Chilenische Wissenschaftler wollen alkoholarme Weine ohne Qualitätsverlust herstellen

Chilenische Hefe reduziert den Alkoholgehalt des Weins, ohne seinen Geschmack zu beeinträchtigen

12.04.2024

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In der weitläufigen Welt des Weinbaus sind wissenschaftliche Fortschritte von entscheidender Bedeutung für die Anpassung an die neuen Herausforderungen, die der Klimawandel mit sich bringt. Eine herausragende Errungenschaft stammt aus Chile, wo Wissenschaftler einen neuen Hefetyp entwickelt haben, der die Herstellung von Weinen mit niedrigerem Alkoholgehalt ermöglicht, ohne dass die Qualität darunter leidet. Diese Innovation der Universität von Santiago de Chile (USACH) ist ein bedeutender Schritt in Richtung eines nachhaltigeren Weinbaus, der den heutigen Anforderungen des Marktes an einen gesünderen Konsum entspricht.

Unter der Leitung von Dr. Claudio Martínez haben die Forscher die gentechnische Veränderung von Hefen akribisch vorangetrieben und sich dabei auf Stämme von Saccharomyces cerevisiae konzentriert. Durch gezielte Züchtung schufen sie 132 Hybride aus 70 lokalen Wildhefestämmen. Bemerkenswerterweise haben diese nicht gentechnisch veränderten Hybride die Fähigkeit gezeigt, den Alkoholgehalt in Weinen um durchschnittlich 9 % zu senken, in einigen Fällen sogar um bis zu 27 % im Vergleich zu ihren Elternstämmen.

Das Projekt mit dem Titel "Hefestämme mit geringerer Alkoholeffizienz für die Herstellung von Qualitätsweinen ID21I10198" hat nicht nur die Aufmerksamkeit der wissenschaftlichen Gemeinschaft erregt, sondern auch die Unterstützung der chilenischen Weinindustrie gewonnen. Unternehmen wie Lallemand Inc Chile und bekannte Weingüter wie Casa Silva und Casa Acosta haben sich aktiv an der Pilotversuchsphase beteiligt und die Auswirkungen dieser Hefen auf die Qualität und die sensorischen Eigenschaften der Weine bewertet.

Die Auswirkungen des Klimawandels auf den Weinbau sind ebenso deutlich wie besorgniserregend. Der globale Temperaturanstieg hat dazu geführt, dass die Trauben vor der Ernte einen höheren Zuckergehalt erreichen, was zu Weinen mit höherem Alkoholgehalt führt. Dieses Phänomen ist nicht nur in Chile zu beobachten, sondern auch in weltbekannten Weinregionen wie Bordeaux in Frankreich, wo der durchschnittliche Alkoholgehalt 13,5 Grad überschritten hat. Darüber hinaus kann sich dieser höhere Alkoholgehalt negativ auf die sensorischen Eigenschaften des Weins auswirken, unter anderem durch ein verstärktes Brennen im Mund.

Angesichts dieses Szenarios bietet die Verwendung von Spezialhefen eine innovative und wirksame Lösung. Die Senkung des Alkoholgehalts ohne Beeinträchtigung der Weinqualität ist nicht nur eine technische Verbesserung, sondern auch eine Antwort auf die Nachfrage der Verbraucher und die steuerlichen Vorschriften in verschiedenen Ländern, in denen die Alkoholsteuer den Export von Weinen mit hohem Alkoholgehalt erheblich belasten kann.

Die von Dr. Martínez und seinem Team geleitete Initiative ist ein Beispiel dafür, wie Wissenschaft und Zusammenarbeit konkrete und wirksame Lösungen für die Weinindustrie bieten können, um den Herausforderungen des Klimawandels mit Innovation und angewandtem Wissen zu begegnen. Da das Patentierungsverfahren für diese Methoden bereits läuft, ist zu erwarten, dass sich der Einsatz dieser gentechnisch verbesserten Hefen ausweiten und nachhaltigere Weinbaupraktiken fördern wird, die besser an die neuen Realitäten des globalen Marktes angepasst sind.

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