Italiens Weinexporte leiden unter Zoll-Unsicherheit

11.05.2026

Branchenvertreter sagen, die wechselnde US-Handelspolitik störe Lieferungen, Preisgestaltung und Absatz entlang der gesamten Weinkette.

Die jüngsten Drohungen und Rückschläge rund um die US-Zölle fügen Italiens Weinwirtschaft eine weitere Belastung hinzu, sagte Lamberto Frescobaldi, Präsident von Unione italiana vini. Die Unsicherheit selbst treffe inzwischen Unternehmen, die ohnehin schon unter Druck stünden.

Am Freitag, nach der Ablehnung der neuen globalen Zölle durch das International Trade Court und während Präsident Trump an Fristen im Zusammenhang mit dem vergangenen August in Schottland unterzeichneten Handelsabkommen festhielt, sagte Frescobaldi, die fehlende Klarheit erschwere es den Weingütern, Lieferungen, Preise und Verträge mit amerikanischen Käufern zu planen. Die Produzenten hofften, durch die Ratifizierung des Turnberry-Abkommens so viel Unsicherheit wie möglich zu verringern, auch wenn es selbst dann wenig Grund zum Feiern geben werde.

Unione italiana vini erklärte, die Zölle hätten die Exporte in die Vereinigten Staaten geschwächt und auch das breitere kommerzielle Netzwerk in Amerika beschädigt; diese Einschätzung teilt auch die United States Wine Trade Alliance. Die Allianz, die Importeure, Distributoren, Produzenten, Gastronomen und Weinhandlungen vertritt, beschreibt die Auswirkungen als real, weitreichend und entlang der gesamten Weinkette anhaltend; bei einigen Unternehmen seien die Umsätze um 5% bis 15% oder mehr zurückgegangen.

Auch in der Gastronomie ist der Druck spürbar. Nach Angaben von Datassential führen Speisekarten im ganzen Land inzwischen 37% weniger Weißwein-Positionen und 26% weniger Rotwein-Positionen. Branchenverbände sagen, das spiegele nicht nur höhere Kosten wider, sondern auch eine geringere Auswahl für Verbraucher und niedrigere Margen für Betreiber, die auf importierte Weine angewiesen sind.

Für Italien fallen die Zahlen deutlich aus. Das Observatorium von Uiv meldete für 2025 einen Rückgang der Weinexporte um 9,2%, was einem Umsatzverlust von 178 Millionen Euro entspricht; allein in den letzten sechs Monaten des Jahres betrug das Minus 23%. Das erste Quartal dieses Jahres schloss mit einer Differenz von rund 20% gegenüber dem Vorjahr beziehungsweise 105 Millionen Euro ab und markierte damit den schwächsten Jahresauftakt seit 2022. Dennoch ging Uiv davon aus, dass sich die Verkaufswerte nach neun Monaten im negativen Bereich bis April leicht erholen würden.

Der Streit trifft italienische Exporteure in einer sensiblen Phase: Sie sind stark vom US-Markt und von einem Vertriebssystem abhängig, das Großhändler, Einzelhändler und Restaurants umfasst. Branchenvertreter sagen, jede weitere Verzögerung oder Verwirrung über die Zollpolitik könnte die Verluste nicht nur für italienische Weingüter, sondern auch für amerikanische Unternehmen vertiefen, die ihre Weine verkaufen und ausschenken.