markt; auf die Region entfielen dort 37% des Werts und 31% des Volumens. Spanien zeigte für Bordeaux eine deutliche Erholung: Der Anteil am Auktionswert stieg von 36% im Jahr 2024 auf 46%. In Skandinavien holte Bordeaux die Führung zurück mit 34% des Werts und 31% des Volumens.
iDealwine erklärte, seine Daten spiegelten Gebote aus mehr als 60 Ländern wider und böten damit einen breiten Blick darauf, wie sich Geschmäcker über die Märkte hinweg verschieben. Der jährliche Barometerbericht des Unternehmens wird aufmerksam verfolgt, weil er nicht nur Preise abbildet, sondern auch zeigt, welche Weine Bietergefechte auslösen und wo die Nachfrage am stärksten ist.
Die jüngsten Zahlen legen nahe, dass Bordeaux kein spektakuläres Comeback feiert, sondern vor allem beweist, dass es weiterhin relevant ist. Burgund mag in einigen Märkten mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen, doch die Tiefe von Bordeaux bleibt in den Auktionssälen sichtbar, wo Blue-Chip-Namen weiterhin verlässlich Gebote anziehen und steigende Volumina darauf hindeuten, dass sich Sammler doch nicht von der Region abgewandt haben.
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