Studie: 31,8 % der Erwachsenen in Großbritannien tranken 2024/25 auf riskantem Niveau
Die in BMC Medicine veröffentlichte Arbeit schätzte eine mögliche Abhängigkeit auf 1,49 % und verweist auf regionale und soziale Unterschiede bei alkoholbedingten Schäden.
Donnerstag, 10. September 2026

Eine in BMC Medicine veröffentlichte Studie hat ergeben, dass in Großbritannien 2024/25 fast jeder dritte Erwachsene auf riskantem Niveau Alkohol trank, während ein weitaus kleinerer Anteil Anzeichen möglicher Alkoholabhängigkeit zeigte. Damit liefert die Untersuchung neue Belege für die Debatte über alkoholbedingte Schäden, öffentliche Gesundheitspolitik und den Getränkemarkt.
Die Forschung untersuchte von 2020 bis 2025 die Verbreitung und Muster riskanten und abhängigen Trinkens in ganz Großbritannien. Den Angaben der Studie zufolge konsumierten 31,8 % der Erwachsenen im Jahr 2024/25 Alkohol in als riskant eingestuften Mengen, und 1,49 % fielen in eine Kategorie, die mit möglicher Abhängigkeit vereinbar war. Die Arbeit identifizierte zudem regionale Unterschiede und soziale Ungleichheiten in diesen Mustern.
Die Ergebnisse sind relevant, weil sie nahelegen, dass schädlicher Alkoholkonsum weiterhin weit verbreitet ist, auch wenn wahrscheinliche Abhängigkeit nur eine deutlich kleinere Gruppe betrifft. Dieser Unterschied ist wichtig für Gesundheitsbehörden, die entscheiden, worauf sie Präventionsmaßnahmen konzentrieren. Er hat auch potenzielle Auswirkungen auf Brauereien, Weinproduzenten, Spirituosenhersteller, Einzelhändler und Unternehmen der Gastronomie, die möglicherweise stärker unter Druck geraten, Botschaften zur Schadensminderung zu unterstützen, und die die Daten nutzen könnten, um ihr Verständnis der verschiedenen Trinkergruppen im britischen Markt zu schärfen.
Die Studie umfasst einen Zeitraum, der die Jahre nach Beginn der Covid-19-Pandemie einschließt, als sich die Trinkgewohnheiten in vielen Ländern aufgrund von Lockdowns, veränderten Arbeitsroutinen, wirtschaftlichem Druck und Stress verschoben. Durch die Analyse des Zeitraums 2020 bis 2025 konnten die Forscher nicht nur die Gesamtprävalenz betrachten, sondern auch, wie sich das Alkoholrisiko über Regionen und Bevölkerungsgruppen verteilte.
Auch wenn die Zusammenfassung im Monitor keine vollständige regionale Aufschlüsselung enthielt, hieß es dort, die Forscher hätten klare geografische Muster und Ungleichheiten festgestellt. Das deutet eher auf eine ungleich verteilte Belastung als auf einen einheitlichen nationalen Trend hin. Praktisch bedeutet das, dass einige Gemeinden wahrscheinlich einen größeren Anteil des alkoholbedingten Risikos tragen als andere, was Einfluss darauf haben könnte, wohin Screenings, Behandlungsmöglichkeiten und öffentliche Informationskampagnen ausgerichtet werden.
Die Zahl von 31,8 % zeigt, dass riskantes Trinken nicht auf eine schmale Gruppe von Vieltrinkern beschränkt ist. Sie legt nahe, dass ein breiter Teil der erwachsenen Bevölkerung Mengen trinkt, die die Wahrscheinlichkeit von Gesundheitsproblemen, Unfällen oder anderen Schäden erhöhen können. Die Schätzung von 1,49 % für mögliche Abhängigkeit ist deutlich niedriger, stellt aber dennoch ein erhebliches gesundheitspolitisches Problem dar, weil Abhängigkeit häufig mit schwereren medizinischen, sozialen und wirtschaftlichen Folgen verbunden ist und intensivere Unterstützung erforderlich machen kann.
Forscher und politische Entscheidungsträger haben seit Langem zwischen der Verringerung alkoholbedingter Schäden in der gesamten Bevölkerung und der gezielten Ansprache der kleineren Gruppe mit dem höchsten Bedarf unterschieden. Die neuen Schätzungen dürften diese Debatte in Großbritannien befeuern. Wenn ein großer Anteil der Erwachsenen auf riskantem Niveau trinkt, dürften breit angelegte Maßnahmen wie Aufklärung, Kennzeichnung, Diskussionen über Preise oder Screenings in der Primärversorgung weiter Aufmerksamkeit erhalten. Bleibt Abhängigkeit auf bestimmte Gruppen oder Regionen konzentriert, könnte das die Argumente für gezieltere Behandlungsangebote und lokale Interventionen stärken.
Der Fokus der Studie auf Ungleichheiten dürfte ebenfalls auffallen. Alkoholbedingte Schäden treffen die Gesellschaft oft nicht gleichmäßig, und Unterschiede bei Einkommen, Wohnort und Zugang zur Versorgung können sowohl Trinkmuster als auch gesundheitliche Ergebnisse prägen. Auch ohne die vollständigen Details der Arbeit zeigt die Zusammenfassung, dass die Autoren Unterschiede festgestellt haben, die gravierend genug waren, um sie neben den landesweiten Schätzungen hervorzuheben.
Für die Getränkebranche könnten die Daten Teil einer breiteren Debatte über verantwortungsvollen Konsum und Regulierung werden. Alkoholunternehmen, die in Großbritannien tätig sind, arbeiten bereits in einem Umfeld, in dem gesundheitsbezogene Angaben, Warnhinweise, Werbestandards und Produktinformationen genau beobachtet werden. Der Befund, dass fast ein Drittel der Erwachsenen riskant trinkt, könnte Forderungen nach klareren Verbraucherbotschaften neuen Auftrieb geben. Er könnte Unternehmen auch dazu anregen, Konsummuster über Regionen und demografische Gruppen hinweg genauer zu analysieren, zumal sie versuchen, kommerzielle Ziele mit den Erwartungen der Öffentlichkeit an Schadensminderung in Einklang zu bringen.
Die Arbeit wurde in BMC Medicine veröffentlicht, einer begutachteten Zeitschrift von Springer Nature, und wurde in der Zusammenfassung im Monitor als Open Access beschrieben. Damit stehen die Ergebnisse Gesundheitsbehörden, Interessengruppen, Branchenanalysten und Kommunalverwaltungen ohne Bezahlschranke zur Verfügung, was ihren Einsatz in Politik- und Marktdiskussionen verstärken kann.
Da das über den Monitor verfügbare Quellenmaterial den vollständigen Text der Arbeit nicht enthielt, zeigt die Zusammenfassung nicht die genauen Definitionen oder Schwellenwerte, die zur Einstufung von riskantem Trinken und möglicher Abhängigkeit verwendet wurden. In der Alkoholforschung beruhen solche Kategorien in der Regel auf validierten Screening-Instrumenten oder Konsummessungen und nicht auf formellen klinischen Diagnosen. Das bedeutet, dass die Zahl von 1,49 % als Schätzung möglicher Abhängigkeit in der Bevölkerung zu lesen ist, nicht als Zahl diagnostizierter Fälle.
Auch mit diesem Vorbehalt ist die Hauptbotschaft klar. Die Studie zeichnet ein aktuelles nationales Bild, in dem riskanter Alkoholkonsum in Großbritannien weiterhin verbreitet ist, mögliche Abhängigkeit eine kleinere, aber bedeutsame Minderheit betrifft und beides von regionalen und sozialen Unterschieden geprägt ist. Diese Ergebnisse dürften die nächste Runde der öffentlichen Gesundheitsplanung beeinflussen und möglicherweise auch prägen, wie die Alkoholindustrie, Einzelhändler und Gastronomiebetriebe in einem der größten Getränkemärkte Europas ihre Verbraucherkommunikation gestalten.