Weintourismus bringt italienischen Weingütern mehr als 3 Milliarden Euro

UniCredit und Nomisma zufolge machen Kellerbesuche, Verkostungen und Direktverkäufe inzwischen im Schnitt 21 % des Umsatzes aus.

15.04.2026

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UniCredit und Nomisma teilten am Dienstag mit, dass der Weintourismus italienischen Weingütern im Jahr 2025 mehr als 3 Milliarden Euro eingebracht habe und im Durchschnitt 21 % ihres Umsatzes ausmache. Das ist ein Zeichen dafür, dass Direktbesuche, Verkostungen und Verkäufe im Keller für weite Teile des italienischen Weinsektors zu einem zentralen Bestandteil des Geschäftsmodells geworden sind.

Die Ergebnisse stammen aus dem ersten Bericht zum Weintourismus in Italien, der in Verona bei einem Workshop mit dem Titel „Wine Tourism: Opportunities for Development for Businesses and Territories“ vorgestellt wurde. Die Studie wurde von UniCredit und Nomisma Wine Monitor in Partnerschaft mit Vinitaly sowie in Zusammenarbeit mit der Associazione Nazionale Città del Vino erstellt. Grundlage war eine Stichprobe von 300 Weingütern und 13 Schutzkonsortien in ganz Italien.

Der Bericht zeichnet den Weintourismus als wachsende Quelle der Resilienz in einer schwierigen Phase für die Erzeuger, die mit schwächeren Exporten, nachlassendem Inlandsverbrauch und einer breiteren Unsicherheit infolge geopolitischer Spannungen und Handelskonflikte konfrontiert sind. Laut derselben Studie gingen die italienischen Weinexporte 2025 wertmäßig um 3,6 % zurück, während die Verkäufe über große Einzelhandelsketten mengenmäßig um 3 % sanken. Der Außer-Haus-Konsum blieb schwach, da die Haushalte ihre Ausgaben kürzten, Restaurantbesuche zurückgingen und der Inlandstourismus um 3,5 % nachgab.

Vor diesem Hintergrund betrachten immer mehr Weingüter den Tourismus nicht als Zusatzgeschäft, sondern als Einnahmequelle, die Druck an anderer Stelle abfedern kann. Dem Bericht zufolge wird dieser Trend vor allem von größeren und besser organisierten Unternehmen getragen, die eher in der Lage sind, Besucher anzuziehen, die nach intensiveren und individuelleren Erlebnissen suchen als nach der klassischen Kellertour mit Verkostung und Direktverkauf.

Der typische Besucher ist weiterhin italienisch und macht 58 % aus; am häufigsten kommen Paare oder Familien, auf die zusammen 51 % der Besuche entfallen. Nicht fachkundige Verbraucher stellen 58 % des Publikums. Der Bericht verweist jedoch auf eine steigende internationale Nachfrage und deutet damit darauf hin, dass Weintourismus nicht nur als lokaler Vertriebskanal relevanter wird, sondern auch als Mittel zum Aufbau von Markenbekanntheit im Ausland.

Gleichwohl nennt die Studie mehrere Hindernisse, die das Wachstum weiterhin begrenzen. Dazu zählen eine unzureichende lokale Infrastruktur, komplexe Genehmigungsregeln, geringe Anreize und ein Mangel an Fachkräften. Nur ein kleiner Teil der Weingüter bietet noch gar keine Weintourismus-Aktivitäten an; viele Erzeuger sagten jedoch, diese Hürden erschwerten es, über grundlegende Gastfreundschaftsangebote hinauszugehen und höherwertige Angebote zu entwickeln.

Remo Taricani, stellvertretender Italien-Chef von UniCredit, sagte, Wein und Tourismus seien in einer von Klima- und geopolitischen Herausforderungen geprägten Zeit Säulen der Wettbewerbsfähigkeit des Landes. UniCredit habe seine Unterstützung für den Sektor über die Agribusiness-Einheit und das Angebot One4Wine ausgeweitet. Im Jahr 2025 habe die Bank der Wertschöpfungskette neue Kredite in Höhe von mehr als 300 Millionen Euro bereitgestellt – mehr als 35 % über dem Vorjahreswert.

Denis Pantini, Leiter Agrifood und Wine Monitor bei Nomisma, sagte, Weintourismus dürfe nicht als Notlösung betrachtet werden. Er bezeichnete ihn als Wettbewerbsstrategie, die durch den Abbau von Zwischenhändlern die Profitabilität verbessern könne, Besucher zu Markenbotschaftern mache und dazu beitrage, Landschaften und ländliche Gemeinden zu schützen, indem sie Weingüter in ein breiteres touristisches Ökosystem einbinde.

Veröffentlicht wurde der Bericht zusammen mit umfassenderen Daten zu Italiens Weinregionen, die zeigen, wie unterschiedlich Produzenten derzeit mit den Marktbedingungen umgehen. Die nationale Produktion blieb 2025 mit 44,4 Millionen Hektolitern stabil und legte um 0,7 % zu; regional fielen die Ergebnisse jedoch sehr unterschiedlich aus. Trentino-Südtirol verzeichnete ein Plus von 15,2 %, Lombardei von 11,7 %, Apulien von 9,7 % und Venetien von 6,1 %, während Toskana um 18,4 %, Emilia-Romagna um 10,2 %, Piemont um 7,4 % und Sizilien um 5,8 % zurückgingen.

Die Studie stellte zudem fest, dass Italiens Rebfläche inzwischen zu 19 % ökologisch bewirtschaftet wird; Basilikata, Marken und Toskana liegen jeweils bei über 45 %, während Sardinien mit 6 % weiterhin Schlusslicht ist. Auch bei den Exportmustern verschieben sich die Gewichte weiter: Venetien führt bei Schaumweinexporten mit 47 %, gefolgt von Friaul-Julisch Venetien mit 38 %, Piemont mit 34 % und Lombardei mit 29 %. In den vergangenen zehn Jahren sind die Schaumweinexporte in südlichen Regionen wie Sizilien und Apulien stark gewachsen.

Für Weingüter, die sich an langsamere Exportmärkte und veränderte Konsumgewohnheiten anpassen müssen, war die Botschaft von UniCredit und Nomisma eindeutig: Tourismus ist im italienischen Weinsektor längst nicht mehr nur ein Randthema; er entwickelt sich zu einem seiner wichtigsten Motoren der Wertschöpfung.

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