Forscher stellen biologisch abbaubaren Rebschutz vor

29.04.2026

Das neue dsRNA-basierte Produkt zielt auf Falschen Mehltau und Botrytis ab – ohne nachweisbare Rückstände.

Ein neues Pflanzenschutzprodukt für Reben, das Falschen Mehltau und Botrytis bekämpfen soll und dabei keine nachweisbaren Rückstände hinterlässt, wurde auf der Vinitaly 2026 in Verona vorgestellt. Forschende der Fakultät für Agrarwissenschaften der Universität Mailand und von Crea Viticoltura ed Enologia erklärten, sie hätten ein Molekül entwickelt, das sowohl hochwirksam als auch vollständig biologisch abbaubar sei. Das Projekt mit dem Namen Grape4vine ist das Ergebnis von 36 Monaten Arbeit von 25 Forschenden und wird von der Fondazione Cariplo unterstützt. Ziel ist es, Nebenprodukte aus dem Weinbau wie Trester und Rebschnitt in ein Instrument für den Pflanzenschutz zu verwandeln – ein Ansatz, der nach Angaben der Entwickler den Einsatz synthetischer Chemikalien im Weinberg verringern könnte.

Nach Angaben der Forschenden reduzierte das Molekül die Krankheitsinzidenz in Versuchen um rund 80%. Silvia Toffolatti, Professorin an der Universität Mailand, sagte, der Ansatz basiere auf doppelsträngiger RNA, kurz dsRNA, einer Biotechnologie, die Gen-Silencing nutzt, um Krankheitserreger zu schwächen oder Pflanzen widerstandsfähiger zu machen. Im Fall des Falschen Mehltaus identifizierte das Team Gene der Pflanzenanfälligkeit und setzte dsRNA ein, um sie zum Schweigen zu bringen und so den Krankheitsverlauf zu verringern. Bei Botrytis cinerea richtete sich die Methode gegen Pilzgene, die für die Entwicklung des Erregers wesentlich sind. Das Ergebnis sei eine gezielte Abwehrmethode ohne schädliche Rückstände, die andere Organismen nicht beeinträchtige, so die Forschenden.

Falscher Mehltau zählt weiterhin zu den gravierendsten Bedrohungen für europäische Weinberge und verursachte in Italien 2023 erhebliche Verluste: Der durchschnittliche Ernteschaden wurde auf 30%-40% geschätzt, in einigen Gebieten Mittelitaliens wurden sogar Einbußen von bis zu 100% gemeldet. Nach Angaben der vom italienischen Verband für Pflanzenschutz zitierten Zahlen war die Krankheit auf rund 30.000 Betrieben präsent und verursachte Schäden in Höhe von mehreren zehn Millionen Euro. Dieses Ausmaß an Verlusten hat die Suche nach Alternativen für Winzer dringlicher gemacht, die mit häufigeren Wetterumschwüngen infolge des Klimawandels konfrontiert sind.

Das Projekt steht auch für einen breiteren Vorstoß hin zu Kreislaufwirtschafts-Ansätzen in der Landwirtschaft. Indem Abfälle aus der Weinproduktion als Nährsubstrat für Mikroorganismen genutzt werden, die bei der Herstellung von dsRNA helfen, können die Forschenden nach eigenen Angaben bei einer Skalierung der Prozesse die Kosten senken und zugleich landwirtschaftlich-industriellen Abfällen einen neuen Wert verleihen. Attilio Scienza, ein renommierter Professor für Weinbau an der Universität Mailand und Berater des Projekts, sagte, die Arbeit zeige, dass Pflanzenschutz nicht länger nur als Schutz der Reben verstanden werden sollte, sondern als deren Stärkung.

Eine zweite Phase hat bereits im Rahmen einer separaten regionalen Förderausschreibung aus der Lombardei begonnen, mit dem Ziel, das dsRNA-Molekül in ein kommerzielles Produkt zu überführen und auf die industrielle Produktion vorzubereiten. Forschende und Branchenvertreter, die an der Abschlussdiskussion teilnahmen, forderten die Regulierungsbehörden auf, die Zulassung zügig voranzutreiben. Zu denjenigen, die sich für schnelleres Handeln aussprachen, gehörten Maurizio Bogoni von Tenute Ruffino, Elisa De Luca von Vivai Cooperativi Rauscedo, Valentina Papeschi von FuturAgri Brescia-Condifesa und Luca Nerva von Crea sowie Führungskräfte von Gowan Italia und Diachem.

Ihre Botschaft lautete, dass der Klimawandel das Zeitfenster für wirksame Behandlungen im Weinberg verkürzt und den Umgang mit bestehenden Schutzmaßnahmen erschwert. Barbara Ferro, Vorstandsvorsitzende von Veronafiere, lobte die Arbeit des Forschungsteams und sagte, engere Verbindungen zwischen Wissenschaft und Industrie seien unerlässlich, wenn Innovation dem Weinsektor helfen solle, auf Klima-, Umwelt- und Marktdruck zu reagieren.