Weltweiter Weinkonsum fällt auf den niedrigsten Stand seit 1957

18.05.2026

Höhere Preise, schwächere Nachfrage und veränderte Trinkgewohnheiten drückten den weltweiten Weinkonsum 2025 um 2,7 % nach unten.

Der weltweite Weinkonsum ist 2025 auf den niedrigsten Stand seit fast 70 Jahren gefallen, wie die Internationale Organisation für Rebe und Wein mitteilte. Höhere Preise, schwächere Nachfrage und wirtschaftliche Unsicherheit belasteten damit weiterhin einen der etabliertesten Märkte der Getränkeindustrie.

Die Organisation erklärte, der globale Konsum sei gegenüber dem Vorjahr um 2,7 % auf 208 Millionen Hektoliter gesunken – ein Niveau, das seit 1957 nicht mehr erreicht worden war. Der Rückgang spiegelt einen breiteren Wandel der Trinkgewohnheiten in den großen Weinmärkten wider, in denen Verbraucher weniger Wein kaufen und sich in einigen Fällen Bier, Spirituosen, alkoholarme Getränke oder alkoholfreie Alternativen zuwenden.

Auch Deutschland, einer der größten Weinmärkte Europas, verzeichnete ein Minus. Dort sank der Konsum den gleichen Schätzungen zufolge um 4,3 % auf 17,8 Millionen Hektoliter. Branchenanalysten verweisen für den Rückgang auf mehrere Gründe, darunter höhere Einzelhandelspreise, vorsichtige Haushaltsausgaben und Handelsspannungen, die Importeuren und Distributoren zusätzlichen Druck machen.

Der Abschwung trifft die Winzer und Händler zu einem schwierigen Zeitpunkt, da sie in vielen Ländern bereits mit engeren Margen und langsameren Verkäufen konfrontiert sind. Die Produzenten müssen ihre Lagerbestände anpassen, ihre Preisgestaltung überdenken und Wege finden, Wein für jüngere Verbraucher relevant zu halten, die insgesamt weniger Alkohol trinken.

In Deutschland ist der Rückgang besonders bemerkenswert, weil Wein seit Langem sowohl im heimischen Konsum als auch im Einzelhandel einen stabilen Platz hat. Steigende Kosten haben Flaschen jedoch im Handel und in der Gastronomie teurer gemacht, während die Inflation viele Käufer zu günstigeren Getränken oder kleineren Einkäufen gedrängt hat.

Die globalen Zahlen spiegeln zudem unterschiedliche Bedingungen in den Erzeugungsregionen wider. Einige Länder verzeichneten eine stärkere Binnennachfrage als andere, doch insgesamt zeigt der Trend seit mehreren Jahren nach unten, da Gesundheitsbedenken, veränderte Lebensstile und wirtschaftlicher Druck die Trinkmuster verändern. Für Erzeuger und Exporteure bedeutet das eine weniger planbare Nachfrage und mehr Konkurrenz um Regalflächen und Restaurantlistings.

Weinunternehmen stehen nun unter Druck, ihre Produktpalette anzupassen; einige setzen stärker auf günstigere Etiketten, kleinere Gebinde oder Weine mit geringerem Alkoholgehalt. Andere investieren verstärkt in Marketing für jüngere Konsumenten, die möglicherweise weniger an der traditionellen Weinkultur hängen.

Die aktuellen Daten nähren die Sorge, dass die Branche eher vor einem strukturellen Wandel als vor einer kurzfristigen Abschwächung steht. Für Produzenten in Deutschland und im Ausland lautet die Herausforderung nicht mehr nur, wie viel Wein erzeugt werden kann, sondern wie viel Verbraucher bereit sind zu kaufen – in einer Zeit veränderter Gewohnheiten und anhaltend hoher Kosten.